06.07.2020 - 14:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Auch der Wald leidet unter Corona

Ein bisserl ein Gefühl für den Wald, für die Natur. Das wünscht sich Stadtförster Martin Seits von den Ambergern. Doch oft erlebt er am Mariahilfberg wüste Partys bis hin zum Waldfrevel.

Dieser Baum wurde unter anderem von Unbekannten über Nacht abgesägt. Der Stamm hing für Tage gefährlich zwischen anderen Stämmen fest und musste jetzt aufwendig entfernt werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Am Samstagabend standen die Bäume oberhalb von Raigering am Mariahilfberg noch, am Sonntagmorgen waren einige von ihnen abgesägt. "Die müssen das mit der Hand gemacht haben", hat Stadtförster Martin Seits anhand der Schnittbreite festgestellt. "Eine Motorsäge war da jedenfalls nicht im Einsatz."

Ob hier Halbstarke einen Sägewettbewerb ausgefochten haben oder einfach nur aus der Lust zur Zerstörung heraus gehandelt worden ist, das ist Martin Seits einerlei. Ihn stört der gedankenlose Umgang mit der Natur, das hirnlose Absägen von Bäumen, die anschließend auch noch ganz gefährlich in anderen Bäumen hängen geblieben sind. Dem Waldeigentümer blieb so nichts anderes übrig, als umfangreiche Maßnahmen vorzunehmen.

Aber es ist eben nicht nur dieser Baumfrevel, der den städtischen Förster nervt. Nicht angeleinte Hunde, wilde Partys und unkontrolliert durch den Wald heizende Mountainbiker tun ein Übriges. Dabei hat Martin Seits bewusst mit seinem öffentlichen Auftritt gewartet, bis Corona etwas abgeflaut ist. Während des Höhepunkts der Pandemie mit dem weitgehenden Lockdown ist die Besucherfrequenz in den Wäldern an Mariahilf- und Erzberg stark angestiegen. Da wollte Seits nicht auch noch zusätzlich den Spaßverderber spielen und die Leute wegen eines Fehlverhaltens anreden.

Rausgehen heißt nicht zerstören

"Aber raus gehen heißt nicht, ich muss die Natur zerstören", appelliert er an die Vernunft der Bürger. "Wenn jeder ein Stück nachdenken würde, wäre schon viel gewonnen." Aber leider finden nicht alle Bergbesucher, sie müssten sich in irgend einer Weise zurückhalten. Frei laufende Hunde verschrecken das Wild, das zieht sich immer tiefer in den Wald zurück und frisst dort die Triebe der jungen Bäume. "Das ist leider eine logische Kette, die hinter jedem Handeln steckt", sagt Seits. Der gar nicht darüber nachdenken will was passiert, wenn ein Hund tatsächlich einmal ein Reh erwischt.

Partys und Radler

Es sind aber nicht nur Hunde - und die meisten Hundebesitzer sind ohnehin sehr vernünftig und leinen ihre Lieblinge ordnungsgemäß an. In der Nacht, wenn alle Hund daheim im Körbchen liegen, kommen laut Martin Seits ganz andere Störenfriede auf den Mariahilfberg. Junge Leute treffen sich an etwas versteckten Stellen im Wald, wo sich eine Sitzgelegenheit befindet und feiern gemeinsam. "Da entsteht leider sehr viel Blödsinn", sagt der Stadtförster und denkt an weggeworfene Flaschen, an Plastikmüll und Verpackungsmaterial von bekannten Fastfood-Ketten.

Dazu kommt noch mutwillige Zerstörung und der Lärm. Wobei letzterer schon mal der Grund für die Alarmierung der Polizei ist, die dem Treiben dann ein Ende macht. Noch ein Thema sind die Mountainbiker. Sie erobern sich nach und nach die beiden Amberger Berge. Wer über den Mariahilf- oder den Erzberg wandert, sieht überall die Strecken, die sich wie Spinnennetze im Wald ausbreiten. "Es wird halt leider immer mehr", sagt Martin Seits, der hier lange zugeschaut hat. Irgendwann nehme das überhand, dann müsse man einschreiten. "An sich ist das ja ein Verstoß gegen das Wald- und Naturschutzgesetz."

Letztendlich werden sich wohl jetzt die zuständigen Stellen - Stadtverwaltung und Polizei samt Forstamt - um das Thema kümmern müssen. Denn auch die Bevölkerung reagiert zu weiten Teilen inzwischen schon etwas gereizt auf die MTB-Fahrer, die urplötzlich aus dem Unterholz auftauchen, über ihre selbst gebauten Rampen springen und hinter der nächsten Halfpipe wieder verschwinden. Martin Seits kann nicht oft genug an die Vernunft der Radler appellieren. Ein bisschen nachdenken würde wohl auch hier viel helfen.

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Amberg
Über Nacht wurden am Mariahilfberg Bäume abgesägt. Die Stämme hingen anschließend gefährlich zwischen anderen Bäumen fest.
Stadtförster Martin Seits
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