22.06.2021 - 17:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Verdacht auf Fliegerbombe in Haselmühl: Notfallplan steht

Liegt in Haselmühl eine dritte Fliegerbombe? Das ist noch nicht klar und wird sich am Samstag herausstellen. Für den Ernstfall sind die Gemeinde, die Polizei und die Einsatzkräfte jedenfalls vorbereitet.

Am Samstag wird sich herausstellen, ob auf einem Grundstück am Ganghoferweg in Haselmühl eine weitere Fliegerbombe liegt. Sollte das der Fall sein, müssen über 1700 Menschen ihre Häuser verlassen.
von Klaus HöglProfil

Fliegerbombe in Haselmühl – die Dritte? Niemand hofft das. Falls das aber dennoch der Fall ist, ist man vorbereitet. Wie Bürgermeister Roland Strehl bei einer Pressekonferenz am Dienstag bekanntgab, ist bislang nicht klar, worum es sich bei dem Objekt im Boden handelt. Von einer weiteren Bombe war nur "möglicherweise" die Rede. Und auch davon, dass eine Selbstexplosion nach rund 75 Jahren nicht möglich sei, wenn es sich um einen solche handeln sollte. Es kann, rein theoretisch, auch eine alte Badewanne sein, die da gut einen Meter tief unter der Erde liegt.

Am kommenden Samstag ab 10 Uhr soll also mit dem Bagger und händisch gegraben werden. Dafür ist die Spezialfirma Tauber aus Nürnberg zuständig. Strehl zu einem möglichen Bombenfund: "Wir hoffen das nicht, aber wir können die Lage auch nicht negieren und so tun, als ob nichts wäre."

Nicht die erste Bombe

Zu einem früheren Zeitpunkt sei eine Bergung nicht möglich gewesen, begründete Strehl die Tatsache, dass doch geraume Zeit seit der letzten Bombenentschärfung in Haselmühl vergangen ist. "Aufgrund der Corona-Pandemie konnte diesem Verdachtsfall nicht mehr nachgegangen werden, da insbesondere die mögliche Evakuierung des AWO-Seniorenheims ausgeschlossen war". Mittlerweile aber sei eine Großzahl der Bewohner zweifach geimpft, würde als geschützt angesehen und könnte daher im Ernstfall auch evakuiert werden.

Anders war es, als am 14. und 19. August 2019 zwei baugleiche 225-Kilogramm-Bomben auf einem Grundstück in Haselmühl gefunden wurden. Der Fund zog alle massiven Auswirkungen nach sich, die man sich denken konnte: vom Sprengkommando über Evakuierungen im Umkreis von 500 Metern bis zu großen Umleitungen.

Danach erfolgten auf dem Grundstück Sondierungen nach weiteren möglichen Blindgängern. Damals hatte das Sprengkommando auf demselben Grundstück einen Verdachtsfall festgestellt: Am Samstag wird sich klären, ob an dem Verdacht etwas dran ist.

Gut vorbereitet auf Bombenfund

Diesmal aber kommt nichts mehr überraschend, alle Eventualitäten sind einbezogen, die Bevölkerung wurde im Voraus informiert, insgesamt 1788 Personen sind schriftlich in Kenntnis gesetzt. Koordinator und Kreisbrandinspektor Hubert Blödt, die beiden Polizeibeamten Erster Polizeihauptkommissar Günter Grieshammer und Polizeihauptkommissar Achim Kuchenbecker waren bei der Pressebesprechung im Kümmersbrucker Rathaus ebenfalls dabei – sie sind, ebenso wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und andere Hilfsorganisationen gerüstet, sollte der Ernstfall ausgerufen werden.

Die Grabungsarbeiten beginnen am Samstag gegen 10 Uhr, im Falle eines Bombenfundes beginnt gegen 12.30 Uhr die Evakuierung, per Lautsprecherdurchsage. Ab 13 Uhr werden alle Haushalte verständigt, rund 90 Kräfte der Feuerwehren und 70 BRK-Helfer stehen zur Verfügung, sagte Hubert Blödt.

In der Zeit der Evakuierung stehen die Sammelräumlichkeiten der Jura-Werkstätten in Amberg zur Verfügung. Es gibt zudem einen Sammelbus, der zwischen 13 Uhr und 14 Uhr über die Godelmannsiedlung, die Sparkasse und die Zeilenstraße fährt. Die Bewohner des AWO Seniorenzentrums werden im Dom-Com in Ebermannsdorf versorgt. Nach einer möglichen Evakuierung erfolgt die Entschärfung und dann die Entwarnung – ebenfalls per Lautsprecherdurchsage. Die Gemeinde hat eine Hotline (09621/708-0) eingerichtet.

Wer muss zahlen?

Wer zahlt? Die Entschärfung zahlt, das ist schon aus den letzten beiden Bombenentschärfungen bekannt, der Freistaat. Die Sondierungsmaßnahmen zahlt der Grundstückseigentümer und für den Sachaufwand (das waren bei den letzten beiden Bombenfunden 11.000 Euro) kommt die Gemeinde auf.

Ein Rückblick auf den Bombenfund 2019

Haselmühl bei Kümmersbruck

Experten prüfen möglichen Bombenfund in Haselmühl

Kümmersbruck
Info:

Wie Achim Kuchenbecker, Polizeisprecher der Polizeiinspektion Amberg, bei der Pressekonferenz mitteilte, setzen die Einsatzkräfte am Samstag unter anderem auf die Warnapp „Nina“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

  • Worum handelt es sich? „Nina“ steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App und ist ein Programm, das den Nutzern wichtige Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen wie zum Beispiel Gefahrstoffausbreitung oder einen Großbrand mitteilt.
  • Was kann die App? Die kostenlose App kann dem Nutzer für seine Regionen und Landkreise aktuelle Gefahrenwarnungen sowie Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen aufs Handy liefern.
  • Was bringt die App am Samstag in Kümmersbruck? Laut Kuchenbecker stellt die Polizei relevante Meldungen, wie eine mögliche Evakuierung oder Entwarnungen dort sofort zur Verfügung. Anwohner können sich so auf dem Laufenden halten.
Bei der Pressekonferenz im Kümmersbrucker Rathaus haben (von links) Achim Kuchenbecker, Günter Grieshammer, beide von der Amberger Polizei, sowie Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl und Kreisbrandinspektor Hubert Blödt darüber gesprochen, was auf die Bewohner am Samstag zukommen könnte, sollte sich der Verdacht auf eine Fliegerbombe bestätigen.

 

 

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