17.09.2020 - 13:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Unfall-Schwerpunkte in der Region Amberg-Sulzbach

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Wo passieren die meisten Unfälle in Amberg und der Region? Das weiß vor allem das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach. Eine Übersicht über die gefährlichsten Punkte und ein Ortsbesuch an einer Stelle, die bald völlig anderes aussehen wird.

So kennt man die Einmündung der AS 30 in die Staatsstraße 2238 beim Industriegebiet Nord: Oft wird beim Einfahren in die Staatsstraße der Verkehr unterschätzt, dann kracht es.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Baudirektor Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt betreut in der Region 2000 Kilometer Straßennetz. Er weiß, wo die gefährlichen Kreuzungen, Knotenpunkte und Wege in der Region liegen. In den vergangenen Jahren lag zwischen zwei und vier Prozent der Netzlänge eine überproportionale Zahl an Unfällen vor, weiß er aus seinem umfangreichen Datensatz.

Zum Ortstermin hat er eine übergroße Karte mitgebracht. Auf ihr reihen sich an mancher Stelle knallbunte Punkte. Sie zeigen an, wie und dass es hier besonders oft gekracht hat. „Bei mehr als drei Unfällen im Messzeitraum an einer Stelle spricht man von einem Unfallschwerpunkt“, erklärt Noll. Gemessen wird drei Jahre lang. Eine ganze Perlenkette solcher Punkte zieht sich durch Amberg.

Viele "Knoten" an der B85

Eigentlich sei jede Kreuzung der B 85, die sich durch Amberg schlängelt, ein Unfallschwerpunkt, erklärt Noll. Kein Wunder, schließlich kommen hier die meisten Verkehrsteilnehmer zusammen: Auto, Motorrad, Fahrrad, Fußgänger. Zum Beispiel passieren den Kreisverkehr am Nabburger Tor jeden Tag zwischen 35 000 und 40 000 Verkehrsteilnehmer. „Schon rein statistisch muss es hier mehr Unfälle geben“, sagt Noll.

Oft sind es Unfälle mit Fußgängern oder Fahrradfahrern, die von einem Auto erfasst oder touchiert werden, wenn sie auf dem Zebrastreifen am Kreisverkehr die Straße queren. „Der Zebrastreifen vermittelt den Eindruck von Sicherheit.“ Noll sagt aber auch, dass es selten bauliche Probleme sind, die Unfälle verursachen. „In den meisten Fällen ist der Fahrer abgelenkt, reagiert zu spät oder passt nicht auf.“ Gerade im Berufsverkehr an dem B 85-Kreisel beziehungsweise auf den Straßen, die dort einbiegen, sei das oft eine Ursache.

Gefährlich unterwegs: Unfälle mit Fußgängern im Dunkeln am Nabburger Tor

Amberg

So zum Beispiel an einem Novembermorgen 2019 an der Ecke Regensburger-/Barbarastraße: Im Berufsverkehr will ein 30-Jähriger aus Amberg mit seinem Wagen in die Barbarastraße einbiegen. Er übersieht den Gegenverkehr, die beiden Autos kollidieren. Die drei Beteiligten verletzten sich leicht. Wieder ein Punkt auf Nolls Karte, deren Daten von der Polizei zugeliefert werden, die GPS-genau einen Unfall erfasst.

Zur Polizeimeldung Unfall Regensburger Straße

Amberg

Tempolimit bei Haidweiher

Weiter geht es auf der B85 in Richtung Schwandorf: Auf Höhe Haidweiher hatte die Polizei in den vergangenen Jahren auch gut zu tun. Ein Unfall mit einem Motorradfahrer endete 2018 sogar tödlich. „Hier haben wir vor gut einem Jahr mit einem Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde in beide Richtungen reagiert“, sagt Noll.

Apropos Ursachenforschung: Eine Unfallkommission, die aus Vertretern der Polizei, des Staatlichen Bauamts als Baulastträger sowie der Stadt Amberg beziehungsweise des Landkreises Amberg-Sulzbach besteht, tritt regelmäßig zusammen, um die Daten zusammenzutragen und zu entscheiden, an welcher Stelle etwas unternommen werden muss.

Muss etwas umgebaut werden, kommt Nolls Behörde ins Spiel. Dabei wird aber nicht immer gleich eine ganze Straße verlegt. „Wir stellen Leitplanken auf, erneuern zum Beispiel die Fahrbahn und fügen einen Rüttelstreifen hinzu.“ Den bemerke der Fahrer beim Drüberfahren. Von der Verkehrsbehörde kann es den Auftrag geben, dass Schilder mit einem Tempolimit oder Überholverbot an einem Teilstück aufgestellt werden. „Wir sind bemüht, eine Straße intuitiv benutzbar zu machen.“

Immenstetten/Industriegebiet Nord

Doch das reicht eben nicht immer. „Über die Jahre tauchte in unserer Statistik die Kreuzung Immenstetten beziehungsweise Industriegebiet Nord auf“, erklärt Noll. Er zeigt auf seinen Plan: Viele gelbe, dicke Punkte sind hier verzeichnet. Hier gab es also einige Abbiegeunfälle, bei denen sich Menschen teils sogar schwer verletzten.

Immer wieder kracht es an der Einmündung AS 30 in die Staatsstraße 2238

Immenstetten bei Freudenberg

Der Knotenpunkt AS 30 mit der Staatsstraße 2238 bei Immenstetten wird in Zukunft völlig anders aussehen. „Hier sehen wir dringend Handlungsbedarf“, sagt Noll. 10 000 Verkehrsteilnehmer passieren den Punkt am Tag. Und dafür kracht es ziemlich häufig. Entweder verschätzt sich der Autofahrer beim Einbiegen in die Staatsstraße vom Industriegebiet kommend oder der Fahrer übersieht den Gegenverkehr beim Abbiegen in die Kreisstraße. „Die Unfallkommission hat sich die Ursachen genau angesehen.“ Eine Ampel fand laut Noll keine breite Zustimmung, also entwickelte er mit seiner Behörde eine Lösung, die sogar einen zweiten gefährlichen Knotenpunkt im Industriegebiet beseitigt: ein Kreisverkehr.

So soll der Kreisverkehr aussehen

Freudenberg

Der ist nicht ganz billig, gibt Noll unumwunden zu. Und in die Natur greife man auch ein. „Aber der Kreisverkehr hat einen wirklich hohen Nutzen.“ Gleichzeitig lässt sich mit dem Kreisel, der einen Durchmesser von rund 60 Metern hat, eine Lücke im Radwegenetz schließen. „Zurzeit sind wir in Grundstücksverhandlungen“, sagt Noll zum Zeitplan. Denn drei Mit-Eigentümer der benötigten Fläche sind Privatleute. Ansonsten sind neben der Stadt Amberg, Nolls Behörde auch der Landkreis Amberg-Sulzbach beziehungsweise die Gemeinde Freudenberg im Boot.

Baudirektor Stefan Noll am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach zeigt die Stelle, an der eines Tages ein Kreisel den Verkehr an der kniffligen Stelle regeln soll.

A6 Amberg-Süd und Ursensollen: Bald eine Ampel?

Rote und gelbe Punkte liegen auf Nolls Karte an genau der Stelle, an der sich die Vilstalstraße und die Auffahrt zu A 6 kreuzen. Das heißt: Hier gibt es immer wieder Unfälle beim Abbiegen und Einbiegen beziehungsweise Kreuzen der Straße. Die Unfallkommission habe daher die Empfehlung gegeben, das Aufstellen einer Ampel zu prüfen, erklärt der Experte. So ähnlich ist die Situation auch an der A 6-Auffahrt Amberg-West/Ursensollen, die mit der B 299 einen Knoten bildet. „Wir nutzen die Baustelle an der Bundesstraße gerade, um schon einmal Leerrohre für eine mögliche Ampelanlage zu verlegen.“ Auch hier möchte die Unfallkommission, dass geprüft werde, ob eine Lichtanlage an der Stelle Sinn ergebe, sagt Noll.

Vor einiger Zeit wurden die AZ-Leser gefragt: Was ist ihr (Auto)-Brennpunkt?

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