07.01.2021 - 00:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Spuren eines fernen Krieges

1870 beginnt der Deutsch-Französische Krieg. Auch Soldaten aus der 1868 bezogenen Kaiser-Wilhelm-Kaserne in Amberg kämpfen an der Front. Noch während der Kriegshandlungen gründen die deutschen Fürsten am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich.

Diese Reproduktion einer historischen Postkarte von 1907 zeigt die Kaiser-Wilhelm-Kaserne in Amberg um 1900. Heute beherbergen die Gebäude Teile der OTH Amberg-Weiden.
von Josef SchmaußerProfil

Das Kampfgeschehen war weit weg. Doch der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 hat auch in unserer Heimat durch die Gefallenen und das daraus resultierende Leid in den Familien tiefe Spuren hinterlassen. Namen auf Kriegerdenkmälern und erste Sterbebilder erinnern an das Kampfgeschehen in Frankreich.

Die damaligen deutsch-französischen Spannungen entluden sich an der Frage der spanischen Thronfolge. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck strebte schon seit längerem ein einiges deutsches Reich unter der Führung Preußens an. Er hatte für diesen Plan bereits zwei Kriege geführt.

Nun schlug er für den Thron Spaniens einen Hohenzollern-Prinzen vor. Dies kam für Frankreich einer Provokation gleich. Es wäre gleichsam von zwei Seiten von Preußen umzingelt gewesen.

"Emser Depesche"

Der Hohenzoller Prinz verzichtete. Der französische Kaiser Napoleon III. wollte aber schriftlich bestätigt wissen, dass niemals ein Hohenzoller den spanischen Thron besteige.

Da witterte Bismarck seine Chance. Er kürzte das an den preußischen König Wilhelm I. gerichtete Schreiben, der zur Kur in Bad Ems weilte, und gab die in die Geschichte eingegangene "Emser Depesche" an die Presse weiter.

Napoleon III. fühlte sich brüskiert, und schon war ein Kriegsgrund da, den übrigens beide Seiten gesucht hatten. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich offiziell Preußen den Krieg, es "sprachen" nun die Waffen. Das Königreich Bayern unter König Ludwig II. war, wie die anderen süddeutschen Staaten, zur Bündnispflicht aufgerufen und sandte ebenfalls Soldaten an die Front.

Die "Sechser" im Krieg

Auch Soldaten aus der Kaiser-Wilhelm-Kaserne in Amberg waren an der Front. 1868 wurde der erste Bauabschnitt dieser Kaserne an das 6. Königlich-Bayerische Infanterieregiment "König Wilhelm von Preußen" übergeben. 1888, im sogenannten "Drei-Kaiser-Jahr", erhielt das Regiment den Namen "Kaiser-Wilhelm, König von Preußen". Auch aus Amberg zogen Soldaten, die "Sechser", in den Krieg von 1870/71.

Schlacht von Sedan

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten. Die Kriegsniederlage für die Franzosen ereignete sich am 2. September 1870 in der Schlacht von Sedan. Dabei geriet auch Frankreichs Kaiser Napoleon III. in Gefangenschaft. Zwei Tage später kam es in Frankreich zum Sturz der Monarchie, die durch eine republikanische Regierung ersetzt wurde. Die Aufstellung von lokalen Volksheeren konnte die Niederlage nicht mehr abwenden.

Waffenstillstand

Am 27. Oktober 1870 kapitulierte die französische Armee in Metz. Die Kriegsniederlage gegen die deutschen Staaten unter preußischer Führung hatte weitreichende Folgen. Noch während der Kriegshandlungen gründeten die deutschen Fürsten am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich. Damit war nach Meinung Bismarcks die "Deutsche Frage" gelöst. Am 28. Januar wurde von beiden Kriegsparteien ein Waffenstillstand unterzeichnet.

Frankreich musste im Frieden von Frankfurt der Abtretung von Teilen Elsass und Lothringens zustimmen und hohe Kriegsentschädigungen zahlen. Durch diesen Krieg verschärfte sich die sogenannte Deutsch-Französische Erbfeindschaft. Erst nach den beiden schrecklichen Weltkriegen gelang Charles de Gaulle und Konrad Adenauer der erste Schritt zur Deutsch-Französischen Freundschaft.

Um 1870 wurden auch für „die einfachen Leute“ erste Sterbebilder gedruckt. Dieses relativ frühe Zeugnis mit dem Hinweis auf die Kriegsteilnahme des Gastwirtes Joseph Meiler 1870/71 stammt aus Stockau in der Gemeinde Ursensollen.
Auf einer Erinnerungstafel in der Hohenkemnather Pfarrkirche (Gemeinde Ursensollen) wird an drei Gefallene aus der Pfarrei im Krieg 1870/71 erinnert.
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