30.11.2020 - 14:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Spur des Betrugs rund um ein Wohnmobil führt bis nach Mailand

Eine deutsch-italienische Rechtsanwältin reist zur Zeugenaussage nach Amberg. Der Grund: Hier steht ein Wohnmobil, das ihrem Mandanten in Mailand mit einem ungedeckten Scheck abgekauft wurde.

Verwicklungen rund um den Erwerb eines Wohnmobils und die damit verbundenen Betrügereien standen in Amberg auf dem Gerichtsplan.
von Autor HWOProfil

Zwei Prozesstage liegen hinter Amtsrichter Florian Meißner. Was sich dabei bisher vor ihm abspielte, hat Einblicke gewährt in eine Szene organisierter Betrugskriminalität, der ein seriöser Bürger im italienischen Mailand auf den Leim ging. Der Mann verkaufte sein Wohnmobil für 22 000 Euro an eine Frau, gab ihr die Fahrzeugpapiere und merkte kurz danach, dass man ihn mit einem ungedeckten Scheck bedient hatte. Da erstattete er Anzeige bei den Carabinieri.

Das Wohnmobil trat nicht lange darauf eine lange Fahrt an. Es war im Internet angeboten worden und fiel einem Mann aus Amberg auf. Er machte sich auf den Weg nach Mailand, hatte 10 000 Euro dabei und bekam das Mobil zu diesem Schnäppchenpreis. Seine Verhandlungspartner waren offenbar die Frau mit dem vorher ungedeckten Scheck und ein bislang unbekannter männlicher Begleiter.

Nun sitzt der 46 Jahre alte Amberger unter Hehlerei-Verdacht auf der Anklagebank. Bereits am ersten Prozesstag hatte Richter Meißner

erfahren: Der Angeklagte war von Polizeibeamten befragt worden, als er das Fahrzeug in Amberg abmelden wollte. Dabei waren Ungereimtheiten aufgetaucht. Über seinen Anwalt ließ der 46-Jährige mitteilen, dass er keine Ahnung davon hatte, wie das Wohnmobil in den Besitz jener Italienerin gelangte, die es ihm beim Treffen in Mailand verkaufte. Fakt ist aber auch: Das Wohnmobil wechselte weit unter Wert den Besitzer.

Zeugen aus Italien nach Amberg zu bringen, hatte Richter Meißner mehrfach versucht - vergeblich allerdings. Aber es gelang ihm, eine in Oberbayern ansässige Rechtsanwältin ausfindig zu machen. Sie vertritt den per nicht gedecktem Scheck betrogenen ursprünglichen Fahrzeugeigentümer und reiste zur zweiten Verhandlungsrunde an.

Von der Juristin mit italienischer Abstammung erfuhr Meißner nun Einzelheiten. Sie hörten sich so an: Die Betrügerin ist unterdessen ermittelt, ihr hätte kürzlich in Mailand der Prozess gemacht werden sollen. Doch dazu erschien sie nicht. Jetzt ist ihr eine zweite Prozessladung für Februar 2021 zugeschickt worden. Interessant war, was folgte: "Hat Ihr Mandant zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht?", wollte der Richter wissen. Die sinngemäße Antwort: Nein, das habe wohl in diesem Fall wenig Aussicht auf Erfolg.

Tatsache ist: Das Wohnmobil steht noch immer in Amberg. Es befindet sich bei dem jetzt der Hehlerei beschuldigten 46-Jährigen. Die Papiere liegen offenbar bei den Behörden. An einem dritten Prozesstag soll nun geklärt werden, ob der Amberger einem Vorschlag zustimmt, den Richter Meißner machte. "Ich könnte mit vorstellen, das Verfahren einzustellen", ließ Meißner nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt anklingen. "Aber nur dann, wenn Sie 7500 Euro an den ursprünglichen Eigentümer in Mailand zahlen."

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