12.04.2021 - 17:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Sonderimpfaktion in Amberg-Sulzbach löst nicht nur Freude aus

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„Wir hatten die Wahl, ob wir entweder unbürokratisch impfen oder bürokratisch nicht impfen wollen", sagt Sebastian Schaller. Heraus kam eine überraschende Sonderimpfaktion. Die löste neben Freude auch Kritik aus.

Eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird aufgezogen. In Amberg und Amberg-Sulzbach wird das vom 14. bis 18. April bei einer Sonderimpfaktion 5390 Mal geschehen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Am Sonntag ab 9 Uhr verbreitete der BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach als Betreiber der beiden Impfzentren in der Region über die sozialen Medien die Nachricht von einer Sonderimpfaktion mit dem Impfstoff von Astrazeneca für „alle Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und des Landkreises ab 18 Jahren solange der Vorrat reicht“. Das Besondere daran: Für die vom 14. bis 18. April angesetzte Aktion erfolgte die (Online-)Terminvergabe für die 5390 vorhandenen Dosen ohne Impfpriorisierung. Und obwohl die Impfung mit Astrazeneca erst für Menschen ab 60 Jahren empfohlen wird, konnten sich auch Jüngere anmelden. Wer gedacht hatte, die bekannten möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs würden zu einer geringen Resonanz führen, sah sich getäuscht: Innerhalb von sechseinhalb Stunden waren alle 5390 Impftermine vergeben.

Die Meldung über die Impfaktion am Sonntagvormittag bei Oberpfalz-Medien

Amberg

Am Nachmittag waren dann schon alle Termine vergeben

Amberg

Während sich viele, die bei der Anmeldung zum Zug gekommen waren, darüber freuten, sahen andere das ganze Verfahren sehr kritisch: So etwas könne man doch nicht nur über Facebook oder die sozialen Medien verbreiten, hieß es etwa, weil man damit viele an einer Impfung Interessierte von vornherein ausschließe. „Als am Nachmittag auf der offiziellen Homepage der Stadt Amberg und des Landkreises Amberg-Sulzbach Infos hierzu veröffentlicht wurden, waren bereits alle Termine vergeben“, lautete eine weitere Beschwerde. Oder warum das BRK denn nicht erst nach ausreichender Vorinformation am Montag ab 9 Uhr die Terminvergabe freigeschaltet habe.

Unmut bei regulär Angemeldeten

Die Terminvergabe ohne Bindung an die Priorisierung werteten die Kritiker als „Willkür“. Und mehrere Anrufer bei der AZ äußerten, als Angemeldete, die schon längere Zeit auf einen Impftermin warteten, fühlten sie sich regelrecht „verschaukelt“: weil die (zum Teil schon seit Monaten) Angemeldeten höherer Priorisierungsgruppen nicht einmal gefragt worden seien, ob sie eine schnellere Impfung mit Astrazeneca haben möchten.

Die AZ fragte bei BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller nach, warum er als Leiter der Impfzentren dieses Vorgehen gewählt hatte. Laut Schaller war es etwa seit Mitte vergangener Woche klar, dass ab dem 14. April sehr große Mengen von Astrazeneca für Amberg und Amberg-Sulzbach geliefert werden. Bis Freitag sei man aber davon ausgegangen, dass diese im bekannten Verfahren entsprechend der Priorisierung verimpft werden könnten. Am späten Freitagnachmittag habe man dann erfahren, dass die dazu notwendigen Anpassungen der Impfsoftware „BayIMCO“ des Freistaats nicht umgesetzt werden können.

Schaller: „Wir mussten uns deshalb entscheiden, ob wir nun in der – wahrscheinlich vergeblichen – Hoffnung, dass sich die technischen Rahmenbedingungen irgendwann ändern, den Impfstoff einlagern oder ob wir ihn ohne Priorisierungshilfe vergeben. Entsprechend § 1 Abs. 3 Satz 1 der Coronavirus-Impfverordnung („Von der Reihenfolge nach Absatz 2 Satz 1 kann abgewichen werden, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist …“) entschieden wir uns dann für die Sonderimpfaktion nach Hofer und Tirschenreuther Vorbild.“

Sonderaktion auch in Tirschenreuth

Damit bezieht sich Schaller auf die Situation im Landkreis Tirschenreuth. Dort kündigte das BRK am Freitagabend an, ein Sonderkontingent von 2150 Dosen des Impfstoffes Astrazeneca zusätzlich verimpfen zu können, ebenfalls unabhängig von der Priorisierung. Die Termine dazu gab es von Montag, 12. April, bis Freitag, 16. April. Wer einen wollte, konnte sich ab Freitagabend sofort über ein Sonderportal des BRK online anmelden.

Zur Sonderimpfaktion im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

Auch Weiden und Neustadt/WN arbeiten mit dem Mittel der Sonderimpfaktion. Die Landkreise Schwandorf, Regensburg und Cham dagegen wollen „aus Gründen der Fairness und Gerechtigkeit die Priorisierung weiterhin strikt einhalten“.

Sebastian Schaller weiß, dass das Vorgehen in Amberg-Sulzbach auch Verärgerung hervorgerufen hat. „Ich glaube aber, wenn wir den Impfstoff hätten rumliegen lassen, wären noch viel mehr Bürger enttäuscht. Die Stärke der dezentralen Organisation in Bayern ist, dass wir auf solche Unwägbarkeiten lokal gut reagieren können.“

"Dann bricht das System zusammen"

Der BRK-Kreisgeschäftsführer findet, dass es bei so einem Verfahren unmöglich gewesen wäre, die Bürger „vorzuwarnen“: „Wenn wir allen 145.000 Landkreisbürgern sagen würden, dass ab dem Zeitpunkt X eine Online-Terminvereinbarung möglich ist, dann greifen in dieser Sekunde 10.000 Personen gleichzeitig auf die Terminvereinbarung zu. Dann bricht das System zusammen, es werden überhaupt keine Termine vereinbart und die Unzufriedenheit ist groß.“

Überrascht zeigte sich Schaller davon, dass alle 5390 Termine innerhalb von sechseinhalb Stunden vergeben waren: „Aufgrund der Berichte aus Tirschenreuth, die gemessen an der Einwohnerzahl eine ähnliche Anzahl von Terminen auf ähnliche Weise kurz vorher vergeben haben, hätte ich damit gerechnet, dass es etwa 12 bis 24 Stunden dauert, bis die Termine vergeben sind. Wahrscheinlich lag das daran, dass bei uns der Informationsfluss über die sozialen Medien und die Onlineportale der lokalen Medien sehr gut war.“ So hatte am Sonntag etwa auch die Stadt Amberg die Aktion auf ihrer Homepage und der Webseite www.impfen.amberg.de beworben.

Sonderimpfaktionen wird es laut Schaller – bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen – auch in Zukunft wieder mit kurzer Frist geben, wenn weiterer Astrazeneca-Impfstoff geliefert werden sollte.

Ab Mai Astrazeneca nur noch an Hausärzte

Eine neue Situation ergibt sich dann im Mai. Etwa ab diesem Zeitpunkt soll Astrazeneca nur noch an Hausärzte geliefert werden. Allerdings können die Geimpften, die beim ersten Mal Astrazeneca erhalten haben, entscheiden, ob sie es auch für die Zweitimpfung haben wollen. Schaller rechnet damit, dass dann aus eigentlich für Zweitimpfungen geplanten Impfstoffkontingenten regelmäßig signifikante Mengen übrig bleiben, weil die Betroffenen stattdessen einen anderen Impfstoff wünschen. Diese Kontingente stehen dann für zusätzliche Erstimpfungen zur Verfügung.

Hintergrund:

Sonderimpfaktion Amberg/Amberg-Sulzbach

  • ab 12. April: BRK überprüft die online vereinbarten Termine auf Doppelanmeldungen. Dadurch könnten einige wenige Termine wieder frei werden, die auf der Anmeldeseite sofort nachbelegt werden sollen.
  • 14. bis 18. April: Sonderimpfaktionen mit täglich über 1000 Impfterminen an den insgesamt vier Impfzentren und Impfstationen in Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Auerbach.
  • 19. und 20. April: Die Impfstationen in der Kennedystraße in Amberg sowie in Auerbach bleiben geöffnet, um dort Impfungen mit dem Impfstoff der Firma Biontech und per Terminvereinbarung auf dem regulären Weg (über www.impfzentren.bayern) vorzunehmen.

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Kommentare

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Sabine Herger

Habe zwar auch keinen Termin mehr bekommen aber finde die Aktion top! Jede geimpfte Person zählt. Das darf man nicht vergessen.

14.04.2021