02.07.2020 - 17:03 Uhr
AmbergOberpfalz

"Soldatenwallfahrt light" auf den Mariahilfberg im Oktober

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Rund 1000 Soldaten pilgern jedes Jahr im Juli auf den Mariahilfberg. Die größte Soldaten-Fußwallfahrt des Landes ist ein traditioneller Höhepunkt der Festwoche. Dieses Jahr ist alles anders - doch einige Militärgeistliche sind trotzdem gekommen.

Von Links: Pfarrhelfer Thomas Lang (Ulm), Oberstleutnant Gereon Gräf (Vorsitzender Katholikenrat), Pfarrhelfer Herbert Sturm (Weiden), stellv. Leitender Militärdekan Alexander Prosche (Ulm), Militärpfarrer Johannes Beszynski (Bogen), Leitender Militärdekan Ralf Zielinski (München) und Militärpfarrer Rüdiger Glufke (Cham) entzündeten eine Kerze für Soldaten.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Den großen Pilgerzug hunderter Soldaten aus ganz Bayern hat es dieses Jahr wegen der Coronkrise nicht gegeben. Dennoch waren am Donnerstag, dem Tag der Soldatenwallfahrt, mehrere Militärgeistliche am Mariahilfberg. Alexander Prosche, der stellvertretende Leitende Militärdekan für Bayern und Baden-Württemberg, entzündete in der Wallfahrtskirche eine Kerze für Bundeswehrsoldaten.

Vor mehreren Militärpfarrern aus der Region und dem evangelischen Leitenden Militärdekan Ralf Zielinski aus München hielt Prosche eine Andacht. Der 45-Jährige mit Dienstsitz in Ulm ist gebürtiger Auerbacher. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien spricht er über die ausgefallene Soldatenwallfahrt – und kündigt einen Ersatz an.

ONETZ: Herr Militärdekan, warum haben Sie den Mariahilfberg besucht – ist Wehmut über die entfallene Wallfahrt der Grund?

Alexander Prosche: Alexander Prosche: Wehmut spielt hier auf jeden Fall eine Rolle, aber nicht nur. Ich habe die Militärpfarrämter in Weiden und der Region visitiert. Das wollte ich mit einem Besuch auf dem Berg verbinden, wenn die Wallfahrt schon ausfällt.

ONETZ: Was verbinden Sie persönlich mit der Soldatenwallfahrt?

Alexander Prosche: Ich war inzwischen schon sechs Mal dabei, heuer wäre das siebte Mal gewesen. Die Soldatenwallfahrt ist jedes Mal von Neuem prägend. Die große Anzahl an Teilnehmern, zivile und militärische, das ist ein Bild, das vergisst man nicht.

ONETZ: Der Bezug zur Kirche nimmt ab, auch in der Truppe. Warum sind trotzdem jedes Jahr so viele Soldaten dabei? Spielen weltliche Motive die größere Rolle als Religiosität?

Alexander Prosche: Militärdekan Alfons Hutter verweist ja immer auf die "drei B´s": Beten, Bier, Bratwürste. Die Kombination ist natürlich attraktiv und zieht auch viele Soldaten an. Doch wir haben auch viele Gläubige unter den Soldaten, die ihre Kameraden begeistern und mitziehen, selbst wenn diese selbst nicht gläubig sind. Die Wallfahrt ist auch für jene ein beeindruckendes Ereignis und hat vielleicht sogar Missionarswirkung.

Die Soldatenwallfahrt ist jedes Mal von Neuem prägend.

Stellvertretender Leitender Militärdekan Alexander Prosche

Stellvertretender Leitender Militärdekan Alexander Prosche

ONETZ: Die Bundeswehr ist momentan wegen Rechtsextremismus in der Truppe, besonders beim KSK, in aller Munde. Werden Sie als Seelsorger bei den Gesprächen mit den Soldaten mit dem Thema konfrontiert?

Alexander Prosche: An den Standorten, die ich betreue, hatte ich dazu noch keine Gespräche. Klar ist: Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Deshalb gibt es auch innerhalb der Truppe alle politischen Ausrichtungen. Dass aber die Entwicklung solche Ausmaße annimmt, hat auch mich überrascht und erschreckt.

ONETZ: Dieses Jahr gibt es kein weltliches Festprogramm am Berg, ein kirchliches jedoch schon. Erleben wir deshalb ein „ehrliches“ Wallfahrtsjahr, weil nun sichtbar wird, wer wirklich wegen dem Glauben kommt?

Alexander Prosche: Das ist schwierig zu sagen. Viele kommen natürlich tatsächlich wegen Bier und Bratwürsten. Aber die Auswirkungen der Coronakrise sind nicht zu unterschätzen. Das schreckt einige Gläubige ab, die sonst zum Beten gekommen wären. Wir jedenfalls haben geplant, eine kleine Soldatenwallfahrt im Oktober nachzuholen. Das wird dann eine "Wallfahrt light" mit dem harten Kern des Organisationsteams, also hauptsächlich Soldaten aus Kümmersbruck und Weiden.

Ein langer Pilgerzug von Soldaten schlängelte sich 2019 zur Wallfahrtskirche Mariahilf in Amberg.

Amberg

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