12.04.2021 - 18:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Shopping mit Termin und Corona-Test: Amberger Händler ziehen erstes Fazit

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Bei Inzidenzen zwischen 100 und 200 ist der Einzelhandel nun mit Termin und negativem Corona-Test möglich. Die große Freude darüber bleibt in vielen Amberger Geschäften jedoch aus – und die Kunden weg. Es herrscht Verunsicherung.

In den Amberger Schaufenstern wird mit freien Terminen geworben. Doch vielen Kunden ist die neue Art des Einkaufens zu kompliziert.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

"Darf man da reingehen?", klingt eine Frauenstimme entfernt aus dem Telefon. Sie steht an der Eingangstür eines großen Modegeschäftes in der Amberger Innenstadt. "Nein, tut mir leid. Sie brauchen einen negativen Coronatest und einen Termin. Dann können Sie ganz in Ruhe einkaufen", erklärt der Geschäftsführer des Ladens. Er hat sein Telefon im Gespräch mit Oberpfalz Medien kurz zur Seite gelegt, um mit der möglichen Kundin zu reden. "Oh nee, ist das umständlich", antwortet die Frau genervt und geht.

"Jetzt waren Sie gleich live dabei. So geht das schon den ganzen Tag", sagt der Mann zurück am Hörer. "Seit heute Morgen um 9 Uhr klingelt ununterbrochen mein Telefon oder es sind Menschen an der Türe." Ein Wort beschreibt für den Geschäftsführer die Lage zu Wochenbeginn am besten: "Verunsicherung." Die Menschen hätten unglaublich viele Fragen.

"Der Handel ist dankbar um alles, was er darf. Wir sind sehr froh, wieder für unsere Kunden da sein zu können", erklärt er. Angenommen werde das nun erlaubte Shopping nach Termin, das sogenannte Click&Meet, bisher jedoch nur zögerlich. Vorgelegt werden muss dafür ein negatives Corona-Testergebnis. Diese neue Vorschrift gilt in allen Regionen, in denen die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner zwischen 100 und 200 liegt. So auch in Amberg und dem Landkreis.

BRK mit mehr Tests am Sonntag

Wer gleich am Montag zum Einkaufen per Click&Meet wollte, der musste sich frühestens am Sonntag testen lassen, schließlich darf der Schnelltest nicht älter als 24 Stunden sein. Von den BRK-Teststationen im Landkreis waren am Sonntag jene in Amberg und Ursensollen geöffnet. Amberg registrierte an diesem Tag ein um 30 Prozent gestiegenes Testaufkommen, so Bernd Lödel, Beauftragter des BRK-Kreisverbandes für den Katastrophenschutz. 100 Testwillige waren gekommen, in der Vorwoche waren es um die 70. Ob das mit Click&Meet zusammenhängt oder eben einfach immer mehr Leute die kostenlose Testmöglichkeit nutzen, lasse sich nicht ableiten, so Lödel weiter. In Ursensollen hingegen sei das Testaufkommen normal gewesen.

Unverständlich für den Geschäftsführer des Amberger Modekaufhauses ist, dass es innerhalb des Amberger Altstadtringes kein Testzentrum gibt. Dabei seien hier doch die meisten Geschäfte. "Was wir bräuchten, wäre ein großes Zelt am Marktplatz, wo die Kunden schnell und unkompliziert reingehen können und dann weiter zum Einkaufen", sagt er. "Dann würde das bestimmt auch sehr gut von der Gesellschaft angenommen werden."

Auf die Frage, ob das Einkaufen mit Termin und negativem Test im Obi-Baumarkt von den Kunden genutzt wird, antwortet Torsten Albinus deutlich: "Nö." Es würden zwar viele Leute anrufen, jedoch hauptsächlich weil sie Fragen hätten, erklärt der Filialleiter. "Der negative Test schreckt sie dann total ab." Einzig das Angebot Click&Collect, also bestellen und abholen, würde weiterhin wahrgenommen.

Fehlende Planbarkeit ein Problem

Albinus ist vor allem über die Kurzfristigkeit der politischen Entscheidungen verärgert. "Am Mittwoch wird etwas beschlossen, das wir am Montag umsetzen sollen. Ein einziges Hin und Her", sagt er. Die Kunden würden entweder gar nicht mehr kommen oder aber ohne Testergebnis vor der Türe stehen, weil sie nicht Bescheid wissen. "Die meisten haben den Überblick verloren." Für den Amberger Filialleiter ist das bei den sich ständig ändernden Rahmenbedingungen nicht verwunderlich. "Es blickt doch keiner mehr durch." Wirtschaftlich gesehen würde sich diese Art der Ladenöffnung gar nicht rechnen. "Wir machen es halt als Dienst am Kunden, um Service bieten zu können."

Der Baumarkt hätte sogar schon überlegt, selbst ein "Testzentrum für die Kunden am Parkplatz aus dem Boden zu stampfen", erzählt Albinus. Doch dafür fehle die Planbarkeit. "Vielleicht wird am Mittwoch schon wieder etwas ganz anderes beschlossen. Und dann könnten wir wieder abbauen."

Mehr Aufklärung als Verkauf

Als "Schuss in den Ofen" bezeichnet Bernhard Jahn von der Porzellan Galerie in Amberg die neue Regelung. Auch hier das gleiche Bild: Viele Anrufe, viel Verunsicherung. "Mehr Aufklärung als Verkaufsgespräch" sei das, erzählt der Inhaber. "Man muss sich ja auch als Händler wirklich intensiv damit beschäftigen, damit man noch weiß, was heute Gültigkeit hat."

Jahn und seine Mitarbeiter hätten extra einen Terminkalender angelegt, doch der sei quasi noch leer. Am Montag zumindest war kein Kunde da, der sich mit einem negativen Test gemeldet hat und das Geschäft betreten wollte. "Das Wetter war vielleicht auch nicht optimal", sagt der Inhaber. "Aber ich rechne ja noch eher mit der nächsten Änderung, als mit einem Run der Kunden." Die Hürden seien einfach zu groß.

Auf Click&Collect würden zumindest Stammkunden zurückkommen. "Aber das funktioniert nur, wenn wir genau wissen, wohin es gehen soll", erklärt Jahn. "Im Handel müssen Bedürfnisse ja erst geweckt werden, um sie dann zu befriedigen." Das Bummeln fehle - schauen und dann kaufen. "Ich bin der Meinung, der Einzelhandel ist die größte Attraktion, die eine Innenstadt hat. Und der wird mit solchen Auflagen mit aller Gewalt kaputt gemacht."

Service:

So ist Einkaufen erlaubt

Seit Montag, 12. April, ist Shopping im Geschäft auch bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 200 möglich. Folgende Regeln gelten:

  • Kunden müssen vorher einen Termin für einen fest begrenzten Zeitraum buchen.
  • Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.
  • Vorgelegt werden muss ein negatives Testergebnis auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2.
  • Zutritt ins Geschäft nur mit offiziellem Dokument einer Teststation oder mit Selbsttest im Laden vor Ort unter Aufsicht (wenn das angeboten wird).
  • Ein PCR-Test darf maximal 48 Stunden alt sein, ein POC-Antigentest 24 Stunden.
  • Die Tests müssen in Deutschland zugelassen sein.

Die Testpflicht für Kunden entfällt bei einer Inzidenz von weniger als 100, dann ist nur ein Termin nötig. Bei einer Inzidenz von weniger als 50 muss man sich zudem nicht vorher anmelden. Unabhängig von der Inzidenz können die Geschäfte Click&Collect, also Bestellen und Abholen, anbieten. Auch Geschäfte für den täglichen Bedarf sind weiterhin nicht an die Inzidenz gebunden.

Auch bei örtlichen Inzidenzen zwischen 100 und 200 ist seit Montag Termin-Shopping möglich. Dafür ist aber ein Corona-Test nötig.

 

 

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