12.07.2020 - 12:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Seltenes Messer entdeckt: Spur führt in die Amberger Gewehrfabrik

Ein Messer mit Inschrift, gefunden bei einer Wohnungsauflösung, machte neugierig. Militär-Experte Gernot Bock kann die Spur zurückverfolgen. Sie führt zurück bis ins Jahr 1918.

Das abgebildete Küchenmesser ist in der Zeit von 1920 bis 1930 bei der Deutsche Werke A.G. Werk Amberg, der ehemaligen Königlich bayerischen Gewehrfabrik gefertigt worden.
von Josef SchmaußerProfil

„Deutsche Werke AG Werk Amberg“ lautet die Inschrift, eingeprägt in die Klinge eines Küchenmessers, das bei einer Wohnungsauflösung aufgetaucht ist. Der Finder war erstaunt und fragte sich: Welche Fabrik, welches Werk könnte damit gemeint sein? Der Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, Josef Schmaußer, wandte sich an den Militärexperten Gernot Bock. Dieser war unter anderem einst die treibende Kraft beim Aufbau der „Militärhistorischen Sammlung – Garnison Amberg“.

Die Amberger Gewehrfabrik

Die Königlich bayerische Gewehrfabrik

Der ehemalige Lehrer Gernot Bock machte sich auf Spurensuche und brachte bald etwas Licht ins Dunkel um das ungewöhnliche Objekt. Dazu drehte der Militärexperte das Rad der Geschichte in Amberg bis 1918 zurück. Damals gab es seit 1801 die „Königlich bayerische Gewehrfabrik“. Am 11. November 1918 endete mit einem Waffenstillstand der Erste Weltkrieg. In den folgenden Tagen wurden die Staatsbetriebe nach den Bedingungen der Siegermächte (später genannt „Vertrag von Versailles“) aufgelöst.

Nach dem Beschluss der Nationalversammlung vom 22. November 1918 übernahmen die dem Reich gehörenden „Deutsche Werke AG“ alle stattlichen Heereswerkstätten, so auch die ehemals Königlich bayerische Gewehrfabrik in Amberg. Nun, nach dem Ende des Krieges, wurde das Werk im Dienste des friedlichen Wiederaufbaues umgestellt: Aus der Gewehrfabrik wurde ein Zweigwerk der Deutschen Werke AG Spandau. Die Kapitalseigner waren zu gleichen Teilen das Deutsche Reich und der Freistaat Bayern.

Werkzeuge statt Waffen

Am 3. Dezember 1918 wurden die technischen Betriebsbataillone aufgelöst und der größte Teil der Arbeiter entlassen. Bereits am 12. Dezember waren von den ehemals 4000 Beschäftigten nur noch 322 in Lohn und Brot. Am 22. Dezember wurde ein Teil der entlassenen Arbeiter zur Vorbereitung der Fertigung von Pirschbüchsen, Werkzeugen und Stahlwaren wieder eingestellt.

Im Oktober 1922 erhielten die Reichswerke, so auch die ehemalige Gewehrfabrik, die Bezeichnung Deutsche Werke. Von 1920 bis 1930 fertigte das Amberger Werk unter dem Namen Deutsche Präzisionswerkzeugaktiengesellschaft Deprag (nicht zu verwechseln mit der heutigen Firma Deprag) unter anderem Werkzeuge wie Fräser, Bohrer, Gewindeschneider, Lehren, Grenzlehrdorne (damit wird die Genauigkeit einer Bohrung überprüft) und Rachenlehren (bezeichnet Durchmesser einer Welle innerhalb eines Tolereanzfeldes), sonstige Stahlwaren sowie Pressluftwerkzeuge.

Die Gründung der Deprag

1931 beschlossen die Kapitalseigner das Werk, die ehemalige Gewehrfabrik, stillzulegen. Am 1. September 1931 kaufte Carl Otto Schulz das Werk und gründete die Deprag Pressluftmaschinen AG. 1936 erfolgte eine Umwandlung der Firmenstruktur als Deprag – Pressluftmaschinen Schulz AG.

Die Detailaufnahme zeigt den Firmennamen Deutsche Werke A.G. Werk Amberg. In der „Königlich bayerische Gewehrfabrik“ wurden von 1801 bis 1918 auch militärische Messer (Blankwaffen) hergestellt. Die daraus gewonnenen Erfahrungen nutzte man später auch für die Herstellung von Küchenmessern.
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