13.01.2020 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Risse in der Mauer zwischen Naturwissenschaft und Religion

"Naturwissenschaft und Religion" - das war das Thema des Juristen Klaus Hoffmann, mit dem das Evangelische Bildungswerk in der Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Zentrums seine Philosophie-Reihe fortsetzte.

Nach dem Vortrag diskutierten die Teilnehmer der Philosophie-Reihe noch lange mit dem Referenten Klaus Hoffmann (rechts).
von Autor MMAProfil

Karl Kirch, Leiter der fünfteiligen Serie, freute sich über mehr als 40 Zuhörer und wusste, dass "die Mauer zwischen den lange unversöhnten Wissenschaften Risse bekommen" habe. Auch die moderne Quantenphysik könne nur in Gleichnissen reden und die Wirklichkeit nicht alleine beschreiben, wie er sagte.

Hoffmann erwähnte, dass bereits Thales von Milet im 6. Jahrhundert vor Christus postuliert habe, Natur ohne Religion zu erklären. Mancher Widerstand mit Scheuklappen über Jahrhunderte hinweg habe aber auf beiden Seiten einen echten Dialog verhindert. Nun habe jedoch in der Neuzeit nicht zuletzt die Quantentheorie alle Erkenntnisse der Naturwissenschaft infrage gestellt.

So werfe zum Beispiel das sogenannte Doppelspalt-Experiment viele unbeantwortete Fragen auf. Es zeige sich, dass Licht, je nach Versuchsanordnung, als Teilchen oder Wellen auftrete und ungeklärte Interferenzen nur mit Wahrscheinlichkeit und ohne jede Kausalität beschrieben werden könnten. Es herrsche ein objektiver, fundamentaler Zufall und darüber hinaus eine Verschränkung der Teilchen, die bis zu einer rätsel- und spukhaften Fernwirkung gehe. Diese Komplementarität führe letztendlich zu zwei Wahrheiten, da nur das Verhalten beschreibbar sei und Potenzialität zu Realität werde. Der Wissenschaftler Hans-Peter Dürr vertrete die Meinung, dass alles mit allem zusammenhänge, gleich einer Doppelnatur von Leib und Seele. Ob man allerdings so weit gehen dürfe zu behaupten, dass Gedanken Materie beeinflussen könne, bleibe umstritten, sagte der Referent.

Auch helfe die Frage nach der Ursache für den Urknall, einer Schöpfung aus dem Nichts, kaum weiter, da auch hier die Sinnfrage, die die Menschen umtreibe, nicht beantwortet werden könne. Nicht selten verlange aber bereits die Frage nach dem Sinn einen höheren Sinn. Aus seiner Sicht ist die Welt ein Wunder. Schon alleine, was die extreme Feinabstimmung der Naturkonstanten betrifft, ohne die wohl nur ein Nichts entstanden wäre. Die Perspektive bleibe eben entscheidend. Je nach Außen- oder Innenbetrachtung gebe es eben eine eigene Wirklichkeit. Allein die Tatsache der Schönheit, die göttlich und sichtbar sei, lasse ihn seinen Blick weiten und keine fundamentale Unvereinbarkeit von Naturwissenschaft und Religion sehen.

Auch in der engagiert geführten Diskussion prallten manche Weltsichten aufeinander. Mit der Hoffnung, dass doch eine moderne, sich immer weitere entwickelnde Theologie ohne Scheuklappen endlich bei allen ankomme, gingen die Teilnehmer nach dem Treffen auseinander. Kirch lud abschließend für Donnerstag, 13. Februar, zum letzten Beitrag der Reihe ein: "Gott als Partner, mit dem man reden kann". Beginn ist um 19 Uhr.

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