24.11.2020 - 14:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Rentner ohne Führerschein in Unfall verwickelt

Der Mann aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach ist 78 Jahre alt, hat keinen Führerschein und fällt durch seine Schwarzfahrten auf. Vor Gericht mag der Rentner ungern reden. Das überlässt er am Amberger Amtsgericht seinem Anwalt.

Ein 78 Jahre alter Rentner musste sich vor dem Gesetz unter anderem wegen eines Auffahrunfalls verantworten.
von Autor HWOProfil

Heuer im Frühjahr hatte ein Senior für eine viertägige Berufungsverhandlung beim Landgericht gesorgt. Was damals zur Debatte stand, war an sich eine klare Sache: Bei Schwandorf hatte die Polizei den im südlichen Kreis Amberg-Sulzbach wohnende Senior erwischt, als er ohne Führerschein des Weges kam. Am Auto hingen falsche Kennzeichen.

Die 3. Strafkammer hob seinerzeit das in Schwandorf gefällte Ersturteil auf und schickte den vielfach vorbestraften Rentner neun Monate hinter Gitter. Während dieses Urteil dem Vernehmen nach momentan in einem Revisionsverfahren beim Oberlandesgericht liegt, wurde der 78-Jährige nun erneut von der Justiz zitiert.

Diesmal fand der Prozess vor der Amberger Amtsrichterin Nadine Sand statt. Er begann kurz nach der Mittagszeit und endete erst am Abend. Abermals ging es um eine Schwarzfahrt des Mannes, die bei einem Verkehrsunfall im Juni dieses Jahres aktenkundig geworden war. Die Karambolage ereignete sich am Amberger Kreisverkehr beim Nabburger Tor.

Auch dabei ergab sich eine im Grund genommen klare Sachlage: Ein Auffahrunfall mit Sachschaden, der 78-jährige in der Rolle des Verursachers. Doch schon zum Auftakt der Verhandlung wurde die Fahrereigenschaft des Rentners durch seinen Anwalt Jörg Sodan (Regensburg) in Zweifel gezogen. Was daraus entstand, war ein sich über Stunden hinziehender Fragen-Marathon des Verteidigers. Zum Beispiel an die Insassen des gerammten Wagens. Eine Frau (42) und ihr Sohn (16), die den auf der Anklagebank sitzenden Mann als Fahrer identifizierten. Doch das mochte der Advokat so nicht hinnehmen. Er bohrte nach, wollte genaue Handlungsabläufe geschildert haben, hielt Absprachen zwischen beiden für möglich, begehrte Details zu wissen. Zum Beispiel, ob es denn nicht sein könne, dass jemand anderes als sein Mandant am Steuer saß. Die Leute blieben standhaft bei ihren Aussagen.

Es gab einen Polizisten als Zeugen. Der Beamte war der Unfallsachbearbeiter. Als er vor Ort seine Arbeit begann, hatte der 78-Jährige offenbar auf dem Beifahrersitz Platz genommen und eine andere Person saß am Lenkrad. "Wer war der Fahrer?", fragte der Uniformierte und erinnerte sich jetzt, dass sich ihm der Rentner zwei Mal als solcher zu erkennen gegeben habe. Auch das führte zu einer Vielzahl von weiteren Erkundigungen des Anwalts und der Rüge, man hätte den Mann bei seiner Rechte-Belehrung darauf hinweisen müsse, dass er Anspruch auf einen Pflichtverteidiger habe.

So zog sich die Sache sechs Stunden lang hin. Dann gab es ein Urteil, das nun mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem weiteren Berufungsprozess vor dem Landgericht führen dürfte. Richterin Sand, die den Fragen-Marathon aus prozessualen Gründen zu dulden hatte, verhängte sieben Monate Haft und legte dieser Entscheidung die Feststellung zugrunde, sie sei überzeugt von der Täterschaft des Angeklagten.

Mehr aus dem Gerichtssaal

Amberg

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.