28.03.2021 - 08:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Noch keine Pleitewelle in Amberg, aber: Tattoo-Studios extrem gefährdet

"Existenzielle Problemfälle jetzt melden": Die Wirtschaftsförderer der Stadt Amberg riefen im Februar dazu auf, sich in Corona-Zeiten beraten zu lassen. Zwei Dutzend Betriebe meldeten sich. Bei zwei von ihnen ist die Lage existenzbedrohend.

Die Tattoo-Studios sind geschlossen. Sie leiden besonders unter dem verlängerten Lockdown.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mitte Februar richtete Karlheinz Brandelik einen dringenden Appell an die Geschäftswelt in Amberg. Der Chef der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gewerbebau vermutete mit Blick auf kleinere Läden und Geschäfte: "Vielen geht die Luft aus." Die betroffenen Inhaber sollten sich melden und sich über alle in Corona-Zeiten zur Verfügung stehenden Hilfspakete beraten lassen: "Wir wollen nicht, dass jemand zumacht oder nicht wieder aufmacht, obwohl es Möglichkeiten und Lösungsansätze gegeben hätte", sagte Brandelik, der nun einen Überblick hat, wie viele Betriebe seinem Aufruf mittlerweile gefolgt sind.

"Es sind überraschend wenige, die sich gemeldet haben", ließ der Gewerbebau-Geschäftsführer rund einen Monat nach dem Aufruf auf Nachfrage wissen und nannte auch Zahlen: "Rund zwei Dutzend." Gerechnet hatte er eigenen Aussagen zufolge mit etwas mehr. Diese Befürchtung habe sich aber nicht bewahrheitet: "Überraschend viele haben die Situation offensichtlich relativ gut im Griff." Auch die Gastronomie und Dienstleistungsbranche: "Viele kommen mit den Staatshilfen gut zurecht. Was man so hört."

"Überraschend viele haben die Situation offensichtlich relativ gut im Griff."

Wirtschaftsförderer Karlheinz Brandelik

Wenn der Antrag auf Staatshilfen "sauber und vollständig ausgefüllt" ist, fließe das Geld auch relativ zügig. Ist öffentlich davon die Rede, dass die Finanzspritzen spät ausbezahlt werden, liege das meistens daran, dass mit dem Antrag irgendetwas nicht stimme. Das hätten übrigens auch mehrere Steuerberater bestätigt, berichtet Karlheinz Brandelik, der aber keinen Hehl daraus macht, dass die Formulare teilweise "sehr kompliziert" seien.

Zurück zu den Unternehmern, die sich bei der Gewerbebau gemeldet haben. Einigen von ihnen habe sofort geholfen werden können, sagt Brandelik: "In einem Fall hat es gereicht, darauf hinzuweisen, dass bei der Hausbank eine Überbrückung beantragt werden kann." Ähnlich unkompliziert und unbürokratisch habe in gut 20 weiteren Fällen geholfen werden können. Nicht aber bei zwei Tattoo-Studios. Namen will Brandelik nicht nennen und sagt nur so viel: "Es sind harte Zeiten, ja. Aber richtig existenziell ist es eigentlich nur bei diesen beiden."

Zwar werde wesentlich mehr tätowiert als vor 20 Jahren, aber vor allem jüngere Studios hätten es noch nicht geschafft, Rücklagen zu bilden, von denen jetzt gezehrt werden könne. Zudem sei die Zahl der Studios gefühlt extrem gestiegen. Der Wirtschaftsexperte: "Deswegen gibt es nicht automatisch mehr Kunden. Das ist ein Verdrängungswettbewerb." Auch ohne die Corona-Krise bleibe für jeden einzelnen nicht mehr so viel übrig wie früher.

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