14.05.2020 - 16:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Neues Gastro-Konzept in Amberg: Nicht alle Wirte profitieren

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Wenn ab Montag Gaststätten wieder öffnen, dürfen Kunden vorerst nur unter freiem Himmel bewirtet werden. Die Stadt will den gebeutelten Gastronomen mit größeren Freischankflächen helfen – doch die Skepsis ist groß.

In der Cafébar Trattoria Bavaria am Marktplatz laufen die Vorbereitungen für die ab Montag wieder erlaubte Bewirtung der ersten Gäste auf Hochtouren. Pächter Robert Schaarschmidt könnte von einer geplanten Sonderregelung der Stadt zur Erweiterung der Freischankfläche profitieren – jedoch nur, wenn er nicht 1,5 Meter Sicherheitsabstand zum Gehweg einhalten muss.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Wer ab kommender Woche durch die Amberger Altstadt schlendert, könnte Tische und Stühle auf Flächen entdecken, die bisher für Autos reserviert oder von Fußgängern genutzt wurden. Die Stadtverwaltung arbeitet an einem Konzept zur Erweiterung der Freischankflächen für Gastronomen. Die Idee dahinter: Wenn Restaurants, Cafés und Eisdielen mehr Platz für die Bestuhlung nutzen dürfen, können auch mehr Gäste bewirtet werden – trotz strenger Abstands- und Hygieneregeln.

Wie Pressesprecherin Susanne Schwab informiert, liefen hierzu gerade die finalen Abstimmungen innerhalb der Stadtverwaltung. Details des Konzepts sind zwar noch nicht öffentlich, doch Ziel ist, den unter schweren Umsatzeinbußen leidenden Gastronomen so zu mehr Einnahmen zu verhelfen.

Überblick geht verloren

Die meisten Wirte sind dankbar für die Initiative der Stadt, doch die Skepsis ist groß. So gibt Hans-Jürgen Niewierra, Pächter des Musikcafés Amadeus am Salzstadelplatz, zu bedenken, dass es gar nicht möglich ist, die Freischankfläche beliebig zu erweitern. "Ich würde die Regelung zwar gerne nutzen, aber wir können unsere Bestuhlung nicht einfach bis zur Martinskirche ausdehnen, weil es dann nicht mehr zu überblicken ist", sagt der 49-Jährige. "Wenn unsere Tische zu weit verstreut sind, leidet der Service." Die Bedienungen müssten zu weit laufen. Niewierra fürchtet, dass dies Gäste verärgern und somit ein "Schuss nach hinten" sein könnte.

Mehr als eine Erweiterung der Bestuhlungsfläche würden dem Amadeus-Chef finanzielle Erleichterungen helfen. "Interessanter wäre es, wenn die Stadt die Gebühren mit unseren Ausfallzeiten der vergangenen Wochen verrechnen würde", schlägt Niewierra vor.

Daten erfassen ist Extra-Aufwand

Auch Robert Schaarschmidt zeigt sich skeptisch. Der Betreiber der beliebten Trattoria Bavaria am Marktplatz würde gerne mehr bestuhlen, aber: "Ich finde es super von der Stadt, dass man sich hier Gedanken macht und uns helfen will, doch die konkrete Umsetzung bleibt eine Herausforderung." Wie Niewierra befürchtet Schaarschmidt, den Überblick zu verlieren. "Je größer die Fläche, desto höher die Gefahr, dass sich Gäste einfach hinsetzen und wir das gar nicht mitbekommen." Dies sei problematisch, weil die Kontaktdaten aller Kunden schriftlich erfasst und für den Fall einer Corona-Infektion auch gespeichert werden müssten.

Immerhin könnte sich der Betreiber vorstellen, seine Bestuhlung längsseits der Rathausstraße zu erweitern. "Damit würden wir aber in den Bereich der angrenzenden Geschäfte reinkommen. Bestuhlen ist dort erst möglich, wenn die Läden bereits geschlossen sind." Dies sei aber noch nicht geklärt, sagt Schaarschmidt.

Noch sind die Stühle aufgestapelt. Doch ab Montag können Gäste auch wieder vor der Eisdiele Campo Platz nehmen. Die Möglichkeit, die Sitzfläche auszuweiten, will Besitzer Antonio Campo nicht nutzen.

Der Pächter bittet seine Gäste um Verständnis, wenn ab Montag noch nicht der volle Service geboten werden kann. "Wir werden fast ausschließlich Selbstbedienung machen müssen, weil uns wegen der Kurzarbeit das Personal fehlt."

Zudem sei noch unklar, ob die Trattoria Bavaria überhaupt Gäste im Freien wird bewirten können. "Wenn sich die Gerüchte bestätigen, dass ich mindestens 1,5 Meter Abstand zum Gehweg halten muss, dann hat es sich für mich erledigt - den Platz habe ich nicht." Von den 30 Sitzplätzen im Freien bleiben wegen der Abstandsregeln maximal 15 übrig. "Das sind massive Auswirkungen. Aber wir öffnen trotzdem, obwohl ich weiß, dass wir unter diesen Umständen sicher nicht in die Gewinnzone kommen."

Das neue Gastro-Konzept soll laut Stadtverwaltung für Amberg ein "Urlaubsfeeling daheim" erzeugen.

Amberg

Campo Eis stark wetterabhängig

Der Besitzer von Eis Campo hingegen will die geplante Sonderregelung gleich gar nicht nutzen. "Das lohnt sich für mich nicht, weil ich dafür zu wenig Platz habe", sagt Antonio Campo. "Ich könnte auf der anderen Straßenseite zusätzlich ein paar Tische aufstellen, aber das ist mir zu weit weg. Es ist ja auch nicht garantiert, dass ich die Plätze dann voll bekomme." Das Geschäft mit der Eisdiele sei zudem "extrem wetterabhängig", gibt der 54-Jährige zu bedenken.

Von den alten Umsätzen werden wir Lichtjahre entfernt sein.

Wild Vaitl-Betreiber Jörg Kroha

Auch Jörg Kroha sieht für seinen Betrieb keine Möglichkeit, von einer Erweiterung der Freischankflächen zu profitieren. Der Pächter der Kult-Kneipe Wild Vaitl sagt: "Unser Biergarten liegt im Innenhof, die Mauern lassen sich nicht versetzen. Die Regelung hilft mir überhaupt nicht." Das sei jedoch nicht Schuld der Stadt, zeigt Kroha Verständnis.

"Wild Vaitl" rechnet mit Ansturm

Dennoch rechnet der 47-Jährige in der kommenden Woche mit einem großen Ansturm. Weil sonniges Wetter vorhergesagt ist, werden die Sitzplätze in dem urigen Biergarten schnell vergeben sein. "Das wird bestimmt arg. Wir haben schon dutzende Anfragen und Reservierungen. Gerade am Vatertag wird viel los sein." Für den Feiertag will Kroha sogar einen Security-Mitarbeiter anstellen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Im Innenhof des Wild Vaitl finden rund 100 Gäste Platz, doch wegen der Abstandsregeln reduziert sich die Anzahl auf die Hälfte. "Wir sind am Messen, Schieben und Herrichten, aber mehr als 50 Plätze sind nicht drin", sagt Kroha. Auch die Gewinne aus der Zeit vor Corona seien nicht erreichbar. "Von den alten Umsätzen werden wir Lichtjahre entfernt sein", ist sich der Wirt sicher.

Wirte müssen sich beim Bauverwaltungsamt Amberg melden, wenn sie ihre Bewirtungsfläche im Freien erweitern möchten.

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