04.05.2021 - 08:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Pläne für ehemalige Sparkasse an Hockermühlstraße in Amberg

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Ein ehemaliger Sparkassen-Mitarbeiter kauft die zum 30. April geschlossene Bank-Filiale an der Hockermühlstraße, um dort seine eigene Firma auszubauen. Doch Sebastian Kramer (34) hat in der Oberen Hockermühle noch viel mehr vor.

Sebastian Kramer bei der Arbeit. Der ehemalige Sparkassen-Mitarbeiter baut die zum 30. April geschlossene Filiale an der Hockermühlstraße in Eigenregie um.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Das Aus kam schnell und für viele überraschend: Ohne große Vorankündigung hat die Sparkasse Amberg-Sulzbach ihre Filiale an der Hockermühlstraße in Amberg zum 30. April geschlossen. Vorstandsvorsitzender Dieter Meier begründete diesen Schritt mit deutlichen Zuwächsen beim Online-Banking, einer sinkenden Frequenz an den beiden Geldautomaten und mit einem veränderten Kundenverhalten: "Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden lieber in der Welserstraße Geld abheben." Einen Leerstand wird es in der Oberen Hockermühle aber nicht geben. Dafür sorgt ausgerechnet ein ehemaliger Sparkassen-Angestellter: Sebastian Kramer zieht schon am 12. Mai mit seiner 2014 gegründeten Textildruck-Firma Minimutz ein.

Im November 2020 erworben

Dort, wo an der Hockermühlstraße bis zum Ausbruch der Pandemie Bank-Kunden betreut wurden, kniet nun Sebastian Kramer auf dem Boden und verlegt Laminatplatten. Der 34 Jahre alte zweifache Familienvater hat die Immobilie, in der auch der Friseur-Salon Hairstar untergebracht ist, im November vergangenen Jahres von der Riedener Firma Staufer-Bau erworben und die Sparkasse, für die er bis zu seiner Kündigung im August des Vorjahres tätig war, als Mieter im Vorraum untergebracht.

Seinetwegen, sagt Kramer, hätte die Bank ihre Selbstbedienungsfiliale nicht aufgeben müssen: "Wenn sie geblieben wäre, wäre sie geblieben. Wir brauchen ja den Vorraum nicht." Nur den Rest des Gebäudes. Der ist 220 Quadratmeter groß und damit für den Unternehmer perfekt. Als er 2015 mit dem Verkauf von Plüschtieren aus Naturstoffen begann, dienten zu Hause an den Lohwiesen im Stadtteil Gailoh etwa 20 Quadratmeter als Produktionsstätte.

Doch das Start-up scheiterte. Aus vielen Gründen, wie Kramer jetzt sagt: "Es hat einfach nicht funktioniert." Folglich musste er das Geschäftsmodell ändern. Das tat er im Jahr 2017 auch. Der 34-Jährige stellte seine Produktpalette auf personalisierte Artikel für Babys und Kinder bis zehn Jahre um. Wer will, kann den Namen seines Kindes oder Enkels auf Dinge des täglichen Bedarfs und Utensilien für den Schulalltag drucken lassen. Auf Federmäppchen und Turnbeutel zum Beispiel: "Der Bedarf ist da. Wir haben das sehr schnell ausgebaut."

Kramers Frau Sabrina (32) sei Tag und Nacht damit beschäftigt gewesen, die Bestellungen abzuarbeiten. Auch dank der Pandemie und der deswegen geschlossenen Läden seien im Vorjahr mehr als 50.000 Minimutz-Pakete verschickt worden. Die Geschäfte seien derart gut gelaufen, dass die Kramers im Sommer 2020 innerhalb von Gailoh an den Leonhardiweg umzogen, um mehr Platz für die Fertigung zu haben. Aus 20 Quadratmetern wurden so 80. Allerdings: "Wir haben gemerkt, das ist auch zu klein. Der Platz reicht hinten und vorn nicht."

Kramer musste die nächste unternehmerische Entscheidung treffen: Er kündigte seinen Vollzeit-Job bei der Sparkasse ("Beides gleichzeitig ging einfach nicht mehr") und begab sich auf die Suche nach einer geeigneten Immobilie, um die Firma weiter ausbauen zu können, die ohnehin schon gewachsen war. Minimutz beschäftigt aktuell drei Festangestellte und eine Aushilfe.

Obere Hockermühle oder Gailoh

Doch die Ansprüche des 34-Jährigen waren hoch: Das neue Gebäude sollte sich unbedingt in der Oberen Hockermühle oder in Gailoh befinden, um Familie und Beruf unter einen Hut bekommen zu können: "Ein Objekt in Raigering wäre zum Beispiel nie infrage gekommen", sagt der Vater von zwei Mädchen (acht und fünf Jahre), die nun in der ehemaligen Sparkassen-Filiale ihr eigenes Hausaufgaben- und Homeschooling-Zimmer bekommen, um in der Nähe zu sein, wenn Mama und Papa mit ihren Angestellten die Bestellungen bearbeiten. Einen Laden mit Publikumsverkehr will Sebastian Kramer aber nicht eröffnen, wie er auf Nachfrage wissen lässt: "Wir sind ein reiner Online-Handel und wollen auch einer bleiben."

Am liebsten mit Straßenverkauf

Dennoch möchte er das Viertel etwas aufwerten und für mehr Frequenz sorgen. Konkret beschäftigt sich Kramer mit den Planungen, in das Gebäude, zu dem gegenüber vom Hockermühlbad auch Parkplätze und Grünflächen gehören, einen Eis-Straßenverkauf zu integrieren: "Kein Café mit Sitzplätzen, sondern einen reinen Straßenverkauf. Damit man, wenn man aus dem Viertel kommt, für ein frisches italienisches Eis nicht jedes Mal in die Stadt, nach Haselmühl oder Ammersricht fahren muss." Zudem könnte er es sich gut vorstellen, in der parkähnlichen Anlage einige Sitzbänke aufzustellen. Das Eis, das dort in Ruhe vor oder nach einem Freibad-Besuch verzehrt werden soll, möchte Kramer aber nicht selbst zubereiten, sondern vielmehr einer bereits bestehenden Eisdiele die Gelegenheit geben, eine Außenstelle zu eröffnen. Entsprechende Gespräche würden bereits geführt.

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Amberg
Mit dem ehemaligen Sparkassen-Gebäude hat der neue Eigentümer auch die Parkplätze und Außenanlagen erworben. Hier kann sich Sebastian Kramer einen Eis-Straßenverkauf und einige Parkbänke sehr gut vorstellen.

„Damit man (...) für ein frisches italienisches Eis nicht jedes Mal in die Stadt, nach Haselmühl oder Ammersricht fahren muss.“

Sebastian Kramer über seine Idee, in der Oberen Hockermühle einen Eis-Straßenverkauf zu eröffnen

 

 

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