22.07.2021 - 16:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Nächster Kreisverkehr in Amberg: Ohne Ampel von Siemens bis Gailoh

Von Siemens bis Gailoh fahren, ohne auch nur an einer einzigen Ampel halten zu müssen: Das ist jetzt in Amberg möglich. Der neue Kreisverkehr an der nun runden Ecke Haager Weg/Von-Scheffel-Straße hat aber noch eine ganz andere Bedeutung.

Wer vom Haager Weg (unten) kommt, kann wie bisher nach rechts in die Von-Scheffel-Straße oder geradeaus weiter nach Gailoh. Nach links geht es künftig ins Baugebiet Kennedystraße Süd II und weiter bis zum ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Wer im D-Programm oder in der Oberen Hockermühle aufgewachsen und deutlich vor 1992 auf die Welt gekommen ist, wird sich noch an das Scheppern der Gläser in den Schränken erinnern, wenn die schweren Panzer vorbeigefahren sind. Amerikanische Panzer, die in der Möhlkaserne direkt neben der Sebastianskirche stationiert waren. Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (Jahrgang 1964), der selbst in diesem Viertel großgeworden ist und in dem er heute noch lebt, rief diese Geräusche und Bilder in Erinnerung, als er am Donnerstag in der Mittagszeit den neuen Kreisverkehr an der Kreuzung Haager Weg, Gailoher Hauptstraße und Von-Scheffel-Straße eröffnete.

Das laut Cerny gut 950.000 Euro teure Bauwerk setzt die Reihe der Kreisverkehre fort, die an der Justizvollzugsanstalt, bei der Sebastianskirche und am Haager Weg entstanden sind. Dadurch ist eine Ampel-freie Fahrt bis hinaus ins Gailoher Gewerbegebiet möglich. Doch nicht nur das. Der Kreisel ist Ausgangspunkt einer neuen Querspange, die die Von-Scheffel-Straße in Richtung Kennedy- und Stauffenberg-Straße zum dortigen Kreisverkehr verlängert. Gleichbedeutend ist die Kreisverkehr-Freigabe mit dem Erschließungsbeginn für das Neubaugebiet Kennedy Straße Süd II, in dem 28 Parzellen entstehen, die laut Cerny zwischen 320 und 800 Quadratmeter groß sind.

Platz für Tiny Houses

Vielleicht, so der Rathaus-Chef, möge sich der eine oder andere interessierte Bauherr über Grundstücksgrößen von nur knapp über 300 Quadratmetern wundern, das habe aber einen Grund: Das liege an den vorgesehenen Standorten für sogenannte Tiny Houses, die der Oberbürgermeister als Mini-Häuser bezeichnete: „Das ist ein Versuch, den wir jetzt einmal starten, ob es mit weniger Grund auch funktioniert.“ Der Preis liege pro erschlossenem Quadratmeter Fläche „noch unter 300 Euro“, sagte Cerny und verwies darauf, dass nicht nur die Baupreise steigen, sondern auch die Erschließungskosten. Insgesamt investiere die Stadt 2,1 Millionen Euro in das Baugebiet, das sich mitten auf dem ehemaligen Sportgelände der von den Amerikanern 1992 aufgegebenen Möhlkaserne befindet.

1994 hatte die Stadt das Areal erworben. In den Jahren danach entstand neben den sogenannten Würfelhäusern des Amberger Wohnungsunternehmens in dem Viertel auch die Sebastianspassage. In das ehemalige Kompaniegebäude, das der Stadt immer wieder als Ausweichquartier für sanierungsbedürftige Schulen diente, ist vor Jahren die Montessorischule eingezogen. Direkt daneben, im alten Offiziers-Casino, ist an der Dekan-Hirtreiter-Straße das Restaurant Alte Kaserne untergebracht, in dem nach vollzogenem Spatenstich ein eher seltener Gast am Mittagstisch neben Michael Cerny saß: Lieutenant Colonel Mark Bush, Kommandeur des 3. Schwadrons des 2. Kavallerie-Regiments, das früher in der Möhlkaserne stationiert war und seit dessen Abschied in Vilseck beheimatetet ist.

Kunstwerk von Uber und Diem

Mit Blick auf das von Hanna Regina Uber und Robert Diem geschaffene Kunstwerk mit dem Namen „Connected“, das die laut Uber „fragile deutsch-amerikanische Freundschaft symbolisiert“ und etwa 40 000 Euro gekostet hat, sagte Mark Bush: „Die deutsch-amerikanische Freundschaft in Amberg besteht aus unzähligen unvergessenen Erinnerungen.“ Da zuletzt auch die ehemalige Housing Area, in der rund um die Richthofenstraße die US-Soldaten wohnten, Neubauten Platz gemacht hat, wird nun mit dem Baugebiet Kennedy Süd II das letzte große noch freie Teilstück ehemaliger US-Flächen in etwas Neues umgewandelt.

Die Konversion der einstigen militärischen Liegenschaften hat damit fast drei Jahrzehnte in Anspruch genommen. Lieutenant Colonel Mark Bush kommentierte das mit diesen Worten, während er eine Hand auf dem Herz hielt. So, wie es Amerikaner ansonsten nur dann machen, wenn sie ihre Nationalhymne hören: „Die Pond Barracks existieren längst nicht mehr. Aber unsere Freundschaft mit Amberg lebt.“

Mehr über das Kunstwerk im neuen Kreisverkehr

Amberg

„Die Pond Barracks existieren längst nicht mehr. Aber unsere Freundschaft mit Amberg lebt.“

 Lieutenant Colonel Mark Bush

Lieutenant Colonel Mark Bush

Beim obligatorischen Spatenstich packten die Gäste von der US-Armee aus Vilseck mit an.

 

 

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