23.11.2020 - 16:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Nächste Etappe: Sanierung der Basilika St. Martin Amberg geht weiter

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Das gewaltige Gerüst, das gerade an der Rückseite der Basilika St. Martin aufgebaut wird, zeigt: Hier ist Großes im Gange. Tatsächlich beginnt gerade ein weiterer Sanierungsabschnitt, bei dem es auch um die wertvollen Fenster geht.

Die Basilika St. Martin ist wieder eingerüstet, diesmal auf der Rückseite. Nach dem Dach und dem Turm wird jetzt die Außenfassade saniert. Das geschieht abschnittsweise rundherum, so dass auch das Gerüst im Lauf der Zeit um die Kirche „wandern“ wird.
von Heike Unger Kontakt Profil

Der eisige November-Wind lässt die Schutzplanen lautstark flattern, bevor sie richtig festgemacht sind: Seit einigen Tagen sind hinter der Martinskirche Gerüstbauer dabei, die Metallteile und Gewebeplanen miteinander zu verbinden. Die Rückseite der Basilika wird eingerüstet, weil jetzt der dritte große Sanierungsschritt beginnt. Nach der Erneuerung des Kirchendachs (2003 bis 2006) und der Turmsanierung (2012 bis 2017) geht es jetzt um die Natursteinfassade des Kirchenschiffs, die Buntglasfenster, die Glockenstühle und den Ölberg.

Die Glocken von St. Martin

Nicht die letzte Etappe

Kirchenpfleger Josef Beer und Stadtpfarrer Thomas Helm geben bei einem Ortstermin mit der Onetz-Redaktion einen kleinen Einblick in diese nächste Etappe des Mammutprojekts Basilika-Sanierung. Die wird knappe fünf Jahre dauern und weitere rund 5,7 Millionen Euro verschlingen. „Aber es ist noch nicht die letzte“, betont Beer: Die Innensanierung steht danach noch an und die Anschaffung einer neuen Orgel. Letztere wird alleine auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Ein eigens gegründeter Orgelverein sammelt schon fleißig Geld dafür.

St. Martin braucht eine neue Orgel

Amberg

Wie viel die Innensanierung kosten wird, kann man laut Beer momentan noch gar nicht sagen. Auch zeitlich steht dieses Vorhaben „noch in den Sternen. Aber die nächsten sechs, sieben Jahre bestimmt nicht“. Auch, weil momentan noch nicht abzusehen sei, wie sehr die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden allgemeinen finanziellen Einbußen künftige Investitionen ausbremsen wird.

Jetzt sind die Fenster dran

Aber ein Schritt nach dem anderen, jetzt wird erst einmal außen saniert. Am Naturstein hat der Zahn der Zeit genagt. Hier müssen, ähnlich wie schon beim Kirchturm, Schäden, Risse ausgebessert und Teile ersetzt werden. Das gilt auch für die kunstvollen steinernen Verzierungen und Rippen an den Fenstern, die sogenannten Maßwerke. Die Holzbalken-Konstruktionen, die man von außen an einigen Fenstern sieht, sind Notsicherungen, die die Fenster schützen, weil hier Teile der Maßwerke gebrochen sind.

Die Martinstrumsanierung

Wertvolle Glaskunst

Auch die kunstvollen Glasfenster selbst werden restauriert. Insgesamt hat die Basilika 18 Obergaden- (im oberen Teil) und 15 Kapellenfenster (unterer Teil). Sie müssen gereinigt, und Schäden ausgebessert werden. Dann bekommen sie noch eine zusätzliche Schutzschicht aus speziellem klarem Glas: Dadurch kann man auf die „hässlichen Gitter“ an der Außenseite verzichten, wie Josef Beer erfreut ankündigt. Das Glas schütze die historischen Fenster künftig sogar noch besser.

Zwei davon sind im Zuge der vorangegangenen Sanierungsarbeiten als „Muster“ schon hergerichtet worden, „damit die Handwerker wissen, wie sie vorgehen müssen“. Wer beispielsweise innen einen Blick auf die Darstellung des Basilika-Patrons, des heiligen Martin, hinter dem Altar wirft, wird merken, dass dieses Fenster schon saniert wurde: Seine Farben strahlen mit deutlich mehr Leuchtkraft als die noch nicht behandelten Exemplare. Diese werden nun nach und nach ausgebaut, durch Provisorien ersetzt, die die Lücken in der Fassade bedecken, und dann in einer Fachwerkstatt bearbeitet. Dazu müssen ab nächster Woche auch Innengerüste in der Basilika aufgestellt werden.

Anfang Dezember geht's los

„Anfang Dezember werden die ersten zwei Fenster ausgebaut“, kündigt Pfarrer Helm an. Gottesdienste können trotzdem gefeiert werden. Dass die Sanierung ausgerechnet jetzt, mit dem beginnenden Winter, startet, liegt an den Fenstern: Die Deutsche Denkmalstiftung gewährt dafür eine Förderung, für die man heuer noch tätig werden muss, wie Beer erklärt. Die Zusage dazu sei im Herbst gekommen.

Auch die Glocken sind in der jetzigen Phase ein Thema. Konkret geht es nicht um sie selbst, sondern um die Glockenstühle, also jene Konstruktionen, an denen die neun Glocken von St. Martin aufgehängt sind. Die beiden obersten sind nicht im Läutbetrieb und werden es auch künftig nicht sein. Im Glockenstuhl darunter gibt es sieben Stück. Die größte und älteste, die Elferglocke, ist schon geraume Zeit verstummt, wie Josef Beer berichtet: Bei der Turmsanierung wurde festgestellt, dass sie den Turm in Schwingung bringen würde, wenn sie läuten würde. Eine Untersuchung, ein sogenanntes Glockenmonitoring, das gerade abgeschlossen wird, klärt, was genau zu tun ist, damit St. Martin künftig wieder hörbar wird. Die große Zwölferglocke ist derzeit abgehängt, steht auf dem Boden. Sie hatte einen Riss, der repariert worden ist. „Ziel ist es, dass zur 600-Jahr-Feier Ambergs im Mai 2021 die Festwoche mit einem Glockenspiel eingeläutet werden kann“, sagt Josef Beer.

Gesamtkosten: 5,7 Millionen

Auch die kleine Ölbergkapelle hinter dem Gotteshaus wird in der jetzt beginnenden neuen Bauphase saniert – und zwar „alles, die Figuren, das Haus, der Vorplatz“, zählt der Kirchenpfleger auf. Und freut sich, dass es dafür eine Spende der Messerschmitt-Stiftung gibt. Die hatte noch zu Zeiten von Pfarrer Helms Vorgänger Franz Meiler in Amberg getagt und damals zur Überraschung aller eine Spende von 20 000 Euro zugesagt. Die wird trotzdem nicht reichen: Alleine die Ölberg-Sanierung ist mit 100 000 Euro veranschlagt.

Insgesamt werden in die Außensanierung rund 5,7 Millionen Euro investiert. Den Großteil, 50 Prozent, trägt die Diözese. Josef Beer erklärt, wie die weiteren Kosten aufgeteilt werden: Bundesmittel (550 000 Euro), Entschädigungsfonds (1,325 Millionen Euro), Deutsche Denkmalstiftung (230 000 Euro), Bezirk Oberpfalz (40 000 Euro), Messerschmitt-Stiftung (20 000 Euro), Stadt Amberg (100 000 Euro). Bleibt ein Eigenanteil von zehn Prozent, den die Pfarrei St. Martin aufbringen muss. „Das ist machbar“, meint Josef Beer, man habe fleißig Spenden gesammelt.

Mehr über die Basilika St. Martin im Onetz

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