26.07.2021 - 14:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Lokschuppen in Amberg: Nach Opernfestival wieder Künstler am Zug

Erst sehnte sich ein Schönwerth-Darsteller beim Opernfestival nach Schlaf, jetzt bevölkern wieder Künstler das Gelände beim Lokschuppen in Amberg. Das Areal wird immer mehr zum Treffpunkt der Kunstszene. Der Anspruch ist aber ein anderer.

Hanna-Regina Uber, Marion Mack und Heike Lepke (von links) sind drei der neun Kunstschaffenden, die sich von 1. bis 7. August am Symposium beteiligen. Tobias Schuminetz (rechts), Vorstandsmitglied des Vereins Amberger Kaolinbahn, ist schon gespannt auf die Kunstwerke.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Bahnstrecke, die vom Galgenbergweg hinter dem Bahnhof aus nach Schnaittenbach führt, wird im Volksmund auch Hirschauer Bockl genannt. Sie wurde 1898 eröffnet und litt früh unter der Konkurrenz bahneigener Busse und der beginnenden privaten Motorisierung. Nach 1960 beschränkte man sich auf die Schüler-Beförderung, die 1976 eingestellt wurde.

Danach schlummerte das 3500 Quadratmeter große Areal inklusive Lokschuppen und Drehscheibe vor sich hin, bis sich der Verein Amberger Kaolinbahn positionierte. Die elf Gründer um den damaligen Vorsitzenden Johann Preßl und den aktuellen Vereinschef Matthias Gruschwitz machten es sich ab dem Jahr 2010 zur Aufgabe, das Gelände samt Gebäuden und Inventar zu erhalten und wiederzubeleben. Zum Beispiel mit dem Drehscheibenfest als Beitrag zum Altstadtfest. Eine kulturelle Nutzung war nicht vorgesehen, wird aber immer mehr zum Trend. So gab es in diesem Monat beim ersten Oberpfälzer Opernfestival die Uraufführung von „Insomnia“. In dem Stück windet sich der Amberger Autor und Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth, der im 19. Jahrhundert gelebt und gewirkt hat, ob seiner Schlaflosigkeit und dürstet nach einem Schluck Wasser.

Täglich von 16 bis 18 Uhr

Szenische Darstellungen wie diese wird es rund um die Drehscheibe und den Lokschuppen aber nicht geben, wenn die kulturelle Nutzung des Areals in die nächste Runde geht. Von Sonntag, 1., bis Samstag, 7. August, geben sich zehn Kunstschaffende aus der Region bei ihrem Symposium unter freien Himmel so publikumsnah wie sonst nie. Wer möchte, kann den Akteuren täglich von 16 bis 18 Uhr über die Schulter blicken und die Entstehung der Kunstwerke live mitverfolgen. Seit 2013 gibt es dieses Symposium jedes Jahr. Start war damals im Kunstkombinat an der Neustift, wo die Initiatorinnen Hanna-Regina Uber, Marion Mack und Michaela Peter ihre Idee, Kunst in ihrer Entstehungsphase öffentlicher als üblich zu machen, erstmals umsetzten. Weitere Schaffensorte waren zum Beispiel in den beiden Vorjahren die Umweltwerkstatt an der Vils und das alte Marienparkdeck.

„Es ist ein Teil des Konzepts, dass wir die Location wechseln“, sagt Hanna-Regina Uber, die den Lokschuppen schon lange ganz oben auf der Liste der Orte stehen hatte, an denen sich Künstler unter freiem Himmel zeigen könnten. Marion Mack ergänzt: „Jede Location hat was gehabt.“ Aber das Areal rund um den Lokschuppen sei schon etwas Besonderes: „Es ist eine tolle Sache dass wir das Gelände haben dürfen. Es ist einfach ein toller Ort.“ Denn die klassische Atelier-Situation, in der der Künstler im Normalfall allein ist, falle weg. An der frischen Luft und vor Publikum tätig zu sein, sorge für neue Inspiration.

Location mit Einfluss

Heike Lepke bestätigt das: „Die Location hat Einfluss auf die Arbeiten und die Künstler.“ Hanna-Regina Uber nickt: „Der unfertige Zustand hat schon auch seinen Charme.“ Apropos fertig: Eine Woche haben die Kunstschaffenden Zeit, dann müssen ihre Werke erledigt sein. Denn bereits am Freitag, 13. August, sollen die Ergebnisse bei einer Vernissage, die um 19.30 Uhr beginnt, auf dem Gelände am Galgenbergweg gezeigt werden. Das Symposium-Motto „Wieder am Zug“ werde jeder Künstler anders umsetzen, sagt Mack, die sich dagegen wehrt, Kollegen Vorgaben zu machen: „Man kann sich dran halten, wenn man will. Muss man aber nicht. Wieder am Zug bedeutet auch, wieder dran zu sein. Das muss nichts mit Eisenbahn zu tun haben.“

Manche Kollegen wissen laut Mack schon, was sie vom 1. bis zum 7. August entstehen lassen wollen. Sie selbst noch nicht. Hanna-Regina Uber, die aktuell mit der von ihr und Robert Diem entworfenen Skulptur im neuen Kreisverkehr am Haager Weg für Gesprächsstoff sorgt, möchte sich noch nicht in die Karten schauen lassen. Bei einem Symposium gehe es auch darum, sich gegenseitig zu beeinflussen, Material zu tauschen, zu probieren und zu experimentieren: „Wir machen uns da keinen Druck.“ Aus diesem Grund kann es laut Uber durchaus passieren, „dass man am ersten Tag noch nicht so viel sieht“.

Einer, der regelmäßig vorbeischauen wird, ist Matthias Gruschwitz, der Kümmersbrucker Vorsitzende des Vereins Amberger Kaolinbahn. Er sagt, dass der ursprüngliche Anspruch, auf dem Gelände ein Oberpfälzer Industrie- und Lokalbahnmuseum zu etablieren, bestehen bleibt. Die doppelte kulturelle Nutzung habe sich „jetzt so ergeben“ und bleibe die Ausnahme.

Anfragen von Privatleuten

Natürlich sei es vorstellbar, das Areal immer wieder mal zu vermieten, aber der Vorstand sei sich noch nicht einig, wo die Grenze gezogen werden sollte. Laut Gruschwitz gibt es unzählige Anfragen von Privatleuten für Hochzeitsfeiern oder Fotoshootings. Doch die dürften nicht überhandnehmen: „Da sind wir gerade noch am Diskutieren. Ab und zu mal eine Veranstaltung, ja. Aber nur in Ausnahmefällen.“

Hanna-Regina Uber über die Skulptur im neuen Kreisverkehr

Amberg
Hintergrund:

Symposium: Das sind die Kunstschaffenden

  • Georg Fruth
  • Heini Hohl
  • Heike Lepke
  • Marion Mack
  • David Mack
  • Stefan Stock
  • Johann Sturcz
  • Marcus Trepesch
  • Hanna-Regina Uber
  • Erika Wakayama

 

 

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