03.04.2020 - 15:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Leser schicken alte Lappen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Wir wollten die alten Lappen sehen - und Sie haben sie uns fleißig geschickt. Samt fabelhafter Geschichten über zu lange Haare, die dem Fahrprüfer missfielen und eine norwegische Polizeichefin, die sich in einem Führerschein verewigte.

Ein 1982 als Ersatz von der Stadt Amberg ausgestellter Führerschein für die 1963 in der Klasse 4 und 1965 in der Klasse 3 absolvierten Prüfungen. Den "Lappen" wird sich der ehemalige AZ/NT-Chefreporter Wolfgang Houschka auch nach einem Umtausch als Souvenir aufheben.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Erinnerungen des ehemaligen Chefreporter Wolfgang Houschka

Grau und neblig. Einen Tag vor Weihnachten 1965. Am Nabburger Tor ließ der Prüfer rechts heranfahren und teilte mit: "Sie haben bestanden." Das löste Freude aus. Am größten war sie bei Fahrlehrer Willi Amann. Er haute dem neuen Führerscheinbesitzer auf die Schulter und ihm entfuhr dieses für ihn stadtbekannte dröhnende Gelächter: "Da schau her. Hätt' mers gedacht?"

Bei Willi Amann, der am Eisberg wohnte und seine Fahrschule nahe der Luitpoldschule hatte, waren junge Leute aus Amberg in guten Händen. Ein Mann mit barocker Erscheinung. Bei Übungsstunden ein unvergessliches Erlebnis, wie er sich mit seiner Leibesfülle in den VW Käfer zwängte, um dann die Ansage zu machen: "Fahr' los." Für solche, die am Lenkrad saßen, zu Anfang des Kurses oft schwierig. Kupplung, Gang, Gaspedal - man holperte die Kochkellerstraße hinab.

Der Fahrlehrer war eine Autoritätsperson. Willi Amann gab Kommandos wie ein Feldwebel, er konnte herbremsen. Mit seinem für ihn eingebauten Pedal und auch verbal, wenn der Schüler eine kesse Lippe riskierte. Doch irgendwann folgte immer dieses dröhnende Lachen. Auch wenn er befahl, man möge anhalten, weil er sich beim Metzger Neiswirth eine Semmel mit Leberkäs zu holen gedachte.

Mit den Gedanken an den alten Führerschein ist vieles verbunden. Dass 1963 bei Willi Amann der damals so genannte "Vierer" gemacht wurde. Es war die Erlaubnis zum Steuern eines Kleinkraftrads und damit verbunden - vielen Älteren wohl noch in Erinnerung - der Kauf einer "Kreidler Florett". Vertrauensvoll wandte man sich an den Zweiradhändler Steinl am Nabburger Tor. Auch er taucht in der Erinnerung auf: Ein knorrig kauziger Mann mit Laden und Werkstatt an der Oberen Nabburger Straße, der Ratenzahlungen erlaubte.

Zwei Jahre später der "Dreier"-Führerschein. Wieder mit Willi Amann, den die Amberger auch als Feuerwehrmann kannten. Im damaligen Gerätehaus an der Zeughausstraße pflegte er bisweilen seinen sonntäglichen Frühschoppen einzunehmen. Wenn dann die Fenster im Aufenthaltsraum des ersten Stockwerks geöffnet waren, drang sein gigantisches Lachen bis hinüber zur Synagoge.

Der Führerschein von damals ging 1982 verloren. Die Stadt Amberg stellte ihn neu aus. Mit einem noch immer jugendlich anmutenden Bild des Lizenz-Inhabers. Der "Lappen" ist kostbarer Besitz. Nie entzogen und unlängst einem jungen Polizisten vorgehalten. Er staunte. Mit Blick auf das Foto entfuhr ihm die Frage: "Sind Sie das?" Da war dann plötzlich die Erinnerung an diese Prüfungsfahrt am Tag vor Heiligabend 1965. An den Fahrlehrer Amann, den Zweiradhändler Steinl und an den Metzgermeister Neiswirth, der bei Amberger Feuerwehreinsätzen nachts aufstand, um den Leuten eine Brotzeit herzurichten. (hou)

Prüfer missfällt Haarpracht von Robert Koch

Die 70er Jahre. Zeiten, in denen Männer noch richtige Haare hatten. Günter Netzer dribbelte mit wehender Mähne über den Platz. Die zotteligen Jungs von Creedence Clearwater Revival rockten damals die Partys. Auch den Kopf von AZ-Leser Robert Koch zierte eine hübsche Haarpracht. Ein Umstand, der dem damaligen Fahrprüfer wohl missfiel. Als Koch 1972 seine Praktische absolvierte, musste sein Vorgänger nur zehn Minuten sein Können unter Beweis stellen. „Mich ließ der Prüfer rund 50 Minuten in und um Weiden herumfahren, nachdem er sich über meine Haarpracht ausgelästert hatte.“ Den Führerschein gab‘s trotzdem. „Beim TÜV angekommen eröffnete mir der Prüfer, dass er mich hätte durchfallen lassen, wenn ich in der theoretischen Prüfung nicht fehlerfrei gewesen wäre“, erinnert sich Koch. (doz)

Norwegen-Abenteuer im Führerschein verewigt

Norwegen-Urlaub, ein geleaster Pick-up, drei Burschen um die 20 Jahre – Stoff für eine gute Geschichte. Thomas Sertl berichtet von eben einer solchen, als er 1991 mit seinen zwei Kumpels einige Zeit in dem skandinavischen Land verbrachte. Als das Trio nach einer Woche in dem Städtchen Narvik ankam, machten sie sich abends auf in eine Bar. Sertl war Fahrer, genehmigte sich trotzdem „drei kleine Bier“, wie er sagt. Es kam, wie es kommen musste: Auf dem Weg zum Campingplatz hielt die Polizei die Jungs auf. „Mich nahmen sie mit zur Blutentnahme, während andere Polizisten unseren Pick-up total auseinandernahmen“, schreibt Sertl in einer E-Mail an die Redaktion. Kurios: Es stand wohl der Verdacht des Vogeleierdiebstahls im Raum. Vogeleier fanden die Polizisten nicht, allerdings hatte Sertl 0,5 Promille im Blut. Die Folge: Eine drastische Strafe in Höhe von 2000 DM und zwei Jahre Fahrverbot in Norwegen. Und der alte Lappen: Heute ein Beweisstück für den Schwank aus der Jugend. Mona Bratlie, ihres Zeichens damals Polizeichefin er Stadt Narvik, ließ es sich nicht nehmen, einen handschriftlichen Verweis in den Führerschein zu schreiben. (doz)

Älterer Polizist klärt jungen Beamten auf

Stephan Fischer wurde vor kurzem von zwei Polizisten beim Fahrradfahren kontrolliert – von einem jüngeren und einem älteren . Die beiden wollten den Personalausweis sehen. Den hatte Fischer nicht zur Hand, dafür seinen alten Führerschein. Der junge Beamte kannte den grauen Lappen nicht. Der ältere Kollege klärte auf, dass es solche Führerscheine tatsächlich noch gibt. Alle drei lachten, Fischer durfte weiterradeln. (doz)

Bei erster Fahrt Mann umgefahren

Helga Kamm war noch keine 18, als sie 1961 in Sulzbach-Rosenberg mit dem Führerschein angefangen hat. Der Unterricht dauerte ein paar Wochen, Fahrstunden mit dem Fahrlehrer Hans Wendl brauchte sie zwölf. Autobahn- oder Nachtfahrt waren nicht vorgeschrieben, das ganze kostete rund 200 Mark. Knapp vier Wochen nach dem 18. Geburtstag erhielt sie nach erfolgreicher Prüfung ihren damals noch sehr steifen Lappen ausgehändigt. Es war Mai, in der Stadt Frühlingsfest. Eine erste Ausfahrt mit ihrem Vater ging an Christi Himmelfahrt am Dultplatz vorbei, Menschen flanierten auf der Straße, oft mehrere nebeneinander. Da passierte es, dass Kamm mit dem rechten Außenspiegel einen Mann erwischte und zu Fall brachte. Großer Schreck bei allen Beteiligten, dann aber Aufatmen. Der Mann stand auf, klopfte Staub aus seiner Hose und sagte: „Ist nicht schlimm, ist ja nichts passiert.“ In den bald 60 Jahren seit damals ist es ihr nicht mehr passiert, dass sie jemand „umgefahren“ hat. Die Reaktionen heute sähen gewiss ganz anders aus.

Ein wahres Prachtexemplar eines alten Lappens

„Der Artikel über die alten Lappen kommt ein Jahr zu spät“, schreibt Heike Dobmeier. Der alte Führerschein ihres Mannes, eine wahres Prachtexemplar, sei vor einem Jahr entwertet worden. Das sei aber auch überfällig gewesen. Bei einer Kontrolle hatten Beamte den Inhaber des zerfledderten Lappens nahegelegt, sich einen neuen ausstellen zu lassen. „Die zwei Polizisten hatten beim Anblick des Fotos echt ihren Spaß“, berichtet Dobmeier. (doz)

Der alte Führerschein von Erwin Hupfer aus Nürnberg, der mittlerweile in Schwarzenfeld wohnt.

Das jugendliche Ich nur schwer zu identifizieren

Claudia Würfl wollte in den 1990er Jahren in einer Boutique in Weiden einkaufen. So weit, so gut. „Allerdings wurde der rechtmäßige Besitz meiner EC-Karte angezweifelt“, berichtet sie. Die Verkäuferin forderte sie auf, den Personalausweis vorzulegen. Würfl musste lachen und antwortete: „Ich habe nur den Führerschein dabei und dieser läuft auf meinen Mädchennamen. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob sie mich identifizieren können.“ Nach einer eingehenden Musterung hat Würfl das Kleidungsstück aber dennoch erhalten. (doz)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.