24.05.2020 - 12:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Landratsstellvertreter: Wo die Zahlen für Ursensollen sprechen

Wenn am Montagnachmittag der Kreistag die Stellvertreter des Landrats für die neue Amtsperiode wählt, könnten am Ende zwei davon aus Ursensollen kommen. Entspricht diese Häufung auch der Verteilung der Kreisräte?

Die meisten Kreisräte des Kreistages Amberg-Sulzbach kommen aus Sulzbach-Rosenberg.
von Markus Müller Kontakt Profil

Beim Blick auf die Karte, die die Heimatgemeinden der Kreisräte verzeichnet, sieht man, dass die größte Stadt im Landkreis – Sulzbach-Rosenberg – mit 11 auch die meisten Kreistagsmitglieder stellt. Gleich dahinter kommt Auerbach mit 8. Da Sulzbach-Rosenberg mehr als doppelt so groß wie Auerbach ist (mehr als 19.000 Einwohner gegenüber knapp 9.000), sind das ungewöhnlich viele Mandate für die Stadt ganz im Norden des Landkreises.

Die hohe Zahl an Mandaten für Auerbach hat aber im Amberg-Sulzbacher Kreistag schon Tradition. Sie basiert auf einer Methode, die die Auerbacher seit langem mit Bravour anwenden: auf der Kreistagsliste bevorzugt Auerbacher ankreuzen, egal zu welcher Partei sie gehören. Das bringt die Auerbacher Kandidaten – zumal bei den kleineren Parteien – oft die entscheidenden Plätze nach vorne, um in den Kreistag einzuziehen. In der Wahlperiode von 1996 bis 2002 ergab das sogar einen Extremfall: Alle vier Kreisräte der Grünen kamen aus Auerbach. 2008 zogen 13 Auerbacher in den Kreistag ein, 2014 waren es noch 10.

Zur Anzahl der Kreisräte aus den einzelnen Kommunen

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Dieses Mal war im Wahlkampf zu beobachten, dass etwa auch die Kandidaten unterschiedlicher Parteien in den Kommunen im Nordosten des Landkreises die Devise ausgaben, man möge doch aus den Wahlerfolgen der Auerbacher lernen und ohne Rücksicht auf die Partei den Kreistagsbewerbern aus der eigenen Heimatregion seine Stimme geben. Einen wirklich durchschlagenden Erfolg kann man da aber aus dem Wahlergebnis nicht ablesen.

In Bezug auf die Vertreter des Landrats, der selbst aus Sulzbach-Rosenberg kommt, war es angesichts der vielen Auerbacher Kreisräte also in gewisser Weise folgerichtig, dass in den vergangenen zwölf Jahren mit Martin Weiß (FW) ein Auerbacher zu ihrer Riege zählte.

Weitere Analysen zum Ergebnis der Amberg-Sulzbacher Kreistagswahl

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Das bringt uns zurück zu Ursensollen: Die Gemeinde stellt vier Kreisräte – einen von der CSU, einen von der SPD und zwei von den Freien Wählern. Das ist für eine Gemeinde dieser Größenordnung (Ursensollen hat rund 3700 Einwohner) bemerkenswert, denn das ist etwa einer mehr als wesentlich größere Kümmersbruck (knapp 10.000 Einwohner) in den Kreistag entsendet.

Tatsächlich liegt Ursensollen mit den vier Kreisräten bei der Mandatszahl auf Rang drei – gemeinsam mit Vilseck und Schnaittenbach, die aber mit über 6000 bzw. über 4000 Einwohnern größer sind. Zudem hatte Ursensollen bei der Kommunalwahl mit 77,56 Prozent die zweithöchste Wahlbeteiligung im Landkreis.

Ein rechnerischer Anspruch auf hervorgehobene Posten in der Landkreisführung lässt sich aus dem guten Abschneiden der Ursensollener Kreistagsbewerber aber schwerlich ableiten. Doch (Kommunal-)Politik ist nicht nur Mathematik, bei der Vergabe von Ämtern geht es hier nicht nur um Zahlen, Quoten und Prozente, sondern auch um Persönlichkeit, Fähigkeit und Ansehen. Und manchmal braucht man einfach ein bisschen Glück, damit man der richtige Mann (oder die richtige Frau) am richtigen Ort zur richtigen Zeit in der richtigen Partei ist.

Die Vorüberlegungen der Parteien zur Wahl der Landratsstellvertreter

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Wie auch immer: Der Gesamtmix könnte dieses Mal für zwei Ursensollener als Stellvertreter des Landrats sprechen, den früheren Bürgermeister Franz Mädler (FW) und den zweimaligen Landratskandidaten Michael Rischke (SPD). Sie können sich sicher sein, dass ihre neuen Ämter gegebenenfalls nicht auf der Größe und geschickt eingesetzten Stimmkraft ihrer Heimatgemeinde basieren, sondern eher auf ihrem Ansehen innerhalb ihrer Partei und darüber hinaus. Aber so war es bei den Stellvertretern des Landrats eigentlich schon immer.

Hintergrund:

Ohne Kreisrat

Nicht im Kreistag vertreten sind dieses Mal die Gemeinden Ebermannsdorf, Freihung, Hirschbach, Poppenricht und Weigendorf. Die größte von ihnen ist Poppenricht mit mehr als 3300 Einwohnern. (ll)

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