06.08.2020 - 14:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Landgericht Amberg schickt Raser für ein Jahr hinter Gitter

Er rast mit Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h vor der Polizei davon. Das bringt dem 25-Jährigen vor dem Amtsgericht eine Bewährungsstrafe. Als es zum Berufungsprozess vor dem Landgericht kommt, erlebt der Mann eine unangenehme Überraschung.

Am Schluss der Verfolgungsjagd hetzten drei Streifenwagen hinter dem Raser her.
von Autor HWOProfil

Eine Verhandlung beim Amtsgericht Amberg im März hatte erhellt, was wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2018 geschehen war: Zwei uniformierte Polizisten wollten einen Mann kontrollieren, der bei Ursensollen in seinem am Fahrbahnrand stehenden Auto saß. Doch dazu kam es nicht mehr. Der 25-Jährige gab wortlos Gas und raste davon.

Bis zu 200 km/h

Die sich anbahnende Tour war halsbrecherisch. Sie führte herein nach Amberg zur Fuggerstraße, danach ging es hinaus zum Flugplatz Rammertshof, durch ein Waldstück in Richtung Fuchsstein und nach Speckmannshof. Dabei wurden Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern gefahren, kam es auch zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer.

Die waghalsige Verfolgungsjagd dauerte fast eine halbe Stunde. Dann hatten die Besatzungen von mittlerweile drei Streifenwagen den ganz zum Schluss stoppenden und mit schnellen Schritten davonlaufenden 25-Jährigen gestellt und vorläufig festgenommen. In seinem Vorstrafenregister standen vier Eintragungen. Dennoch argumentierte sein Anwalt Jörg Jendricke vor dem Amtsgericht: "Es entspricht den Tatsachen, dass es grob verkehrswidrig war. Aber nicht im Bereich der Rücksichtslosigkeit." Für seinen Mandanten führte der Verteidiger außerdem ins Feld: "Ihn plagten damals schwere wirtschaftliche Existenzsorgen."

Zuerst Bewährung

Jendrickes Antrag auf eine Bewährungsstrafe stand im krassen Gegensatz zur Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie wollte 15 Monate ohne Bewährung verhängt sehen und ging dann auch in Berufung, als der Amtsrichter ein Jahr Gefängnis mit Bewährung ins Urteil schrieb und dies mit einigen Auflagen verband.

Zum Ergebnis der Verhandlung vor dem Amtsgericht

Amberg

Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts wurde die spektakuläre Episode nun erneut aufgerollt. Die Verhandlung endete für den 25-Jährigen mit einer für ihn bösen Überraschung: Die Kammer unter Vorsitz von Richter Peter Hollweck verhängte zwar ein Jahr Haft. Doch Bewährung gab es nicht. "Dazu besteht kein Anlass", hieß es im Gegensatz zur Ansicht des Amtsrichters.

Dem Angeklagten bleibt nun das Rechtsmittel der Revision zum Oberlandesgericht in Nürnberg. "Wir legen diese Revision ein", sagte Verteidiger Jendricke auf Anfrage. Im Berufungsprozess hatte die Staatsanwaltschaft, wie schon in erster Instanz, eine Haftstrafe ohne Bewährung gefordert.

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