15.10.2021 - 17:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Kultusminister hört sich in Amberg Kritik an

Kultusminister Michael Piazolo trug sich bei einem Besuch in Amberg in das Goldene Buch der Stadt ein. Oberbürgermeister Michael Cerny und einige Lokalpolitiker nutzen die Gelegenheit, um dem Staatsminister ihre Sorgen mitzuteilen.

Statt auf den Bauernmarkt ging es für Kultusminister Michael Piazolo (rechts) nach seiner Ankunft in Amberg ins Rathaus zum Gespräch mit Lokalpolitikern, die offen ihre Meinung sagten.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Kultusminister Michael Piazolo (FW) machte auf seinem Besuch in der Oberpfalz Halt in Amberg. Bei einem Abstecher ins Rathaus trug er sich am Freitag ins Goldene Buch der Stadt ein. Während die Amberger draußen auf dem Bauernmarkt bei bestem Wetter einkauften, ging es drinnen im Rathaussaal nicht nur sonnig zu. Oberbürgermeister Michael Cerny und einige Lokalpolitiker trugen dem Besucher aus München ihre Anliegen vor. Etwa zu den nach Oberbayern versetzten Lehrern. So kritisierte Cerny: „Muss ich wirklich heiraten und zwei Kinder bekommen, um wieder in die Heimat zu dürfen?“ Michael Piazolo verteidigte dieses System. „Im Flächenland Bayern müssen wir schauen, dass Versorgungsgerechtigkeit herrscht“, sagte er. „Das ist eine Herausforderung.“ Doch die, wie Piazolo zugab, häufig als „Schwangerschaftsprogramm“ bezeichnete Herangehensweise sei bewährt. „Ich glaube, das ist gut eingerichtet.“ Zudem würden im ländlichen Bereich Grund- und Mittelschulen erhalten – getreu dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ . „Das kostet zwar Ressourcen, ist es uns aber wert.“

Während Michael Piazolo lobte, welchen Schub die Digitalisierung durch Corona bekommen habe, und wie viel Geld dafür zur Verfügung gestellt wurde, äußerte Michael Cerny die Sorge, dass das „Pflänzchen Digitalisierung“ schnell wieder verkümmern könnte. „Für Kommunen ist es nicht mehr möglich, einen haushaltsfähigen Plan aufzustellen und die Schulen so auszustatten, wie es nötig ist“, sagte der Oberbürgermeister. Die Kommunen hätten Probleme, die Kosten zu stemmen. Cerny verwies dabei auch auf den Preisanstieg im Bausektor. „Dabei sollten ärmere Kommunen genauso gute Schulen wie reichere Kommunen haben.“ Von den Fördergeldern würde am Ende viel zu wenig ankommen. „Und um diesen Förderantrag ausfüllen zu können, brauchen wir sogar erst eine Schulung.“ Da widersprach Michael Piazolo vehement: „Das ist keine Schulung, sondern eine Beratung. Wir können das Angebot auch wieder zurückziehen.“

Entgegen der Kritik der Lokalpolitiker, dass „Tausende Einzelkonzepte“ an den Schulen erstellt werden müssten, verteidigte der Kultusminister das Vorgehen: „Lösungen können nicht zentral vorgegeben werden. Vor Ort, wo Schulleitung und Politik eng verknüpft sind, dort funktioniert es am besten.“ Einig waren sich alle, dass jeder Schüler künftig ein eigenes digitales Gerät, zum Beispiel ein Tablet, benötige. Offen blieb, wer letztlich für die Umsetzung – auch finanziell – verantwortlich ist.

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