20.05.2021 - 16:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Klinikum St. Marien am Ende der dritten Corona-Welle

Das Amberger Klinikum läuft wieder im Normalmodus. Nach langen Wochen der zweiten und dritten Corona-Welle geht die Zahl der Covid-Patienten zurück. Doch überwunden ist die Pandemie noch nicht.

Das Klinikum St. Marien in Amberg scheint die dritte Corona-Welle, die längste und höchste bisher, überwunden zu haben. Nur noch acht Patienten müssen wegen Covid behandelt werden, fünf davon werden beatmet.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wie Klinikumsvorstand Manfred Wendl am Mittwoch in der Sitzung des Verwaltungsrats bekannt gab, läuft der Betrieb im Klinikum St. Marien seit vergangener Woche wieder weitgehend normal. Konkret bedeute dies, dass wieder alle Operationssäle genutzt werden können, weil sie nicht mehr teilweise für die Versorgung von Covid-Patienten gebraucht werden. Unter anderem war in diesem Bereich das Personal wegen der Ansteckungsgefahr streng getrennt, es konnte nicht gleichzeitig in den OP-Sälen und im Covid-Bereich eingesetzt werden. Derzeit befinden sich laut Wendl noch acht an Corona erkrankte Menschen im Klinikum, fünf von ihnen müssen beatmet werden.

Dritte Welle war die schlimmste

Wie Wendl weiter ausführte kam es nach dem relativ schnellen Abebben der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 zu einer längeren Ruhepause, bevor im Oktober die zweite Welle über das Klinikum schwappte. "Zum Jahreswechsel gingen dann die Zahlen wieder nach unten." Doch bereits im Februar sei bedingt durch die Britische Mutante die dritte Welle gekommen. "Da waren die Mitarbeiter schon erschöpft", schilderte Ärztlicher Direktor Harald Hollnberger die enorme Belastung, welche die Mitarbeiter des Klinikums zu schultern hatten. Von daher war es ihm sehr wichtig, diesen Menschen zu danken für den Einsatz, den sie in dieser schweren Zeit geleistet haben. Denn die nun folgende dritte Welle sei auch noch höher und breiter gewesen, sagte Manfred Wendl. Sie dauerte deutlich länger als die beiden vorhergehenden und es waren mehr Patienten zu betreuen. "Die dritte Welle brachte außerdem mehr jüngere Menschen ins Klinikum."

Im Augenblick entspannt sich nach Aussage von Manfred Wendl die Situation, doch überwunden sei Corona noch nicht. "Wir hoffen, dass nicht weitere Mutationen eine vierte Welle verursachen", so Wendl. Covid werde das Klinikum aber auf jeden Fall noch das restliche Jahr 2021 beschäftigen, da ist sich der Klinikumsvorstand sicher. Das gelte übrigens auch in finanzieller Hinsicht. Denn die meisten Krankenhäuser werden seiner Ansicht nach mit einem Verlust aus der Corona-Krise gehen. Trotz aller Hilfs- und Ausgleichszahlungen der Bundesregierung werden nach Einschätzung von Manfred Wendl am Ende rote Zahlen stehen – die vom Träger des Klinikums, der Stadt Amberg, aufgefangen werden müssen.

Christoph Birner jetzt außerordentlicher Professor

Erfreuliches hatte Manfred Wendl vom eigenen Personal zu vermelden. So wurde der Chefarzt der Inneren I, Dr. Christoph M. Birner, zum außerplanmäßigen Professor der Uni Regensburg ernannt. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Birner wissenschaftlich und klinisch mit der Herzpumpenschwäche und komplexen Herzkathedereingriffen. Privatdozent mit Lehrbefugnis der Universität Regensburg ist künftig der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Leiter des zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrums, Dr. Thomas Papathemelis. In der Klinik für Änästhesiologie und Operative Intensivmedizin tritt Dr. Christoph Plank die Nachfolge des scheidenden Oberarztes Dr. Dirk Seggelke an, der in Ruhestand geht.

Auch Dr. Hans Friedl, der Leitende Oberarzt der Inneren Medizin I, geht nach 36 Jahren am Klinikum in den Ruhestand. Ihm folgt Dr. Verena Fabiunke-Dörr. Neu etabliert am Klinikum wurde die Sektion für Hämatologie/Onkologie und Paliativmedizin innerhalb der Inneren II. Die Leitung dieser Sektion übernimmt Oberarzt Dr. Jochen Pfirzinger. Schwerpunkte dieser neuen Sektion sind laut Klinikum die Diagnostik, die Therapie und die Nachsorge bösartiger Tumorerkrankungen sowie der Erkrankungen des Blutes.

Parkplatz wird ambulantes OP-Zentrum

Den Parkplatz für die Beschäftigten des Klinikums an der Marienstraße gibt es nicht mehr. Anfang Mai rückten hier die Bagger an und beseitigten den Asphalt. Nachdem sich viele Bürger gefragt hatten, warum das geschehen ist, gab es jetzt die Aufklärung. Grund dafür ist der Bau eines zweigeschossigen ambulanten Operationszentrums mit zwei OP-Sälen im Erdgeschoss und Büroräumen des Klinikums im Obergeschoss. Die eigentliche Errichtung des Baus soll Anfang August in Modulbauweise erfolgen. Die Fertigstellung kündigte Klinikumsvorstand Manfred Wendl am Mittwoch für Ende des Jahres 2021 an.

Den Beschäftigten-Parkplatz des Klinikums an der Marienstraße gibt es nicht mehr. Hier entsteht ein ambulantes Operationszentrum.
Personalien aus dem Klinikum (von links): Dr. Christoph Plank ist neuer Leitender Oberarzt in der Anästhesiologie, der Chefarzt der Inneren I, Dr. Christoph M. Birner, ist jetzt außerplanmäßiger Professor der Uni Regensburg, Medizinischer Direktor Dr. Harald Hollnberger, Dr. Jochen Pfirstinger ist jetzt Sektionsleiter in der Inneren II und Dr. Thomas Papathemelis, der Chefarzt der Frauenklinik, darf als Privatdozent der Uni Regensburg künftig dort lehren. Rechts im Bild Klinikumsvorstand Manfred Wendl.
Kommentar:

Corona-Regeln jetzt nicht vergessen

Die Anzahl der Corona-Patienten im Klinikum geht deutlich zurück, die Inzidenz-Zahlen sinken auf Werte, die wir zuletzt im vergangenen Sommer erlebt haben. Die dritte Welle scheint gebrochen, mit einer steigenden Impfquote im Rücken ist die Pandemie vermeintlich besiegt. Die Menschen wollen jetzt wieder leben, sie wollen raus aus der Isolation, rein in die Biergärten, Läden oder einfach zu lieben Menschen, die sie lange nicht sehen durften. Viele denken jetzt darüber nach, einfach mal wieder zu verreisen, Corona für eine Weile hinter sich zu lassen.

Das sollen sie, niemand kann es ihnen verwehren. Aber Achtung: Corona lauert noch. Das Virus gibt nicht so leicht auf. Neue Varianten aus Indien oder Südamerika könnten schnell eine vierte, noch gefährlichere Corona-Welle erzeugen. Wir sollten daher die Regeln, die wir während der Pandemie gelernt haben, nicht vergessen: Maske, Abstand, Desinfizieren.

Andreas Ascherl

Im März wurden im Klinikum die Intensivbetten knapp

Amberg

 

 

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