17.06.2021 - 17:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Klinikum St. Marien Amberg braucht dringend neues Geld

Seit Jahren Defizite, wegen Corona weitere finanzielle Dellen: Die kommunalen Krankenhäuser brauchen dringend finanzielle Unterstützung. Der Deutsche Städtetag kämpft nun vehement dafür – auch Michael Cerny schiebt kräftig mit an.

Das Klinikum St. Marien mit knapp 600 Betten und mehr als 2000 Mitarbeitern ist wie viele Häuser in Deutschland auf finanzielle Hilfe angewiesen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Der Deutsche Städtetag schlägt Alarm. Die kommunalen Krankenhäuser haben seit Jahren ohnehin finanziell schwer zu kämpfen. Corona habe dabei nur noch wie ein Brandbeschleuniger gewirkt, hieß es bei einer Pressekonferenz. Oberbürgermeister mehrerer Städte wie Leipzig, Saarbrücken und Braunschweig machten eindringlich deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Auch Michael Cerny peitscht das Thema voran.

„Die zunehmende Verlagerung der Kosten im Gesundheitswesen auf die Kommunen nimmt uns Städten die finanziellen Spielräume zur Umsetzung wichtiger Aufgaben wie beispielsweise im Bildungsbereich oder bei der Verkehrswende. Wir brauchen daher schnelle Hilfen zum Ausgleich und mittelfristig ein Umsteuern in der Gesundheitspolitik", erklärte der Amberger Oberbürgermeister, der zugleich Verwaltungsratsvorsitzender des Klinikums St. Marien Amberg ist, bei einem Zoom-Meeting am Donnerstagvormittag. Er sagte klipp und klar: "Unsere Kassen sind leer, die Schuldenaufnahme ausgereizt, außerdem stehen große Investitionen wie die Erneuerung der OPs an." Deshalb sei es zwingend notwendig, dass neues Geld zur Verfügung gestellt werde.

Seit Jahren Millionenverluste

Die Zahlen geben Cerny dabei recht und sprechen eine klare Sprache. Im Jahr 2019 haben rund 40 Prozent der öffentlich-rechtlichen Häuser ihre Haushalte mit Verlusten abgeschlossen. Für 2020 dürften es schon knapp 80 Prozent der Häuser sein, wie aus einer Pressemitteilung des Deutschen Städtetags hervorgeht.

Beim Klinikum St. Marien in Amberg sieht es, ganz konkret betrachtet, auch nicht gut aus. Trotz steigender Patientenzahlen in den vergangenen Jahren hat sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert. „Allein im Jahr 2019 belief sich das Jahresdefizit auf 3,3 Millionen Euro. In den Vorjahren sind Verluste in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro aufgelaufen“, so Klinikumsvorstand Manfred Wendl. „Der Jahresabschluss für das Jahr 2020 ist noch nicht festgestellt, wir erwarten aber auch für 2020 ein Defizit.“ Diese jährlichen Defizite sorgten sogar im September im Stadtrat für Diskussionen. Dieter Mußemann von der CSU wollte die Verluste nicht mehr kommentarlos hinnehmen und forderte vom Vorstand konkrete Vorschläge für Einsparungen. Alleine das zeigt, dass sowohl die Stadt als auch das Klinikum immer mehr unter Handlungsdruck geraten.

Erweiterungen stehen an

Die Stadt Amberg unterstützt das Klinikum St. Marien Amberg mit erheblichen finanziellen Mitteln. Ende 2020 wurde ein Defizitausgleich in Höhe von 9,5 Millionen Euro an das Klinikum St. Marien Amberg geleistet. Doch nicht nur der laufende Betrieb fordert die Stadt Amberg. „Bei den notwendigen Investitionen sind erhebliche Eigenanteile zu leisten. Die Bau- und Investitionskosten werden nicht vollständig durch die Förderung abgedeckt. In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt Amberg fünf Millionen Euro für den Bauabschnitt 4 als Investitionskostenzuschuss aufgebracht“, erklärt Wendl. Für die bevorstehende Erweiterung und Strukturverbesserung des Zentral-OPs kommen auf die Stadt Amberg in den nächsten zehn Jahren weitere zehn Millionen Euro zur Abdeckung nicht geförderter Investitionskosten zu.

Defizit des Klinikums St. Marien führt zu Diskussionen

Amberg
Info:

Die Forderungen des Deutschen Städtetags

  • Der Bund muss Rahmenbedingungen schaffen, damit die Betriebskosten auskömmlich finanziert werden können
  • Der Bund muss Rahmenbedingungen schaffen, damit Tarifsteigerungen aller Berufsgruppen im Krankenhaus vollständig refinanziert werden
  • Der Bund muss Rahmenbedingungen schaffen, damit strukturell unterfinanzierte Leistungsbereiche wie etwa Geburts- und Kinderkliniken finanziell klarkommen
  • Der Bund muss Rahmenbedingungen schaffen, damit Infrastruktur für Notfallbehandlungen und medizinische Versorgung vorgehalten werden kann und grundfinanziert wird
  • Die Länder müssen die milliardenschwere Lücke bei der Förderung von Investitionen schließen
  • Der Investitionsstau der vergangenen zehn Jahre von mindestens 30 Milliarden Euro muss von den Ländern zügig aufgelöst werden

Die zunehmende Verlagerung der Kosten im Gesundheitswesen auf die Kommunen nimmt uns Städten die finanziellen Spielräume zur Umsetzung wichtiger Aufgaben wie beispielsweise im Bildungsbereich oder bei der Verkehrswende.

Oberbürgermeister Michael Cerny

Kommentar:

Es ist Zeit für Moneten statt für Applaus

Es ist nun eineinviertel Jahre her, da stellten sich zahlreiche Menschen auf die Balkone und ans offene Fenster. Sie applaudierten und jubelten. Für das Pflegepersonal, für die Ärzte, die damals mit Mundschutz und Schutzanzügen in den Kampf gegen das Coronavirus zogen. Nun hat das nicht nur viel Kraft und Energie gekostet, sondern viele Kliniken und Krankenhäuser in eine noch verzwicktere wirtschaftliche Lage gebracht, als das ohnehin schon vor der Pandemie der Fall war. Die Forderungen des Deutschen Städtetags nach finanziellen Hilfen sind mehr als verständlich. Bund und Länder müssen Gelder locker machen.

Das ist unbedingt notwendig, um den Luxus der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland aufrechtzuerhalten. Für Amberg führte Oberbürgermeister Michael Cerny ein konkretes Beispiel an. Ein Verkehrsunfall, bei dem eine hochschwangere Frau verletzt wird. Im Klinikum St. Marien sei sowohl die Frühchenversorgung sichergestellt, als auch ein Chirurg vor Ort. Das Klinikum als „Maximalversorger“, wie Cerny das nennt. Um das auch in Zukunft zu gewährleisten, braucht es Finanzspritzen von Bund und Ländern. Klar ist doch, dass bei dauerhaften Defiziten irgendwo eingespart werden muss – ob das nun beim Personal oder der Ausstattung ist.

Hinzu kommt, dass der Staat mit den Millionen und Milliarden seit über einem Jahr nur so um sich geworfen hat. Sicher, um die Wirtschaft am laufen zu halten, Arbeitsplätze zu sichern und Selbstständige sowie Firmen zu retten. Doch wo, wenn nicht in den Kliniken und Krankenhäusern ist das Geld jetzt sinnvoller angelegt, wenn doch seit Monaten die Pfleger und Ärzte als ach so systemrelevant dargestellt werden und unser Gesundheitssystem wacker drei Coronawellen trotzte. Nur weil es sich so robust zeigte, ist eine Triage vermieden worden. Zum Glück für alle Beteiligten. Jetzt ist die Zeit gekommen, das zu entlohnen: mit Moneten statt Applaus.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.