06.03.2020 - 10:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Kinder statt Lkw-Sitze im ehemaligen Grammer-Gebäude

Kaum hat die Firma Grammer der Stadt Amberg den Rücken gekehrt, ist die ehemalige Zentrale am Kaiser-Wilhelm-Ring schon wieder komplett vermietet. Und das Beste: Im Erdgeschoss zieht eine Kindertagesstätte ein.

Dort, wo bisher die Grammer-Mitarbeiter gegessen haben und die Lkw-Sitze des Unternehmens im Showroom zu sehen waren, werden ab 1. Juli Kinder spielen. Im Bild (von links): Vom künftigen Träger Caritas-Geschäftsführer Günther Koller, Kindergartenleiterin Brigitte Netta, Jugendamtsleiter Thomas Boos und Oberbürgermeister Michael Cerny.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Oberbürgermeister Michael Cerny hatte es im Jahresgespräch mit der Amberger Zeitung schon angedeutet. Der ehemalige Show-Room und die Kantine, die vorher von Grammer genutzt wurden, sollen noch in diesem Jahr zur Kindertagesstätte werden. Der Bedarf sei da, mit der Caritas ein Träger gefunden, damit stehe einem Start am 1. Juli nur noch der Bedarf an Fachpersonal im Wege, präzisierte er jetzt das Vorhaben.

Die Einrichtung wird zwar offiziell erst einmal interimsmäßig, also vorübergehend, hier einziehen, doch rechnen Stadt und Träger tatsächlich mit einer längeren Nutzungsdauer als Kindergarten. Heißen soll die Einrichtung DigiMINT-Kids, sie wird unter der Leitung von Brigitte Netta stehen, die bereits für die Kindertageseinrichtungen SieKids und die dem neuen Kindergarten benachbarten CampusKids verantwortlich ist. "Der Bedarf an Kindergartenplätzen ist einfach stark gestiegen", begründete Michael Cerny bei einem Pressetermin den Umstand, dass die neue Einrichtung, in der Kinder zwischen zwei und sechs Jahren unterkommen sollen, in vorher gewerblich genutzten Räumen untergebracht wird.

Bericht über das Jahresgespräch mit dem OB zum Thema

Amberg

Thomas Boss, der Leiter des städtischen Jugendamts, bestätigte, dass es - nicht zuletzt wegen der gestiegenen Wahlfreiheit, ob Eltern ihr Kind einschulen oder noch nicht - einen erhöhten Bedarf gibt. Den versucht man zunächst über ein Mehr an neuen Kindergärten zu decken. Beispielsweise in Eglsee, in der Kennedystraße oder am Bergsteig. Darüber hinaus sollen in Zwischennutzung auch andere Räumlichkeiten belegt werden, bis bauliche Alternativen geschaffen werden können. So wird es außer der neuen Einrichtung in den ehemaligen Grammer-Räumen auch eine zusätzliche Nutzung des alten Erlöser-Kindergartens geben.

"Wir haben rund um das Amberger Ei einen großen Bedarf", bestätigte die künftige Kindergarten-Leiterin Brigitte Netta diese Aussagen. Hier wohnen und arbeiten Menschen, die ihre Kinder gern gut versorgt wissen. "Wir haben auch aus dem Haus bereits einige Anfragen nach Plätzen." Was der Einrichtung fehlen wird, ist ein Garten mit Spielgeräten. Für die Pädagogin ist das allerdings kein Problem. "Wir haben die Altstadt und wir haben den Stadtgraben mit tollen Möglichkeiten für die Kinder."

Die Versorgung mit Essen wird die Mensa der benachbarten OTH übernehmen, überhaupt streben die DigiMINT-Kids eine enge Kooperation mit der Hochschule an. Und wahrscheinlich wird diese auch räumlich sehr nah werden. Denn die OTH breitet sich im Zuge der neuen bayerischen Digitaloffensive ebenfalls in das Erdgeschoss des ehemaligen Grammergebäudes aus, wie der OB erzählte. Für Caritas-Geschäftsführer Günter Koller, dessen Organisation die Trägerschaft übernehmen wird, ist vor allem die räumliche Nähe der CampusKids-Kinderkrippe zur neuen Einrichtung ideal. Damit hätten die Eltern eine gewisse Planungssicherheit für ihr Kind nach dem Krippen-Alter. Einzige Sorge von Günter Koller und Brigitte Netta ist es im Augenblick noch, auch das passende Fachpersonal zu finden. Das ist bekanntlich inzwischen sehr knapp geworden.

Start zum 1. Juli

Bauliche Alternativen schaffen

Starten soll die neue Kindertagesstätte zum 1. Juli dieses Jahres. Bis dahin sollte auch der Hauseigentümer, die städtische Gewerbebau, alle erforderlichen Umbauarbeiten vollendet haben. Eine Anmeldung erfolgt ausschließlich über das Online-Verfahren "Kitaplatz-Bedarfsanmeldung" bei der Stadt Amberg (www.amberg.de).

Als Kriterien für einen Platz gelten der Wohnort Amberg, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die soziale Situation sowie das Alter der Kinder. Wobei in diesem Fall Vorschulkinder den Vorzug erhalten werden, wie Jugendamtsleiter Thomas Boss bei dem Treffen sagte.

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