28.04.2021 - 11:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Kein Schuss mehr bei 1890 Amberg seit einem halben Jahr

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Leere in der neuen Schießhalle der SG Amberg 1890 und Frust bei den Vorstandsmitgliedern und Schützen. Corona hat den Schießsportbetrieb zum Erliegen gebracht. Wie soll es nun weitergehen? – das fragt sich der Verein.

Leere in der neuen Schießhalle der SG Amberg 1890 und Frust bei den drei Vorstandsmitgliedern (von links) Norbert Schmidt, Leonhard Sassin und Rudolf Pittroff.
von Gerd SpiesProfil

Der Schießsport hat in Bayern eine lange Tradition. Rund eine halbe Million Mitglieder zählt der Bayerische Sportschützenbund mit seinen 110 Gauen und rund 4500 Vereinen. Kaum eine Gemeinde landauf landab, die nicht einen Schützenverein hat. Oft zählt ein Schützenverein fast genau soviel Mitglieder wie das Dorf Einwohner. Im Gau Amberg gibt es 30 Vereine mit zusammen fast 4000 Mitgliedern, allein in der Stadt Amberg sieben, einer davon ist die SG Amberg 1890.

Etwas versteckt hinter der Regensburger Straße auf dem Areal der ehemaligen Jordan-Brauerei steht das schmucke Vereinsheim dieses Amberger Schützenvereins. Er ist der drittälteste Schützenverein in Amberg. Seit Jahrzehnten treffen sich hier jeden Mittwochabend die Hobby-Schützen, nicht nur des Schießsports wegen, sondern auch wegen der Geselligkeit. Doch seit Oktober 2020, seit Corona mit der zweiten Welle wieder zugeschlagen hat, ist das nicht mehr so. Das Vereinsheim hat geschlossen.

"Besonders die Älteren trifft es"

„Besonders die Älteren im Verein trifft es hart. Für viele von ihnen fehlt jetzt der soziale Kontakt“, sagt Norbert Schmidt, der Vorsitzende der SG Amberg 1890. Schon sein Großvater war Mitglied in diesem Schützenverein. Seit 58 Jahren ist der 70-Jährige dabei, seit 28 Jahren auch der Vorsitzende, leitet zusammen mit dem Kassier Rudolf Pittroff und dem Jugendleiter Leopold Sassin die Geschicke des mit 80 Mitgliedern recht überschaubaren Vereins. „Wir sind ein gut funktionierender Dorfverein in der Stadt“, beschreibt der Kassier den Zusammenhalt der Mitglieder in seinem Club.

Vergangenes Jahr wollte man groß feiern, das 130-jährige Bestehen stand an. Doch Corona kam dazwischen. Aber nicht nur das Jubiläum, alle Veranstaltungen, die schon seit Jahrzehnten zur Tradition des Vereins zählen, fielen ins Wasser. „Osterschießen, Weihnachtsschießen, Bockbierfest, Königsschießen bis hin zu Pokalschießen und den Vereinsmeisterschaften, alle abgesagt“, zählt der Vorsitzende auf. Seit dem vergangenen Jahr fiel kein einziger Schuss mehr aus einem Luftgewehr oder einer Sportpistole in Richtung der zehn Scheiben in der Schießhalle.

Dabei hatte der Verein ein umfangreiches Hygiene-Konzept entwickelt. Desinfizierung der Waffen vor und nach dem Schießen, Reinigung der Monitore und Tastaturen, Training nur an drei der zehn Schießstände, keine Bewirtschaftung im Sportheim, regelmäßige Lüftung, um nur die wichtigsten Maßnahmen zu nennen. Doch der Trainingsbetrieb musste wie überall am 28. Oktober eingestellt werden, gerade mal drei Monate nach dem Wiederstart im Juli vergangenen Jahres.

Einnahmen fehlen

„Normalerweise finanzieren wir mit den Einnahmen aus den Veranstaltungen unsere laufenden Betriebskosten“, erklärt Rudolf Pittroff die derzeitige finanzielle Situation. „Wir leben vom Gewinn des Sportheims mit seiner Eigenbewirtschaftung. Und dieser ist jetzt durch Corona auf Null heruntergefahren“, ergänzt Norbert Schmidt. Zwar braucht der Verein gegenüber dem Nachfolger der Jordan-Bräu als Eigentümer der Immobile, der Rhaner-Brauerei aus Cham, keine Mietgebühr zu zahlen, muss aber mit dem Erlös aus dem Getränkeverkauf alle laufenden Kosten selbst abdecken. Und der fehlt jetzt.

Vor einigen Jahren investierte der Verein viel Geld und Eigenleistung in das heutige Prunkstück des Vereinsheims, die neue Schießanlage. Rund 30 000 Euro waren es, die die elektronische Anlage kostete. An zehn Schießplätzen kann jetzt gleichzeitig geschossen werden. Per Monitor wird die Schießleistung ausgewertet. Die Investition lohnte sich bezüglich der Mitgliederzahl, die anstieg. „Allein im vergangenen Jahr hatten wir einen Zuwachs von zwölf neuen Mitgliedern“, zählt Schmidt auf. Jetzt ist aber die Angst groß, die meisten von ihnen wegen der Schließung wieder zu verlieren. „Die zwei jugendlichen Neumitglieder haben bisher noch keinen Schuss abgegeben“, sagt Jugendleiter Leopold Sassin. Über Mitgliederschwund seit Corona klagen alle Schützenvereine, weiß der Jugendleiter. „Über 1000 Mitglieder haben die Oberpfälzer Schützenvereine wegen Corona bereits verloren“, erklärt Sassin.

„Ohne unseren Sport ausüben zu können, werden wir die Jugendlichen nicht bei der Stange halten können.“

Leonhard Sassin, Jugendleiter bei der SG Amberg 1890

Die Jugendarbeit unter der Regie von Sassin ist das Aushängeschild der SG Amberg 1890. 13 der insgesamt 80 Mitglieder sind noch unter 18 Jahren. Von seinen Schützlingen ragt derzeit der 16-jährige Meison Chuan heraus. 2019 bei der Deutschen Meisterschaft belegte er von 196 Schützen den 6. Platz. Besonders der Jugendleiter bangt um seine jungen Schützen. „Ohne unseren Sport ausüben zu können, werden wir die Jugendlichen nicht bei der Stange halten können“, sieht Leonhard Sassin die Zukunft düster. Diese Befürchtung teilt er im Augenblick mit vielen Jugendtrainern auch der anderen Sportarten.

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