14.04.2021 - 15:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Kartierung wertvoller Lebensräume in der Stadt Amberg

Von artenreichen Feuchtwiesen an der Vils bis zu den Kalkmagerrasen am Erzberg - Die Stadt Amberg bietet viele Naturoasen. Ab April diesen Jahres werden alle wertvollen Lebensräume erfasst und die Biotopkartierung der Stadt aktualisiert.

Die artenreichen Kalkmagerrasen im Ammerbachtal sind bei der Biotopkartierung eine Besonderheit.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Ein knapp zwölf Zentimeter dicken Dokumentenstapel über Pflanzen- und Tierarten und ein Gelände-Tablet. Mit diesen Utensilien bewaffnet werden in den nächsten Monaten immer wieder drei junge Frauen in und um Amberg zu beobachten sein. Ihre Aufgabe: Die Aktualisierung der Biotopkartierung der Stadt Amberg. Sie nehmen dabei die Alleen, Wiesen, Parks, Wälder und Grünanlagen in und um Amberg genau unter die Lupe.

Marlene Ebertshäuser, Lisa Ahl und Antonia Beyer, vom Büro für ökologische Studien Schlumprecht GmbH in Bayreuth, wurden speziell für diese Erfassung und Beschreibung von wertvollen Flächen und Pflanzenarten ausgebildet. Im Auftrag der Stadt Amberg und unter der Leitung des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) sollen die drei Frauen ab April bis in den Sommer 2022 alle Biotope und bedeutsamen Lebensräume der Stadt erheben.

Viele Naturoasen

Und davon gibt es viele. „Amberg hat einen deutlich überdurchschnittlichen Biotopanteil“, erklärt Gunhild Kastner-Mackes vom LfU bei einer Online-Info-Veranstaltung am Dienstag. Große Bereiche der Stadt gehören zum Naturpark Hirschwald und auch die Vils bietet wertvollen Lebensraum. Eine Besonderheit sind die artenreichen Kalkmagerrasen im Ammerbachtal und die strukturreichen Wälder am Mariahilf- und Erzberg. „Eine Kartierung im Wald ist immer etwas besonders,“ sagt Kastner-Meckes. Darauf freue sich das Team besonders. Wälder über 5000 Quadratmeter werden allerdings nur dann kartiert, wenn sie Eigentum der Stadt Amberg seien. Auch über die Bechsteinfledermaus, den Lindenprachtkäfer und die Weiße Küchenschelle, die im Stadtgebiet Amberg Lebensraum finden, freut sich die Mitarbeiterin des LfU. Diese Tiere und Pflanzen gehören zu den bayernweit bedeutsamen Arten. Im Zusammenhang mit dem Volksbegehren zur Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ im Jahr 2019, werden bei der Neukartierung in Amberg diesmal auch Flachland-Mähwiesen kartiert. Diese naturnahen Lebensräume werden alle direkt im Gelände erfasst und anschließend in eine Luftbild-Karte von der Stadt Amberg übertragen.

„Die Biotopskartierung liefert der Stadt, den Naturschutzbehörden, Planungsbüros, Naturschutzverbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen wichtige Informationen für ihre tägliche Arbeit“, erklärt Leiter der Abteilung Naturschutz am LfU. Die Karte helfe zudem bei der Planung und Beurteilung von Bauvorhaben oder bei Maßnahmen zum Schutz der Natur. Laut Oberbürgermeister Michael Cerny helfe die Biotopkartierung aber nicht nur den Behörden: „Biotope prägen die einzigartige Stadt- und Kulturlandschaft und tragen nicht nur zur Attraktivität der Stadt für Touristen bei, sondern auch zur hohen Lebensqualität der Bürger.“

Wertvolles Naturerbe

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass die Biotopkartierung Biotope ausweisen würde. „Geschützt ist eine Grünfläche durch unsere Arbeit rechtlich nicht,“ widerspricht Kastner-Meckes. Die Biotopkartierung habe weder das Ziel noch die Möglichkeiten, Flächen unter Schutz zu stellen oder Grundstückseigentümern bestimmte Bewirtschaftungsweisen vorzuschreiben. Es handelte sich lediglich um eine Bestandsaufnahme aller Flächen, die für die Artenvielfalt in der Stadt besonders wichtig sind. „Diese Artenvielfalt und die Biotope sind ein Naturerbe“, sagt Kastner-Meckes. „Wir haben die Verantwortung dieses zu erhalten.“

Vor über 30 Jahren wurden die Biotope im Stadtgebiet erstmals erhoben. In der Erstkartierung wurden 234 Biotope mit einer Fläche von rund 340 Hektar ermittelt. Das entspricht einem Biotopanteil von knapp sieben Prozent der Stadtfläche. Zehn Jahre später erfolgte eine zweite Kartierung. Mit der Aktualisierung der Biotopkartierung wird die Karte der Amberger Biotopflächen nun auf den neuesten Stand gebracht. „Amberg liegt momentan bei der Biotopkartierung bayernweit im Mittelfeld. Mit der Aktualisierung aber bald ganz vorne,“ sagt Kastner-Mackes. Die Ergebnisse der Kartierung liegen voraussichtlich im Sommer 2023 vor. Auf der Grundlage einer aktualisierten Biotopkartierung können Landwirte für die naturnahe Bewirtschaftung über den Vertragsnaturschutz eine Vergütung erhalten. Sämtliche Grundstückseigentümer, auf deren Grundstück ein Biotop neu erfasst wurde, werden nach Abschluss der Kartierungen schriftlich informiert.

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Hintergrund:

Grundlage der Biotopkartierung

Gemäß Art. 46 des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) ist das LfU für die landesweite Durchführung der Biotopkartierung zuständig. Die Biotopkartierung erfasst und beschreibt nach einem bayernweit einheitlichen Schema wertvolle Lebensräume. Die gesetzlich geschützten Biotoptypen werden nach § 30 und § 39 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) oder Art. 16 und 23 BayNatSchG bestimmt. Wiederholungskartierungen bringen diese Daten auf den neuesten Stand. Die Erhebung der naturnahen Lebensräume leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten. Rund vier Prozent der Landesfläche Bayerns außerhalb der Alpen sind seit Beginn der Biotopkartierung als ökologisch wertvolle Lebensräume erfasst und beschrieben worden.

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