01.07.2020 - 11:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Jung, fit, an Covid-19 erkrankt: "Duschen war wie ein Marathon"

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Eine 31-Jährige aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach erkrankt an Covid-19. Über Wochen hinweg hat sie Probleme mit dem Atmen. Sie und ihr Mann müssen dreieinhalb Wochen in Quarantäne. Mit Oberpfalz-Medien spricht sie über die schwere Zeit.

Ein Test brachte Gewissheit, was eine 31-jährige Amberg-Sulzbacherin ohnehin schon ahnte: Sie hatte sich vor einigen Wochen mit dem Coronavirus infiziert.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Laura N. (Name geändert) erfüllt eigentlich alle Voraussetzungen, um von einer schweren Covid-19-Erkrankung verschont zu bleiben. Sie ist jung, erst 31 Jahre, sportlich und gesund. Vorerkrankungen hat sie keine. Sie sagt von sich selbst, dass sie eine „sehr hohe Belastungsgrenze“ habe. Dennoch haben die Coronaviren ihre Lunge so stark befallen, dass sie wochenlang nicht richtig atmen kann und selbst jetzt noch Probleme hat.

Dabei liegt die Infektion schon einige Zeit zurück. Anfang April bekam Laura schwere Kopfschmerzen. Nach ein paar Tagen waren sie weg, es folgten typische Grippesymptome, auch unter den für Covid-19 typischen Geschmacks- und Geruchsverlust litt die 31-Jährige für mehrere Tage. Es wurde noch drastischer: „Irgendwann war es von der Luft her schwierig. Es war ein Gefühl, als ob dir jemand den Brustkorb abklemmt.“

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Familie und Freunde helfen

Die Krankenschwester wusste aus ihrer Arbeit, dass sie die typischen Anzeichen für eine Corona-Erkrankung hat. Deswegen begab sie sich am Karsamstag in die Notaufnahme eines Krankenhauses, um sich testen zu lassen. Auch vor dem Hintergrund, dass sie am Dienstag drauf wieder arbeiten hätte müssen. Das Ergebnis war nicht überraschend: Laura wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Irgendwann war es von der Luft her schwierig. Es war ein Gefühl, als ob dir jemand den Brustkorb abklemmt.

Laura N. (Name geändert)

Für die junge Frau aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach begann eine schwere Zeit. Laura und ihr Mann mussten in Quarantäne, die immer wieder verlängert wird. Am Ende waren es dreieinhalb Wochen, die beide ihr Zuhause nicht verlassen durften. „Das Ganze geht massiv auf die Psyche, trotz Haus und Garten. Ich möchte nicht wissen wie das ist, wenn man nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung im zweiten oder dritten Stock hat.“ Am Anfang sah die 31-Jährige die ganze Sache noch als eine Art Zwangsurlaub, eine Zeit, die man zum Entschleunigen nutzen kann. Schnell merkte Laura aber die „totale Abhängigkeit von anderen“. Wegen jeder Packung Sahne oder jeder Gurke habe sie Freunde und Familie um Hilfe beten müssen, weshalb sie anfing, Wochenpläne zu schreiben. Schließlich griffen die Viren die Lunge an. So heftig, dass die Amberg-Sulzbacherin sagt: „Duschen war wie ein Marathon.“ Beim Treppensteigen musste die junge Frau Pausen einlegen. Sie hat oft einen Puls von 120 oder 130. Selbst in Ruhephasen. „Es ist ein Gefühl, als ob man vor sich selbst davonrennt“, erzählt Laura.

Ende April schickten die Behörden einen Arzt vorbei. Laura bat den Mediziner, sie wegen ihrer Atembeschwerden mit dem Stethoskop abzuhören. Er stellte fest, dass das untere Viertel der Lunge nicht mehr belüftet war. Der Mediziner reagierte nervös, empfahl Laura, sich von einem Lungenfacharzt durchchecken zu lassen. Sogar Wochen später rief der Mediziner noch an, um sich nach dem Befinden der 31-Jährigen zu erkundigen.

Das Tagebuch eines Corona-Patienten:

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Mann dreimal negativ getestet

Mit ihrem positiven Coronatest bekam Laura keinen Termin bei einem Facharzt, weshalb sie bei einem Mediziner anrief, den sie kannte. Der wollte sämtliche Begleiterscheinungen ausschließen, die bei einer angegriffenen Lunge auftreten können: Lungenembolie, Herzmuskelentzündungen, freie Flüssigkeit im Bauchraum. Diagnostiziert wurden Lungenschäden, die bis zu einem Jahr anhalten können.

Der jungen Laura geht es mittlerweile schon deutlich besser, auch wenn sie noch immer ab und zu Probleme mit dem Atmen hat. Und der Ehemann? Er ist dreimal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Wo sich Laura infiziert hat, bleibt ungewiss. Wenn sie heute an ihre Zeit in Quarantäne denkt, ist sie vor allem dankbar. Freunde und Familie hätten sich um sie gekümmert, der Sozialdienst und das Gesundheitsamt sie unterstützt. „Ohne all diese Hilfe hätte ich manche Situation nicht so leicht meistern können.“ Außerdem hat sie höchsten Respekt vor den Leistungen des medizinischen Personals, weil Laura als Krankenschwester wisse, was es heißt, unter solchen Extremsituationen zu arbeiten.

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Kommentare

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Susy Herrmann-Wolters

Zu dem Artikel über die Erkrankung an Corona einer 31jährigen.
Dieser Artikel verbreitet Angst und Schrecken. Wem nützt eine solche einseitige Berichterstattung? Ich persönlich kenne Krankheitsverläufe von Personen aus sog. Risikogruppen, die trotz Lungenentzündung gut verlaufen sind. Berichten Sie doch auch bitte darüber. Das macht Mut! Und den brauchen wir zur Zeit mehr, als Panik.

02.07.2020