17.10.2019 - 18:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Jäger appelliert an Hundebesitzer: Besser mit Leine

Er ist kein Jäger, der auf wildernde Hunde schießt. Eckhard Heindl versucht es mit Appellen. Und mit drastischen Handy-Bildern aus seinem Revier. Die zeigen, was wildernde Hunde anrichten können.

Kein schöner Anblick. Aber Jäger Eckhard Heindl konfrontiert Hundebesitzer ganz bewusst mit diesem Bild aus seinem Revier – weil es zeigt, was ihr Vierbeiner anrichten kann, wenn er frei herumläuft.
von Heike Unger Kontakt Profil

Rehkitz schwer verletzt

Eckhard Heindls Jagdrevier ist bei Gassigehern sehr beliebt. Dagegen hat der Jäger eigentlich nichts einzuwenden. Solange die Hunde das Wild dort in Ruhe lassen. Doch Heindls Erfahrung ist eine andere: Gerade erst in der vergangenen Woche hat ein Hund dort ein Reh gerissen. Das sei hier schon der dritte Vorfall dieser Art in zwei Jahren, berichtet er.

Im aktuellen Fall habe ihn die Hundebesitzerin immerhin informiert, sagt Heindl. Bei dem Kitz, das ein Hund im Frühjahr in seinem Revier gerissen hat, hat sich dagegen niemand bei ihm gemeldet. Er hat das schwer verletzte Jungtier zufällig gefunden. Es lebte noch. Gut möglich, dass es "mehrere Stunden da gelegen" und gelitten habe, meint Heindl. Ein Foto, das er mit seinem Handy gemacht hat, lässt die Qualen des Tieres erahnen.

Kein schöner Anblick. Doch gerade deshalb zeigt Heindl das Bild ganz bewusst Hundebesitzern, denen er in seinem Jagdrevier begegnet: Viele von ihnen machten sich überhaupt keine Gedanken darüber, was ihr Vierbeiner anrichten kann, wenn sie ihn frei laufen lassen. "Der Hund kann nichts dafür", betont Heindl: "Ein Hund ist ein Hund", das Jagen liege in seiner Natur. "Aber der Besitzer ist in der Verantwortung." Dazu gehöre, dass er "jederzeit auf seinen Hund einwirken können muss", verweist der Jagdpächter auf die entsprechenden Vorschriften. Das heißt im Klartext: Der Besitzer muss seinen Hund stets im Auge behalten - und das Tier muss sofort zu ihm kommen, wenn er es zu sich ruft. Schwierig werde es, wenn man den Vierbeiner aus dem Blick verliert: "Ein Hund ist kein Wolf oder Fuchs. Der nimmt nichts mit" - sondern lasse Wild, das er angefallen habe, dann einfach liegen. Und der Besitzer bekomme davon gar nichts mit.

Eckhard Heindl wünscht sich, dass sich Hundebesitzer ihrer Verantwortung bewusst sind.

Besser an die Leine

Am besten wäre es deshalb, das Haustier anzuleinen, sagt Heindl. Unbedingt an die Leine müsse er, "wenn ich weiß, dass er nicht folgt". Dabei gehe es nicht nur darum, dass der Hund einen Hasen oder ein Reh anfällt. Schon die Unruhe, die er beim Wild verursacht, wenn er frei durch Wald und Feld läuft, sei problematisch. Insbesondere, da auch der Mensch - zum Beispiel Jogger, Spaziergänger oder Radler - schon für genug Aufregung sorge. Heindl zeigt noch einmal auf das Bild vom toten Kitz. Die Bisspuren am Hinterteil "können eigentlich nur von einem Hund sein. Wolf und Luchs schließe ich aus. Die gehen ihrer Beute an die Kehle. Und für einen Fuchs ist so ein Kitz zu groß."

Schlimm genug, wenn ein Hund ein Wildtier reißt. Wenn das aber doch einmal passiert, müsse der Besitzer auf jeden Fall den Jagdpächter verständigen, damit sich das verletzte Tier nicht auch noch quälen muss. Wer den Pächter nicht kennt, ruft die Polizei, die weiß, wen sie informieren muss. Der Jäger erschießt so ein Reh dann. Ihm entsteht dadurch ein finanzieller Schaden: "So ein Tier darf ich nicht mehr verwerten", erklärt Heindl, der erlegtes Wild sonst verkaufen kann. Im aktuellen Fall hat er Schadenersatz von der Hundehalterin bekommen.

Info:

Wenn ein Hund wildert, kann das für den Besitzer teuer werden: Das ist eine Ordnungswidrigkeit, erklärt Jagpdächter Eckhard Heindl – und die kann mit einer Geldbuße geahndet werden. Außerdem kann noch Schadenersatz dazukommen. Wenn ein Jäger einen Hund direkt beim Wildern erwischt, darf er ihn sogar erschießen. Juristisch eine schwierige Angelegenheit: Ein Waidmann ist in so einem Fall vom Amtsgericht Augsburg zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Heindl kann das „als Jäger nicht gutheißen“ – er habe schließlich selber einen Hund. „Aber ich kann den Mann verstehen.“ Er versucht es lieber mit Worten. Wenn er Hundebesitzer in seinem Revier darauf hinweise, ihre Tiere anzuleinen, zeigten viele Verständnis. „Aber es gibt auch andere.“

Aktuelles Urteil: Geldstrafe für Jäger

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