26.11.2020 - 12:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Hospizvereine: Den letzten Tagen mehr Leben geben

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„Nicht die Verlängerung des Lebens ist unser erstes Ziel, sondern die Verbesserung der Lebensqualität“, sagt die Koordinatorin des Hospizvereins Amberg und Amberg-Sulzbach. Bei der Arbeit des Vereins geht es unter anderen um Respekt.

Mit Zuwendung, Offenheit, Lebenserfahrung und Kraft ermöglichen die Begleiter den Sterbenden ein Leben bis zuletzt in vertrauter Umgebung.
von Adele SchützProfil

Hospizvereine vermitteln Unterstützung mit Achtung und Respekt für Schwerkranke und Sterbende sowie deren Angehörige. Sie begreifen das Sterben und den Tod als Teil des Lebens und wollen das auch weitergeben an Betroffene. „Nicht die Verlängerung des Lebens ist unser erstes Ziel, sondern die Verbesserung der Lebensqualität“, sagt die hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins Amberg und Amberg-Sulzbach, Angela Hering. Der Verein besteht seit 25 Jahren.

Ambulante Hospizdienste sind Ansprechpartner für palliativ-pflegerische Fragen. Sie bilden Fachkräfte aus und stellen so die psychosoziale Unterstützung von Schwerkranken und Sterbenden sicher. Sie gewinnen, schulen, koordinieren und unterstützen ehrenamtlich tätige Hospizbegleiter.

Sorgfältige Qualifizierung

Angela Hering ist für die Koordination der derzeit 40 ehrenamtlichen Hospizbegleiter in der Stadt Amberg und dem Landkreis Amberg-Sulzbach verantwortlich und bereitet sie sorgfältig auf ihre Aufgaben vor. „Die Qualifizierung zum Sterbebegleiter umfasst 100 Stunden, in denen die Kursteilnehmer intensiv auf die unterschiedlichen Aufgaben ihres ehrenamtlichen Dienstes vorbereitet werden“, berichtet sie. Der Hospizverein Amberg und Amberg-Sulzbach plant seine nächste Ausbildung im Herbst 2021. „Das hängt allerdings von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.“ Auch die anderen Hospizvereine der Region bieten regelmäßig Kurse an.

Ein Großteil der Kursteilnehmer würde die Qualifizierung „aus einem beruflichen Kontext heraus“ machen, sagt Angela Hering. Es seien aber auch Menschen darunter, die mit den Themen Sterben und Tod persönliche Erfahrungen positiver oder negativer Art gemacht hätten oder die auf der Sinnsuche ihres Lebens seien.

Die Teilnehmer entscheiden erst nach der Qualifizierung, ob sie für einen Hospizverein tätig werden wollen oder das erlernte Wissen alleine für eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod nutzen möchten.

„Werden sie für den Hospizverein zu Hause, im Pflegeheim und im Krankenhaus, unabhängig ihrer Weltanschauung und Religion, tätig, leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung von dessen Hauptaufgabe“, sagt Angela Hering. „Mit ihrer Zuwendung, Offenheit, Lebenserfahrung und Kraft den Sterbenden ein Leben bis zuletzt in vertrauter Umgebung zu ermöglichen.“ Angehörige und Freunde erfahren von den Hospizvereinen die gleiche Unterstützung wie der Sterbende.

Das Angebot eines Hospizvereins umfasst neben der Sterbebegleitung oft auch Trauerhilfe für Kinder und Erwachsene in unterschiedlichen Formen. Es gibt ebenso Impulse für Angehörige zur Neuorientierung nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Die Basis für die Hospiz- und Palliativarbeit sei eine gute Vernetzung mit ambulanten und stationären Pflegediensten, Ärzten, Seelsorgern und Beratungsstellen, sagt Angela Hering.

Tod gehört zum Leben

„Dem Tag mehr Leben geben“ ist der Leitspruch von Luise Vogel, die vor 15 Jahren die Qualifizierung zur Sterbebegleiterin beim Hospizverein Amberg-Sulzbach gemacht hat. Grundvoraussetzung sei die eigene Auseinandersetzung mit Sterben und Tod als Teil des Lebens, sagt sie. Nach dem Kurs treffe man eine individuelle Entscheidung, ob man die Kursinhalte nur für sich nutzen wolle oder zur Unterstützung von Sterbenden und Angehörigen. „Wo ich aufgewachsen bin, auf dem Land, hat der Tod früher zum Leben gehört“, erinnert sie. Aus diesem Grund sei für sie eine Konfrontation mit dem Tod nichts Neues gewesen.

Luise Vogel möchte ihre Aufgabe als Sterbebegleiterin nicht mehr missen. Der Umgang mit Sterbenden und Schwerkranken habe sie „sehr viel Wertschätzung vor diesen gelehrt“, aber auch Respekt vor dem Leben selbst. „Menschen am Ende ihres Lebens und schwerkranke Menschen zeigen einen eine andere Sicht der Dinge auf. Denn für sie werden oft Dinge des Alltags, die für einen Gesunden selbstverständlich sind, zur Quelle der Freude und Dankbarkeit“, berichtet sie.

Sterbebegleitung sei eine sehr erfüllende Aufgabe, die nicht nur im Geben bestehe, sondern auch im Nehmen. Man bekomme von den Sterbenden und Schwerkranken sehr viel zurück. Luise Vogel besuchte jahrelang einmal wöchentlich auch die Palliativstation des Klinikum St. Marien in Amberg. Aufgrund der Corona-Pandemie sei dies aktuell nicht möglich. Diesen „sehr erfüllenden“ Dienst vermisse sie sehr.

Sich selbst zurücknehmen

Eine wichtige Voraussetzung für die Ausübung dieses Ehrenamtes ist für Luise Vogel der Respekt vor dem zu Begleitenden, seinem letzten Willen und ein würdevoller Umgang damit. „Die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und aktiv zuzuhören ist ebenfalls nötig.“ Der Sterbebegleiter müsse aber auch ein „gewisses Einfühlungsvermögen und Mitgefühl“ für den Sterbenden besitzen. Aus ihrer Praxis weiß die Sterbebegleiterin, dass häufig nicht nur die Sterbenden ihre Unterstützung brauchen. Der Sterbebegleiter müsse sich „als außenstehende und damit neutrale Person“ intensiv mit den Familienangehörigen auseinandersetzen und Hilfe leisten. „Im Gegensatz zu Angehörigen kennen wir die Familiengeschichten nicht und sind frei von Emotionen.“

Die Sterbebegleiter erhalten von den Hospizvereinen Unterstützung für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel Supervisionen als Einzel- oder Gruppensitzungen. Vorsitzende Angela Hering achtet darauf, dass die Aktiven ihres Vereins ihre Grenzen nicht überschreiten.

Die Koordinatorin des Hospizvereins Amberg, Angela Hering (links) ist Ansprechpartnerin für die rund 40 aktiven qualifizierten Sterbebegleiter des Vereins, darunter Luise Vogel.

Artikelserie über das Leben im Hospiz

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