27.05.2021 - 16:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Hochwasserschutz für Amberg: Experten untersuchen den Untergrund

Das große Bohrgerät in Ambergs Altstadt weckt Interesse. Als ein Passant hört, dass es um Hochwasserschutz geht, erzählt er: Hier sprudelt es aus dem Kanal, wenn die Vils über die Ufer tritt. Das soll künftig verhindert werden.

Das seltsame Gerät weckt Interesse: Zwischen Zeughaus und ehemaligem Stadtarchiv laufen in Amberg gerade Erkundungsbohrungen für den künftigen Hochwasserschutz.
von Heike Unger Kontakt Profil

Vor einigen Tagen war das große Bohrgerät schon in der Mühlgasse vor der Pizzeria L'Osteria im Einsatz, jetzt ist es ein Stück flussabwärts gewandert und steht nun beim Zeughaus, an der Ecke des ehemaligen Stadtarchivs: Erkundungsbohrungen, die in Tiefen zwischen 10 und 25 Meter vordringen, sollen hier Informationen liefern, die die Planer des Hochwasserschutzes für Amberg brauchen. Das erklärt Andreas Ettl, Abteilungsleiter Planung und Bau beim Wasserwirtschaftsamt Weiden, bei einem Ortstermin am Donnerstag.

Die seit etwa drei Wochen laufenden Untersuchungen "schaffen Grundlagen für die weitere Planung", sagt Ettl. Es geht um ein Jahrhundertbauwerk, das Amberg künftig vor einem Jahrhunderthochwasser schützen soll. Dieses Vorhaben hat der Freistaat jetzt nach Jahren der Vorplanungen in Angriff genommen. Das Ausmaß wird deutlich, wenn man hört, um was es geht: Ein Rückhhaltebecken bei Neumühle, ein 1,4 Kilometer langer Damm im Norden der Stadt, neue Ufermauern und Schöpfwerke im Bereich der Amberger Altstadt. Dort, wo gerade gebohrt wird beziehungsweise schon wurde, also bei der L'Osteria und am Zeughaus, sollen unterirdisch zwei sogenannte Schöpfwerke entstehen, wie Ettl erläutert: Diese Anlagen sollen künftig Hochwasser ab- und in die Vils pumpen.

In der Stadt "eine Herausforderung"

Der Einbau solcher Anlagen mitten in der Stadt sei "immer mit Herausforderungen verbunden", sagt Andreas Stockinger von der Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Geotechnik. Auch in Amberg ist das so. Im Untergrund verlaufen hier unzählige Leitungen, von Kanal und Gas bis zu Strom und Telefon durch den Bereich, in dem die Schöpfwerke eingebaut werden sollen. Deshalb nötige Leitungsverlegungen sind aber nur ein Thema. Ein anderes ist der Schutz der anliegenden Gebäude in einer historischen Altstadt.

Auf deren Sicherheit achten die Beteiligten schon jetzt: Obwohl noch gar nicht gebaut, sondern nur untersucht wird, sind in einigen Häusern Erschütterungsmessgeräte installliert. Ettl und Stockinger verweisen auf das Historische Archiv in Köln: Es war 2009 im Zusammenhang mit großen Erdbauarbeiten direkt vor dem Komplex eingestürzt."Baugrundrisiko ist Bauherrenrisiko", sagt Andreas Ettl, deshalb untersuche man vorab lieber sehr gründlich, um vor Überraschungen möglichst gefeit zu sein. "Wenn man nämlich dann auf der Baustelle merkt, dass etwas nicht passt, wird's empfindlich teuer", merkt Stockingen noch an.

Ein Jahrhundertprojekt: Hochwasserschutz für Amberg

Amberg

Beim Gesamtprojekt Hochwasserschutz ist laut Etll inzwischen die Vorplanung abgeschlossen. Dabei seien auch mögliche Varianten untersucht worden. Unter anderem ging es darum, ob ein Hochwasser-Rückhaltebecken bei Neumühle gebraucht wird. Ergebnis: Ohne diesen "Puffer" bräuchte man in Amberg an der Schiffgasse eine 2,20 Meter hohe Mauer zum Schutz vor Hochwasser. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass jeweils nur Maßnahmen außerhalb Ambergs oder nur in der Stadt alleine nicht reichen werden: Nur beides zusammen würde den angestrebten Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser bieten.

Baubeginn "vielleicht 2026"

Die Fläche bei Neumühle bietet sich laut Ettl für ein Rückhaltebecken an, weil sie die Lage in der Stadt deutlich entspannen würde, am Überschwemmungsbereich der Vils in Neumühle aber flächenmäßig nicht viel ändern würde. Mit einem solchen Becken ließe sich der Hochwasser-Durchfluss in Amberg von 100 (dieser Wert wird für ein hundertjährliches Hochwasser angesetzt) auf 70 Kubikmeter pro Sekunde verringern. "70 Kubikmeter kann man in der Innenstadt beherrschen", sagt Ettl. Dann käme man in der Altstadt auch mit geringeren Mauerhöhen aus. Die könnten im Notfall noch durch mobile Elemente erhöht werden.

Bis es so weit ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. "Wir wollen im Sommer mit der Entwurfsplanung beginnen", kündigt Ettl an. Für diese werde man wohl rund zwei Jahre brauchen. Stadt, Denkmalschutz, Anlieger: Hier müssten viele Aspekte einbezogen werden, kündigt der Abteilungsleiter an – "das wird also auf jeden Fall ein interessanter Sommer". Danach käme dann das Planfeststellungsverfahren. "Das haben wir dann nicht mehr in der Hand", meint Ettl auf die Frage nach dem weiteren Zeitrahmen. Vielleicht ein bis zwei Jahre könnte die Planfeststellung dauern, "wenn's gut läuft". Danach könnten Ausführungsplanung und Ausschreibung folgen, so dass "vielleicht 2026" der eigentliche Bau beginnen könnte. Das, fügt Ettl aber noch hinzu, sei aber eher optimistisch gesehen.

10 bis 25 Meter tief gehen die Bohrungen: Die Planer wollen wissen, wie es im Untergrund aussieht, um später keine Überraschungen zu erleben.
Andreas Ettl, Abteilungsleiter Planung und Bau beim Wasserwirtschaftsamt Weiden.
Andreas Stockinger, Ingenieurgesellschaft für Bauwesen und Geotechnik, Hengersberg.

 

 

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