06.07.2021 - 16:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Hochrisikogebiet Amberg-Sulzbach: Experte warnt vor Zecken-Gefahr

Zecken beißen sich an den unmöglichsten Körperstellen fest. Im Landkreis sind sie besonders aktiv und können das FSME-Virus übertragen. Der Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey erklärt, wer sich besser impfen lassen sollte.

Fast ganz Bayern ist ein Risikogebiet für die meist von Zecken übertragene Hirnentzündung FSME. Der Landkreis Amberg-Sulzbach weist dabei sogar überdurchschnittlich viele Fälle auf.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Der Landkreis Amberg-Sulzbach zählt zu den Zecken-Hochrisikogebieten. Doch warum ist das eigentlich so und wer sollte sich eine Zeckenschutzimpfung geben lassen? Antworten darauf hat der Leiter des Amberger Gesundheitsamts, Dr. Roland Brey.

Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Letztere kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Auch im Landkreis gab es heuer bereits FSME-Fälle. Brey erklärt: "Das RKI sammelt diese Zahlen. Wir haben auf die Zahl der Einwohner bezogen überdurchschnittlich viele FSME-Fälle." Grund dafür dürfte unter anderem sein, dass es im Kreis viele Wälder und Wiesen gibt, in denen sich die Zecken besonders wohlfühlen.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Spinnentiere hier viele Wirte wie Mäuse und Wild finden, an die sie sich hängen können. "Bei uns ist es scheinbar sehr günstig für sie, sich anzusiedeln und sich zu vermehren", sagt Brey. Dem Arzt zufolge haben aber nicht nur Waldliebhaber ein Risiko, sich bei einem Zeckenbiss mit dem FSME-Virus zu infizieren. "Wir haben auch Fälle, in denen sich Menschen im eigenen Garten infiziert haben. Besonders dort, wo der Garten waldnah und sehr naturbelassen ist", sagt Brey.

Gebiete wechseln häufig

Wie hoch das Risiko einer FSME-Infektion durch einen Zeckenbiss an den einzelnen Orten im Landkreis tatsächlich ist, kann Brey nicht genau sagen. Das hat auch einen Grund. "Wir wissen inzwischen, dass es vorkommen kann, dass auf einer einzelnen Wiese enorm viele Zecken sein können, die das Virus in sich tragen, während gerade 50 Meter weiter gar nichts mehr ist", erklärt Brey. Grund sei, dass die Viren teils auch verschleppt würden.

Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Wirtstiere wie Zugvögel von einem Ort zum anderen fliegen. Brey: "Es macht also wenig Sinn zu sagen, dort ist das Risiko gerade sehr hoch und dort sehr gering." Einmal sei eine Bergregion stark betroffen, das Jahr drauf ein anderes Gebiet.

Starkes Zeckenjahr erwartet

Brey zufolge spielt auch die Witterung eine große Rolle, wenn es um die Verbreitung von Zecken geht, denn die Tiere mögen es warm und trocken besonders gerne. Das Thema sei zu komplex, um pauschale Aussage zu treffen.

Was der Gesundheitsamtsleiter aber sagen kann: "Heuer wird wieder ein starkes Zeckenjahr angenommen."

Für wen ist nun eine Zeckenimpfung sinnvoll? Brey sagt, er würde sie jedem empfehlen, der gerne viel im Freien ist, sei es im Wald oder im Garten. Besonders Männer über 50 hätten ein erhöhtes Risiko, schwer an FSME zu erkranken. "Das ist eine Parallele zur Covid-Infektion. Auch dort haben wir gesehen, dass ältere Männer ein besonderes Risiko haben, einen schweren Verlauf zu bekommen und ein höheres Sterberisiko haben", sagt er.

Schutz vor schwerer Erkrankung

Dennoch ließen sich die Infektionszahlen mit FSME nicht mit denen des Coronavirus vergleichen. Brey: "Nicht jeder, der sich eine Zecke holt, wird erkranken, Gott sei Dank ist das so." Allerdings bekommt das Gesundheitsamt auch nur diejenigen Fälle mit, bei denen die Menschen so schwer krank werden, dass sie sich behandeln lassen müssen.

Brey: "Es wird nur ein kleiner Teil so erkranken, dass man es überhaupt merkt. Dieser wird aber sehr schwer erkranken. Dabei gab es auch bei uns schon Todesfälle."

Vertragen sich die Corona- und die Zeckenimpfung?

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Info:

FSME-Fälle in Amberg und im Landkreis

  • Dem Gesundheitsamt Amberg wurden seit 2001 insgesamt 192 FSME-Fälle gemeldet, davon 146 aus Amberg-Sulzbach und 46 aus der Stadt Amberg.
  • In diesem Zusammenhang gab es vier Todesfälle. Dabei handelte es sich um Männer aus dem Landkreis.
  • Für das Jahr 2018 wurden dem Gesundheitsamt Amberg 11 FSME-Fälle aus dem Landkreis und vier Fälle aus der Stadt gemeldet.
  • 2019 waren es 13 Fälle aus dem Landkreis und ein Fall aus der Stadt Amberg.
  • 2020 lag die Zahl der Fälle im Kreis bei 10. Zwei Menschen aus dem Stadtgebiet infizierten sich in diesem Jahr mit dem Virus.
  • Für das Jahr 2021 liegen dem Gesundheitsamt bislang zwei Meldungen einer FSME-Infektion aus dem Landkreis vor und eine aus dem Stadtgebiet.

 

 

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