16.06.2021 - 11:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Hilfe für Tumorpatienten: St. Marien etabliert komplexe Implantation

Patienten ein Stück Lebenszeit und besonders Lebensqualität zu geben: Dieses Ziel haben Atemwegs-Stents. Eine besondere Variante sind die Bifurkations-Stents mit Y-förmigem Aufbau. Erstmals wurde jetzt einer erfolgreich in Amberg gesetzt.

Dr. Hans Wahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV am Amberger Klinikum, zeigt, an welcher Stelle der Bifurkations-Stent beim Patienten implantiert wird.
von Externer BeitragProfil

Bifurkations-Stents, die einen Y-förmigen Aufbau haben, werden laut einer Pressemitteilung des Klinikums St. Marien meist bei Patienten mit Tumorerkrankungen der zentralen Atemwege implantiert. „Tumore können infolge ihres Wachstums die Atemwege verschließen", erläutert Dr. Hans Wahn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin IV am Klinikum. Dadurch bestehe bei Betroffenen akute Erstickungsgefahr. Oder aber es handle sich um eine Erkrankung, die die Atemwege zerstöre und sich dadurch Fisteln ausbildeten – also Kanäle, die vorher nicht da gewesen seien und eine Verbindung zwischen zwei Hohlorganen bilden können.

Atemwege von innen schienen

In dem Fall, in dem erfolgreich erstmals am Klinikum St. Marien ein Bifurkations-Stent gesetzt worden sei, habe es sich um eine Fistel zwischen der Speiseröhre und dem Hauptbronchus der linken Lunge gehandelt. Bestehe diese Verbindung, so könne als Folge Nahrungsbrei von der Speiseröhre in den linken Bronchus gelangen. "An dieser Stelle kommt der Y-Stent zum Einsatz", wird Wahn in der Pressemitteilung des Klinikums zitiert. Stents können seinen Angaben nach die Atemwege von innen schienen. Seien sie noch ummantelt, könnten sie zusätzlich solch gefährliche Stellen abdichten. Ein Bifurkations-Stent sei nötig, "wenn sich eine solche Stelle an der Gabelung der Luftröhre in die beiden Hauptbronchien der linken und rechten Lunge bildet".

Das Setzen dieses Stents erfolge in Vollnarkose mit Hilfe eines starren Bronchoskops. Der Patient bekomme davon nichts mit. Betroffene verspürten sehr schnell nach dem Eingriff "eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden". Im aktuellen Fall habe der Patient nach der Implantation noch drei Tage im Klinikum bleiben müssen. „Leider können wir durch diesen Eingriff nicht die Ursprungserkrankung heilen, aber dennoch stellt er für Betroffene eine große Erleichterung dar und lindert meist sogar lebensbedrohliche Symptome", erklärte Wahn.

Spektrum maßgeblich erweitert

Die Implantation eines solchen Stents erfordere nicht nur die Erfahrung des interventionellen Bronchoskopikers, sondern auch eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Endoskopie-Team, der Anästhesie und in diesem speziellen Fall auch der Gastroenterologie des Klinikums. Diese hatte in einer weiteren Behandlung – ebenfalls mit einem Stent – auch die Mündung der Fistel in der Speiseröhre verschlossen. Wahn freut sich nach eigener Aussage sehr, "dass wir hier am Klinikum diese Methode etablieren und damit unser Spektrum in der interventionellen Bronchoskopie noch einmal maßgeblich erweitern konnten". Dieses umfasse nun neben thermischen Verfahren zur Tumorabtragung (Kryotherapie, Argon-Plasma-Beamer-Therapie) auch den endobronchialen Ultraschall und sei mit Angeboten an Universitätskliniken gleichzusetzen.

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Amberg
Hintergrund:

Die Technik

  • Der endobronchiale Ultraschall kombiniert die Bronchoskopie und Sonographie.
  • Ultraschall gesteuert werden damit der infolge eines Lungenkrebses vergrößerte Lymphknoten im mittleren Brustraum oder sonst nicht erreichbare Tumore in der Lungenperipherie mit einer Minisonde biopsiert.

 

 

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