11.04.2021 - 16:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Hausverkauf mit Home-Staging: US-Trend auch in Amberg-Sulzbach

Schicke Möbel und die perfekte Beleuchtung: Immobilien lassen sich besser verkaufen, wenn sie zuvor herausgeputzt wurden – davon ist eine Sulzbach-Rosenbergerin überzeugt. Als Home-Stagerin zeigt sie, welches Potenzial in Wohnungen steckt.

Sie arbeitet vor einem Verkauf die Schokoladenseiten von Immobilien heraus: Theresia Wissinger ist selbstständige Home-Stagerin.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Wohnung mit moderner Einrichtung – doch die Möblierung ist nur temporär. Das Regal ist in Wahrheit aus Pappe, der Hocker aus mit Stoff bezogenem Styropor, die Vorhangstange angeklebt. Tatsächlich steht die Immobilie in Sulzbach-Rosenberg leer – noch, denn das soll sich bald ändern. Deshalb war hier eine Home-Stagerin am Werk.

Eine exakte Übersetzung für den englischen Begriff Home-Staging gibt es nicht, er bedeutet aber so viel wie "Herausputzen". Dabei dreht sich alles um die perfekte Präsentation einer Immobilie. Diese Vermarktungsmethode kommt aus den USA. "In Amerika ist das seit vielen Jahren total üblich, in Deutschland immer noch wenig bekannt", erzählt Theresia Wissinger, die sich in diesem neuen Berufsfeld selbstständig gemacht hat. "Ich bin dafür da, zu veranschaulichen, was man aus einer Wohnung herausholen kann", erklärt sie. Potenziale aufzeigen und eine Immobilie in den perfekten Verkaufszustand bringen, das ist der Job eines Home-Stagers. Denn: "Nur zwei von zehn Menschen können sich laut einer Studie einen leeren Raum eingerichtet vorstellen", sagt Wissinger. Durch das Home-Staging könnten sich die anderen acht von zehn vorstellen, wie man in der Immobilie leben kann.

Details machen den Unterschied

Es sind Kleinigkeiten, die die Räume in der kleinen Wohnung so gemütlich und bewohnt erscheinen lassen, die kaum merklich den Unterschied machen: das aufgeschlagene Kochbuch, ein Geschirrtuch, das über der Spüle hängt, die Flasche Wein auf dem Tisch. All diese Accessoires hat Wissinger mit bedacht platziert. Perfekt sei es dann, wenn der potenzielle Käufer oder Mieter sich hier sein Traumleben vorstellen kann, sobald er die Immobilie betritt, erklärt die Sulzbach-Rosenbergerin. Der erste Eindruck, gar die ersten Sekunden, sind Wissinger zufolge entscheidend. Selbst wenn die Wohnung von der Größe her für einen Single-Haushalt ausgelegt ist, decken Home-Stager den Tisch für mindestens zwei Personen. "Das weckt die Vorstellung von einem schönen Abend mit einem Partner oder Freunden."

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Wissinger hat im Herbst einen Zertifikatslehrgang im Home-Staging und Re-Design bei der IHK Hannover gemacht. Der richtige Transport von Möbeln und Deko-Artikeln, die wirtschaftlichen Aspekte des Home-Stagings, Allgemeines zur Immobilienbranche und Farbenlehre standen dort unter anderem auf dem Programm. Wobei man letzteres in diesem Job "im Blut" haben sollte, ist Wissinger überzeugt. Sie selbst arbeitete jahrelang für eine Bank und war nun auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, etwas Kreatives sollte es sein. "Ich bin schon immer einrichtungsbegeistert gewesen", erzählt die 36-Jährige. Freunde und Familie hätten sie bei Interieur-Fragen schon häufiger zurate gezogen. So sei sie auf die Idee gekommen, Home-Stagerin zu werden. "Bei uns in der Gegend gibt es das noch kaum."

Erster Eindruck zählt

Ihrer Erfahrung nach seien vor allem Männer in der Immobilienbranche tätig. "Die haben aber oft einen ganz anderen Fokus und wenig Interesse an Einrichtung, dabei ist die Optik so wichtig." Mehrere Wochen lässt Wissinger ihre Einrichtung in der Wohnung. Zeit genug für Besichtigungen und um ansprechende Fotos für Immobilienportale zu machen. "Die Bilder dort sind ja häufig richtig abschreckend." Was für den Verkäufer oder Vermieter zum Problem werden könne. "Sind Immobilien zu lange Zeit am Markt gelten sie als verbrannt", erklärt sie. Das passiere dann, wenn nicht adäquat zum Preis präsentiert wird. Das Ziel des Home-Stagings ist es also, ein Haus oder eine Wohnung in einem kürzeren Zeitraum und mit mehr Erlös als mit konventionellen Methoden zu verkaufen oder zu vermieten. Ein Vorurteil mit dem sich Home-Stager öfter konfrontiert sehen, ist der Vorwurf, Mängel zu verstecken. Dabei sei das absolut inakzeptabel. "Wir arbeiten Vorzüge heraus, aber wir verdecken nichts", sagt Wissinger.

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Ihren persönlichen Geschmack müssen professionelle Home-Stager zurücknehmen. Die Einrichtung sollte relativ neutral gehalten werden, um die breite Masse anzusprechen. "Viel rosa geht zum Beispiel gar nicht", spricht die 36-Jährige von der richtigen Farbwahl. Es mache ihr großen Spaß über einem Grundriss "zu sinnieren". Viele Ideen kämen da intuitiv, aber die praktische Ausführung gestalte sich nicht immer so einfach, wie das beim Blick auf das Resultat vielleicht erscheinen mag. In den häufig frisch renovierten Wohnungen könne sie zum Beispiel keine Nägel in die Wände hauen oder Löcher bohren. Bilder klebt sie deshalb an, die Lampenschirme müssen so leicht sein, dass ein Draht sie halten kann.

Küche aus Pappmaché

Auch die Möbelstücke dürfen nicht zu schwer sein, um sie einfach transportieren und platzieren zu können. Sogar eine Küche aus Pappmodulen hat die Jung-Unternehmerin, eine Attrappe. Tischsets schneidet sie aus Tapete zurecht, um die Kosten gering zu halten. Von der Beleuchtung über Teppiche, Spiegel bis hin zu Büchern, Kissen und Vasen müsse hier an alles gedacht werden. Ebenfalls spielen Gerüche und Wärme eine Rolle. "Am besten sollte vor einer Besichtigung die Heizung aufgedreht werden", sagt sie. Auch Duftkerzen hätten eine Wirkung. Der Geheimtipp sei aber der Geruch von frischgebackenem Kuchen oder einer getoasteten Scheibe Brot.

Nach ein paar Wochen baut Theresia Wissinger die Möbel wieder ab, nimmt die Bilder von den Wänden und transportiert die künstlichen Pflanzen ab. Bei sich daheim in Rosenberg habe sie zum Glück genug Platz, um ihre Utensilien einzulagern. "Eine große Hilfe ist mir auch, dass mein Mann Schreiner ist", erzählt sie. "Von ihm kann ich große Fahrzeuge und Werkzeug ausleihen." Er gehe ihr auch zur Hand beim Transport und Möbelbau. Denn viele Gegenstände der Home Stagerin sind "Marke Eigenbau".

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Hintergrund:

Was ist Home-Staging?

  • Home-Stager putzen eine Wohnung oder ein Haus für den anstehenden Verkauf heraus.
  • Ziel ist es, die Immobilie in einem kürzeren Zeitraum und mit mehr Erlös zu verkaufen oder vermieten.
  • Dafür werden gezielt Möbel, Dekoration, Farbe und Licht eingesetzt.
  • Die Einrichtung soll einen möglichst breiten Kreis potenzieller Käufer ansprechen.
  • In den USA wird Home-Staging seit den 1970er-Jahren angewendet.
  • In Deutschland gibt es dafür seit 2010 mit der "Deutschen Gesellschaft für HomeStaging und Redesign" (DGHR) einen eigenen Berufsverband.

 

 

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