12.04.2021 - 16:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Halteverbot in der Amberger Friedlandstraße ärgert die Anwohner

Manche der Anwohner leben seit Jahrzehnten hier. Doch praktisch über Nacht ist die Friedlandstraße zur absoluten Halteverbots-Zone geworden – wegen der Feuerwehr. Die Empörung ist erst einmal groß, die Verwaltung erklärt die Maßnahme.

Hier darf nicht einmal mehr angehalten werden, um die Einkäufe ins Haus zu tragen. Die Anwohner der Friedlandstraße ärgert diese Maßnahme, die Stadt Amberg verteidigt sie als unumgänglich.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Ich bin seit fast zwei Jahrzehnten Anwohner der Friedlandstraße", schreibt ein Leser an Oberpfalz-Medien. "Nun musste ich mit Erstaunen feststellen, dass die gesamte Friedlandstraße mit Ausnahme der ersten 100 Meter zur Feuerwehrzone mit absolutem Halteverbot ausgewiesen wurde." Einkäufe müssten nun beispielsweise wegen der nur begrenzt vorhandenen öffentlichen Parkflächen an anderer Stelle oft weit getragen werden, weil man ja in einer solchen Zone nicht einmal mehr zum Be- und Entladen halten dürfe. Von mehreren hundert Metern schreibt der Leser und fragt: "Mir kann sich beim besten Willen nicht erschließen, warum plötzlich nach Jahrzehnten die Straße für ein eventuell durchfahrendes Feuerwehrauto zu schmal sein soll."

Die Empörung bei den Menschen in der Friedlandstraße war und ist groß, erste Strafzettel wegen Falschparkens taten ein Übriges, um die Stimmung noch mehr aufzuheizen. Ein Brief an die Stadträte und den Oberbürgermeister wurde verfasst und von zahlreichen Anwohnern unterschrieben. Darin zählen die Initiatoren in zehn Punkten auf, wie schwerwiegend das Aufstellen der Halteverbotsschilder in ihr Leben eingreift. Es fängt damit an, dass auf einen Schlag zahlreiche öffentliche Parkflächen verschwunden sind. Es aber zu wenig Stellflächen oder Garagen vor Ort gebe, um die Autos alternativ und standortnah unterzubringen.

Wertverlust der Häuser und Wohnungen

Sozialdienste, Getränkelieferanten oder Umzugwagen könnten nun nicht mehr hier halten, schreiben die Anwohner in ihrem Brief. Sie haben zum Teil aber auch ganz andere Effekte beobachtet, die diese nun erstaunlich leere Straße mit sich bringt. So werde beispielsweise die Tempo-30-Zone nicht mehr so konsequent eingehalten, weil eine breite Straße zum Schnellfahren einlade. Jugendliche würden die zum Teil abschüssige Friedlandstraße mit ihren Skateboard nebeneinander befahren, ohne auf den Verkehr zu achten. Und dann wäre da auch noch der Wertverlust der Häuser und Wohnungen. "Wer will schon eine Wohnung oder ein Haus vor dem man nicht aussteigen oder parken kann und erst 500 Meter gehen muss, eventuell mit kleinen Kindern."

Viele dieser Argumente versteht auch Bernhard Mitko, der für verkehrsrechtliche Anordnungen zuständige Referent bei der Stadt Amberg. Doch letztendlich habe die Stadt Amberg keine andere Wahl gehabt in der Friedlandstraße. Tatsächlich handle die Stadt auf Basis von neueren gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Erreichbarkeit von Gebäuden mit Feuerwehrfahrzeugen. Konkret gehe es darum, dass beispielsweise in der Friedlandstraße hohe Häuser mit zahlreichen Stockwerken stehen. Für die sei aber eine stabile Aufstellfläche für ein sogenanntes Hubrettungsfahrzeug vorgeschrieben, mit dessen Hilfe im Brandfall Menschen über Fenster oder Balkone gerettet werden könnten.

Selbst Abstellflächen schaffen

"Entweder es gibt auf dem jeweiligen Grundstück eine solche Fläche oder aber man muss die Straße dafür nehmen", sagt Bernhard Mitko. Das erkläre auch, warum es eben nicht ausreiche, wenn ein Feuerwehrfahrzeug durchfahren könne. Wichtig sei ein deutlich breiterer, stabiler Platz für das Hubrettungsfahrzeug mit seinen Auslegern. Dass es dabei ausgerechnet die Friedlandstraße jetzt erwischt hat, kann Bernhard Mitko ebenfalls leicht erklären. "Wir gehen seit zwei oder drei Jahren Straße für Straße durch und setzen die Vorschriften um." In der Friedlandstraße mit den entsprechenden Folgen.

"Entweder es gibt auf dem jeweiligen Grundstück eine solche Fläche oder aber man muss die Straße dafür nehmen."

Bernhard Mitko, Rechtsreferent der Stadt Amberg

Bernhard Mitko, Rechtsreferent der Stadt Amberg

Deutlich macht Mitko, dass es nicht an der Stadt Amberg ist, hier Abhilfe zu schaffen. Wollen die Anlieger ihre Parkplätze zurück, dann haben sie nach Aussage des Rechtsreferenten zwei Möglichkeiten. Entweder die Eigentümergemeinschaften der großen Gebäude schaffen Aufstellflächen für das Hubrettungsfahrzeug auf den jeweiligen Grundstücken. Oder sie lassen auf eigenem Grund zusätzliche Parkplätze bauen. Auf jeden Fall müsse der jetzige, sicher unbefriedigende Zustand in der Friedlandstraße nicht von Dauer sein. Wenn es Alternativen gebe, könnten die absoluten Halteverbote auch wieder aufgehoben werden. "Wenn ich dort wohnen würde, dann würde ich mich jetzt erst einmal an die Hausverwaltung wenden", ist sein Tipp.

Machen müssen es die Anwohner

Wie Bernhard Mitko gegenüber Oberpfalz-Medien sagt, ist die Stadtverwaltung gerne bereit, bei der Schaffung von alternativen Flächen zu helfen. "Machen müssen es aber die Anwohner selbst." Einfach zurücknehmen könne die Stadt die Halteverbotsschilder aber nicht. Komme es nämlich tatsächlich hier zum Brandfall und nehme ein Mensch Schaden, würden die Gerichte dann keine Nachsicht kennen.

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