13.08.2020 - 10:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Grün-schwarzer Schädling im Garten: Der Buchsbaumzünsler hat die Region erreicht

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Hobbygärtner sind alarmiert: Denn die zweite Generation des Buchsbaumzünslers ist geschlüpft. Eine gelernte Garten- und Landschaftsgärtnerin gibt bei einem Erfahrungsbericht aus dem Garten Tipps, wie man dem Schädling zu Leibe rückt.

Kein Feind des Buchsbaums ist so weit verbreitet wie der Buchsbaumzünsler.
von Redaktion ONETZProfil

Eines der beliebtesten Ziergehölze in Deutschland ist in Gefahr: der Buchsbaum. Ob als Kugel akkurat geschnitten im Eingangsbereich, als niedrige Beet-Einfassung in klassischen Bauerngärten und auch in barocken Schlossanlagen - der immergrüne Buchsbaum (Buxus sempervirens) ist eine weit verbreitete und durch ihre pflegeleichte Handhabung allseits beliebte Zierpflanze, die in vielen Gärten ein Zuhause gefunden hat. Doch seit dem vergangenen Sommer und vor allem jetzt ist der gefürchtete Buchsbaumzünsler auch in der Region und im Garten der Autorin, einer Garten- und Landschaftsgärtnerin, angekommen.

Schädling erkennen

Es kann sein, dass oberflächlich betrachtet, der Buchs zunächst einmal keine großen Schäden aufweist. Doch vor allem im unteren Bereich und im Inneren der Pflanze kann das Bild bereits ein anderes sein: Gespinste mit hellgrünen oder bereits braunen Kotkügelchen sind das erste, das auffällt. Später folgen braune Blätter, versponnene Äste und die grün-schwarzen Raupen mit schwarzem Kopf, die ausgewachsen bis zu fünf Zentimeter lang werden. Diese Raupen entwickelten sich aus den Eiern des ostasiatischen Kleinschmetterlings, der 2010 erstmals in Deutschland gefunden wurde und der sich nun rasant in Europa ausbreitet. Die Falter des Buchsbaumzünslers (Cydalima perspectalis) sind weiß mit schwarzem Rand und fliegen auch oftmals direkt aus dem Strauch, werden sie aufgestöbert. Wird der Zünsler nicht bekämpft, stirbt die Pflanze meist vollständig ab, da die Raupen Blätter und Rinde abfressen und in den Ästen ihre Kokons spinnen, in denen sie auch die Wintermonate überstehen.

Umweltschonende Bekämpfung

Unter Hobbygärtnern und Experten findet bereits ein reger Austausch in Fachzeitschriften und im Internet statt; die Menge an Informationen ist groß. Aus eigener Erfahrung und auch im Austausch mit befreundeten Hobbygärtnern haben sich die nachfolgenden Maßnahmen bewährt, die je nach Größe des Bestandes angewendet werden können.

Einzelne Buchsbaumbestände mit kleineren Pflanzen können erfahrungsgemäß mit dem beständigen Absammeln der Raupen, die jetzt im Moment zwischen einem und drei Zentimeter groß sind, eventuell noch gerettet werden. Auch das Ausbreiten einer Folie unter dem Strauch und das anschließende Abspritzen mit einem Hochdruckreiniger ist laut Hobbygärtner wirksam, muss aber mehrmals wiederholt werden, um nachhaltig Erfolg zu zeigen.

Um große Buchsbaumbestände erhalten zu können, müssen andere Maßnahmen getroffen werden, die sich jedoch in den meisten Fällen lohnen und auch nicht allzu teuer und aufwendig sind. Man kann mit Hilfe einer Pheromonfalle, die das Faltermännchen anlockt, den optimalen Zeitpunkt für die Bekämpfung der Raupen bestimmen oder man untersucht seine Sträucher wöchentlich, um das Schlüpfen einer Raupengeneration nicht zu verpassen. Bis zu vier Generationen können sich pro Jahr entwickeln; im Moment ist die zweite Generation in der Region und im Garten der Autorin zugange. Nachdem die Raupen gesichtet wurden, hilft das Bioinsektizid Bacillus thuringiensis weiter, das im Gartenfachmarkt erworben werden kann, das üblicherweise verdünnt mit einem einfachen Pumpsprüher auf die Pflanzen verteilt wird. Dieses Bakterium verschont Haustiere und andere Nützlinge, so die Hersteller, und sollte erst ab 15 Grad und bei trockener Witterung aufgebracht werden. Erfolge im eigenen Garten bestätigen die Wirksamkeit!

Eigene Experimente mit pulvrigem Algenkalk hatten nur Erfolg in Kombination mit vorherigem radikalen Rückschnitt bei zwei kleinen Buchsbäumchen im Topf. Engmaschige Netze, die angebracht werden, bevor die Falter mit der Eiablage beginnen, Schmierseife und Rezepte für Essigmischungen werden im Internet benannt und diskutiert.

Keine natürlichen Feinde?

Der Buchsbaumzünsler konnte sich auch deshalb so rasant vermehren, da er aufgrund seiner Nahrung, der giftigen Buchsbaumblätter (Alkaloide), scheinbar keine natürlichen Feinde zu haben schien. Doch vermehrt wurden mittlerweile Spatzen, Meisen und Finken beobachtet, die sich an den Geschmack der Raupen gewöhnt haben und diese nun doch verzehren. Vielleicht regelt sich das Ökosystem doch langsam von selbst? Wer jedoch seinen 20 Jahre alten Buchs-Exemplaren beim Sterben zusehen muss, dem kann das Gärtnerherz schon schmerzen. Andere immergrüne Alternativen wären dann eventuell Berberitze, Heckenmyrthe, Lorbeer, Eibe oder Stechpalme.

Abgeschnittene Äste oder ganze Bäume und abgesammelte Raupen sollten unbedingt im Restmüll entsorgt werden, damit die Ausbreitung dieses Schädlings zumindest ansatzweise eingedämmt wird. Natürlich empfiehlt es sich, stets Handschuhe beim Absammeln der Raupen und bei der Ausbringung des Bioinsektizids zu tragen.

Es ist wie bei so manch anderem Thema: Nur wenn viele mitmachen, sind die Maßnahmen erst wirkungsvoll. Mir als Gärtner wäre dies ein großes Anliegen; meine Nachbarschaft und die benannten heimischen Singvögel ziehen auf jeden Fall mit.

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