08.07.2020 - 16:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Grammer AG will der Krise trotzen

Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren auch bei der Grammer AG hinterlassen. Für das Unternehmen beginnt damit ein umfangreicher Innovationsprozess, was Kunden, Produkte und Standorte angeht.

Gemütlich ihr Haupt betten können die Mitarbeiter der Grammer AG in den kommenden Jahren sicher nicht. Es steht eine gewaltige Umstrukturierung des Unternehmens an.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zum ersten Mal in der Geschichte der Grammer AG musste am Mittwoch eine Hauptversammlung virtuell abgehalten werden. Corona spielte erwartungsgemäß eine große Rolle, obwohl rein formell die Zahlen für 2019 zur Debatte standen. Doch Vorstandsvorsitzender Thorsten Seehars ließ keinen Zweifel: "Noch befinden wir uns mitten in der Krise", sagte er im nur mit wenigen Personen besetzten Saal des ACC. In einem ohnehin immer schwieriger werdenden Automobilmarkt habe sich die Grammer AG, die seit Mittwoch ihren Sitz nicht mehr in Amberg sondern in Ursensollen hat, ordentlich geschlagen, sagte Seehars in seinem Bericht. Der Umsatz für 2019 kletterte auf über zwei Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit) lag bei 77 Millionen Euro. Die sogenannte Marge damit bei sehr soliden 3,8 Prozent.

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Trotz der noch immer guten Zahlen für 2019 wollte Seehars keinen übertriebenen Optimismus verbreiten. "Schon vor Corona war es schwierig", schilderte der CEO die Lage des Automobilzulieferers. Als Gründe dafür nannte er vor allem die derzeitigen geopolitischen Spannungen, den Brexit sowie den Handelsstreit zwischen China und den USA.

Im ersten Quartal 2020 traf Covid 19 das Unternehmen dann mit voller Wucht. Mussten zunächst Werke in China geschlossen werden, waren später die Niederlassungen in Europa und Amerika betroffen. "Wir haben im ersten Quartal eine Vollbremsung hingelegt", führte Seehars aus. Das zweite dürfte nicht viel besser gelaufen sein. Der Automobilmarkt sei dramatisch eingebrochen, Lieferketten seien unterbrochen worden und Werksschließungen Folge der Corona-Pandemie gewesen.

Umsatzeinbrüche von bis zu 25 Prozent (im Raum Asien/Pazifik) und ein Ebit von -2,1 Millionen Euro sprechen eine deutliche Sprache. Grammer reagierte mit der Rücknahme der Leiharbeit, dem Abbau von Überstunden- und Urlaubskonten sowie Kurzarbeit. Zudem habe es einen teilweisen Gehaltsverzicht der Mitarbeiter sowie einem Verzicht des Managements auf die Boni gegeben. "Unser Unternehmen muss schlanker und agiler werden", gab Seehars als Devise aus und kündigte umfangreiche Maßnahmen an. So sollen weltweit rund 100 Millionen Euro an Kosten eingespart werden, soll das Personal - sozialverträglich - über Regelungen zum Vorruhestand und ein Freiwilligenprogramm reduziert werden, kündigte der CEO an. Dem entgegen stehen rund 91 Millionen Euro an Investitionen.

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Auf der anderen Seite wird sich der Konzern weltweit neu organisieren, wird den regionalen Gesellschaften mehr Verantwortung übertragen. Neue Märkte - vor allem in Asien - peilte die Grammer AG ebenso an wie eine Verschlankung der Zentrale. Mit Ningbo Jinfeng hat sich laut Seehars gerade für China der ideale Türöffner aufgetan. "Der Einstieg von Ningbo Jifeng ist eine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Oberpfalz", zog er eine positive Bilanz.

Positives aus der Krise

Ursensollen

Darüber hinaus will sich Grammer neue Technologiefelder erschließen sowie in das Busgeschäft zurückkehren. Nachhaltigkeit heißt eine Devise für die Zukunft, vor neuen Entwicklungen wie Elektromobilität oder dem Autonomen Fahren ist dem Vorstandsvorsitzenden nicht bange - im Gegenteil: "Das Interieur gewinnt an Bedeutung." Kürzer treten müssen aber die verbliebenen Aktionäre der AG - für drei Jahre gibt es keine Dividende. Verabschiedet wurde nach 15 Jahren Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Probst, ihm folgt Alfred Weber, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Filterherstellers Mann + Hummel GmbH nach. Eine Kapitalerhöhung um maximal 16 Millionen Euro soll dem Unternehmen zusätzliches Investitions-Kapital in die Kasse spülen.

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