11.12.2019 - 17:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Geld allein erlegt kein Wildschwein

Der Preis, der mancherorts auf ihren Kopf ausgesetzt ist, soll Jäger anspornen: Wildschweine müssen stark bejagt werden. Sie verursachen viele landwirtschaftliche Schäden. Und die Afrikanische Schweinepest rückt näher.

Viel mehr Schwarzwild müsste erlegt werden. Aber Abschussprämien allein sehen viele Jäger hier kritisch.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Sulzbach-Rosenberg.

Gefordert sind die Waidmänner. Aber über die Methoden herrschen verschiedene Ansichten. Denn Geld allein erlegt kein Schwein. Das Problem ist vielschichtig, aber doch begreifbar: Mangels natürlicher Feinde vermehren sich die Wildschweine wie die Karnickel. Der üppige Mais in der Landschaft tut ein Übriges, milde Winter und fruchtreiche Herbstzeiten lassen die Bestände stetig anwachsen. Dazu kommt, dass die Schwarzkittel schwer zu bejagen sind: Schlau und gerissen erkennen sie, wo man ihnen auf die Schwarte rückt. Meist nur in tiefer Nacht unterwegs, durchstreifen sie Wälder, Felder und Wiesen, wo sie deutliche Spuren hinterlassen.

Jagd mit Nachtzielgeräten

Prämien nicht zielführend

Bayern erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen die Jagd mit Nachtzielgeräten - doch auch das ist kein Allheilmittel gegen die gewieften Schweine, die nachts mitunter weite Strecken zurücklegen und große Rotten bilden. Die Jahresstrecke stieg im Jagdjahr 2017/18 bundesweit um sage und schreibe 42 Prozent auf rund 837 000 Stück, soviel wie noch nie. Im Landkreis sank sie allerdings von 2908 Stück in 2017 auf 1641 im Jahr 2018.

In der Oberpfalz blühen die Ideen, wie den Schwarzkitteln beizukommen ist. Eines der jüngsten Projekte trug kürzlich ein Revierpächter aus dem nördlichen Landkreis an den Landrat heran: Abschussprämien für Wildschweine nach dem Vorbild von Altötting.

Auch der Landkreis Schwandorf habe sich entschlossen, 15 bzw. 20 Euro pro Frischling oder größerem Tier auszuzahlen. Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth schlossen sich inzwischen an - jeweils vor dem Hintergrund der Prävention gegen die drohende Ausbreitung der (für den Menschen allerdings unschädliche) Afrikanischen Schweinepest (ASP). Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat ein solches Vorgehen bisher strikt abgelehnt und dies auch begründet.

Info:

Landkreis lehnt ab

Die Finanzverwaltung beim Landkreis Amberg-Sulzbach steht dem Ansinnen des Revierpächters nach Abschussprämien ebenfalls kritisch gegenüber, wie aus der Antwort an den Antragsteller hervorgeht: "Nach eingehender Prüfung Ihres Antrags und in Abstimmung mit Landrat Richard Reisinger teilen wir Ihnen mit, dass der Landkreis Amberg-Sulzbach der von Ihnen unter Bezugnahme auf den Landkreis Altötting angeregten Gewährung einer Abschussprämie für erlegte Wildschweine nicht näher treten kann."

Die Gewährung einer derartigen Prämie würde eine aus haushaltsrechtlichen Gründen unzulässige freiwillige Leistung des Landkreises darstellen, weil die Gründe, die den Landkreis Altötting zur Gewährung einer Abschussprämie veranlasst haben mögen, nicht für unseren Landkreis herangezogen werden können (dort liegt eine Grundwasserbelastung vor. Anm. d. Red.)

"Die Gewährung einer Abschussprämie für die Erlegung von Wildschweinen kann auch nicht als präventive Maßnahme gegen eine Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest infrage kommen, weil es sich bei der Seuchenabwehr um eine staatliche Aufgabe handelt. Der Landkreis Amberg-Sulzbach dürfe im Seuchenfall notwendig werdenden staatlichen Pflichtaufgaben nicht durch eine unzulässige freiwillige Leistung vorgreifen. Man werde die Entwicklung aber weiter verfolgen.

Nun gibt es aber im Landkreis auch durchaus andere Ansichten. Der Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Sulzbach-Rosenberg, Stefan Frank, ist der Überzeugung, es werde aufgrund der Prämie keine einzige Wildsau mehr geschossen als sonst. Wildschwein-Fleisch erfreue sich nach wie vor großer Beliebtheit als Delikatesse, aber: "Ich selbst betrachte mich nicht als Kopfgeldjäger." Abschussprämien auf Wildtiere auszusetzen sei generell nicht zielführend.

Lieber keine Gebühren

Außerdem gebe es schon eine ähnliche Vergütung, die bei Vorlage der Streckenliste vom Bayerischen Staat gezahlt werde. "Viel besser wäre es, der Landkreis würde die Jäger komplett von der Gebühr für die Trichinenschau befreien - immerhin 8,55 Euro pro Tier. Und auch die Kosten für die Untersuchung auf Strahlenbelastung könnten übernommen werden." Den Jägern, die sich ja auch freiwillig um die Entsorgung von überfahrenem Wild oder die Nachsuche auf verletzte Tiere kümmerten, sei das in der Praxis bestimmt viel lieber und würde so ihre erbrachte Arbeit auch etwas würdigen. Ähnlich äußerte sich Ambergs Kreisgruppen-Chef Ruppert Schmid: Auch er favorisiert die unbürokratische Kostenübernahme für Trichinenbeschau und Untersuchungen statt einer bereits laufenden Prämienregelung. Er verwies auch auf den sonst zusätzlich entstehenden Arbeitsaufwand im Landratsamt.

Info:

Risiko Mensch

Verfolgt man bundesweit die Äußerungen der Experten, so bestehe bei der Schweinepest wohl ein Einschleppungsrisiko durch wandernde Wildschweine. "Hauptrisikofaktor für die Ausbreitung", so der Vizepräsident des Loeffler-Instituts für Tiergesundheit in der "Zeit", "bleibt aber, über die Verfütterung oder Entsorgung von kontaminierten Speiseresten, der Mensch!"

Der Ausbruch in Tschechien ist wohl durch totale Abkapselung des betroffenen Gebietes erledigt, aber in Belgien kam es nur 60 Kilometer von der Grenze zu einem Seuchenfall. Jetzt ist die ASP in Polen auf 80 Kilometer an Deutschland herangerückt. Im Ostblock wütet sie nach wie vor.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.