28.10.2020 - 17:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein Fluss macht Geschichte(n): Ist unsere Vils gar nicht die Vils?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Hochwasser, Trinkwasser, Fischwasser, Badewasser: Attribute, die mit jedem Fluss verbunden werden. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Flüssen, war die Vils auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, in der Oberpfalz bedeutender als Naab oder Regen.

„Das Vilslein im 16. Jahrhundert“. Ausschnitt aus der Zweidlerschen Karte (1597).

Vils, Naab, Regen: All diese Flüsse dienten bis in die Neuzeit der Flößerei, doch die Vils war, zumindest bis 1826, auch Wasserstraße. Es gibt jedoch Vieles, was weitgehend unbekannt oder nur noch wenigen Oberpfälzern vertraut ist. Nach der Vils-Quelle gefragt, sagt jeder: Kleinschönbrunn. Dort ist diese nahe einem Bauernhof gefasst, das Quellwasser fließt unter Kalk auf einer Tonschicht.

Schaut man alte Karten, noch die aus Mitte des 19. Jahrhunderts an, war das Vilslein ein Wasserlauf, der aus den Weihern zwischen Vilseck und Elbart gespeist wurde. Die Quelle, wenn man überhaupt von einer solchen sprechen darf, befand sich bei der Hämmerleinsmühle. Das Vilslein floss in die Weiher am Stadtrand von Vilseck, ab da hieß sie Vils. Auf dem Weg zu den Weihern traf sich ein ganzes Netz von Zuflüssen, die Frankenohe, der Mühlbach, der Schönbrunn, die Schmalnohe, der Ebersbach.

Vilsegg statt Vilseck?

Vor den Vilsecker Stadtweihern macht das Vilslein, heute die Vils, den bekannten Knick und fließt gen Süden, gen Hahnbach. Sie fließt "um die Ecke", was mancher dahingehend deutet, dass Vilseck von dieser Ecke und natürlich von der Vils seinen Namen hätte. Dem ist nicht so, denn eigentlich müsste es Vilsegg heißen. Dieser Name ist auch für das 13. Jahrhundert verbürgt. Eine Parallele dazu ist Lichtenegg. Die Endung "egg" stand für Burg, und Vilseck hat mit Dagestein eine wahrlich stattliche.

Auf 79 Kilometern nimmt nun der heutige Vilsverlauf seinen Weg durch den Landkreis, bis er nach weiteren acht Kilometern bei Kallmünz in die Naab mündet. Geringfügig abweichende Längenangaben sind ebenfalls korrekt, da der Flusslauf durch Begradigungen und Renaturierungen in den letzten 200 Jahren häufig verändert wurde und wird.

Das Einzugsgebiet der Vils misst 1238 Quadratkilometer, gerade 20 weniger als ihr Landkreis. Der höchste Punkt ist bei Poppberg mit 652 Metern, der tiefste bei Kallmünz mit 344 Metern. Bis zur Mündung fließen 22 Bäche in die Vils. Ihr Name ist abgeleitet von "Filz", was auf ein Sumpf- und Moorgebiet hinweist, die Vilsecker Mulde.

Energie für Eisenhämmer

Eigentlich verdient ein kleines Bächlein bei Amberg, der Krumbach, den Namen Vils. Denn bis vor etwa 140 Millionen Jahren, bis die Hahnbacher Kuppel abgetragen wurde, verlief dort die Urvils weiter zum Freihölser Forst und zur Naab. Ebenfalls vor Jahrmillionen war nicht die Vils, sondern die Lauterach der Fluss mit der reichlicheren Wasserführung. Der tiefe Taleinschnitt ist Beleg dafür.

Bis zur Mündung in die Naab hatte die Vils 17 Eisenhämmer mit Energie zu versorgen, weitere elf an ihren "Zubringern". Hinzu kamen die Mühlen, so in Amberg die Obere und Untere Mühle, besser bekannt unter Wimmer- und Netzermühle, die größten in der Oberpfalz. Im Oberlauf, bis zur Oberstorfer Brücke in Amberg, wurde bis in das beginnende 19. Jahrhundert Holz geflößt. Im Unterlauf wäre die Flößerei für die Schifffahrt abträglich gewesen.

Die Vils als Fluss der Schifffahrt

Amberg

Als sauberster Zufluss gilt die Frankenohe. Doch die bereits im Mittelalter schlechte Wasserqualität der Vils hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig gebessert. Die Stadt Amberg bekam um 1920 wohl die erste Kläranlage der Vilsgemeinden. Bis dahin floss alles Abwasser in die Vils. Hinzu kamen bereits im Mittelalter die Industrie-Abfälle, so etwa die Abfälle der Amberger Zinnblechgesellschaft, die schließlich auf Weisung des Rates eine eigene Mülldeponie, wohl die älteste in der Stadt (heute die Straße Zinnebeis) bekam. Oder die Abfälle der Fleischbank, direkt an der Vils gelegen. In der Neuzeit kamen die Abwässer der Max- und Luitpoldhütte und die auf den Äckern ausgebrachten Chemikalien hinzu.

Während in den 1960er Jahren in der vierstufigen Skala die Qualität des Vilswassers noch an letzter Stelle stand, liegt diese heute zwischen 2 und 3. Die Fischer freuen sich über die Wasserqualität, wären da nicht die Kormorane, die Reiher, die Fischotter, aber auch der Eisvogel. Doch was soll's, zum Bierbrauen war das Wasser allemal gut, wie das unmittelbar an der Vils gelegene Wassersteftenhaus mit der Wasserpumpe zur Versorgung der einst gegenüber liegenden Kommunbrauerei belegt.

Der Amberger Marktplatz beim Jahrhunderthochwasser 1909. Gondoliere sind mit ihren Booten unterwegs.

Wasserqualität viel besser

Trotz allem diente die Vils auch als Badewasser. Zumindest im (auslaufenden) Mittelalter war anscheinend Nacktbaden beliebt, denn während der Reformation wurde dies ausdrücklich verboten. In der Neuzeit gab es, nach Geschlechtern getrennt, mehrere Vils-Badeanstalten, auch solche für das Militär, bis 1926 das Hockermühlbad, gespeist vom Ammerbach, eingerichtet wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden im Oberlauf die ersten Vilskorrekturen statt. Mit dem größten Eingriff 1934 im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Amberg schossen die Nationalsozialisten ein Eigentor. Statt weniger zu werden nahmen die alljährlich durch das Hochwasser angerichteten Schäden zu. In der Neuzeit war 1909 das Jahrhunderthochwasser, Gondoliere fuhren auf dem Amberger Marktplatz.

Eine Waschbank in der Vils um 1915.

Waschen auf den Bänken

Doch damit nicht genug. Auf Waschbänken in der Vils wuschen noch im 20. Jahrhundert Frauen die Wäsche, auf der Bleichwiese, dort wo heute das Kurfürstenbad steht, wurde diese getrocknet. Noch in den 1960er Jahren befanden sich im Bereich der Schiffgasse Fischkästen, in denen die dort ansässigen Fischer ihre Fische hälterten. An jedem Hammer, an jeder Mühle musste das Wasser aufgestaut werden. Heute dienen die Stauwerke zum Leidwesen der Paddler der Stromgewinnung.

Und wie war das mit der "guten, alten Zeit"? Wäre im 16. Jahrhundert jemand mit dem Boot von der Hämmerleinsmühle bis Kallmünz gefahren, hätte er ganze drei Mal Maut bei Grenzübertritten berappen müssen: Parkstein-Weiden - Hochstift Bamberg - Obere Pfalz - Junge Pfalz.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.