02.01.2019 - 13:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Der fast vergessene Kampf des Peter Forster

Seine Fluchtgeschichte sorgte in den 1930er Jahren deutschlandweit für Aufsehen - Peter Forster. Anlässlich seines 80. Todestages gedenken SPD-Mitglieder des Amberger Freiheitskämpfers.

SPD-Mitglieder in den Franz-Xaver-Kemeter Räumen beim Vortrag von stellvertretendem Stadtverbandsvorsitzendem Dieter Weiß über die bewegende Geschichte von Sozialdemokrat und NS-Opfer Peter Forster, dessen Todestag sich zum 80. Mal jährte.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Viele wünschen sich, dass der Fall Forster bald vergessen sein möge. Vielen kann Forsters Grab gar nicht fest genug geschaufelt sein", hieß es in den 1930er-Jahren in einer Thüringer Zeitung. Peter Forsters Geschichte, der aus Gaisheim bei Neukirchen in der Nähe von Sulzbach-Rosenberg, stammt, sorgte zur Zeit des Nationalsozialismus über die Grenzen des Landkreises hinweg für Aufsehen. Dieter Weiß, stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender der SPD, tauchte nun tief in die Geschichte des früheren SPD-Mitglieds ein.

"Das braune Haus"

Peter Forster, geboren 1911, lebte zu einer Zeit in Amberg, als die Untere Nabburger Straße fortan Adolf-Hitler-Straße hieß und das heutige Wöhrl-Gebäude besser bekannt war als "Das braune Haus" - die Parteizentrale der NSDAP in Amberg. Im Alter von 16 Jahren schloss sich Forster der sozialistischen Arbeiterjugend an, 1929 wurde er Mitglied der SPD und war bis zum Verbot der Partei 1933 Kassierer des Ortsvereins.

Obwohl die Wohnung der Forsters keine 100 Meter entfernt vom "Braunen Haus" lag, fing Forster an, illegal Flugblätter und Zeitungen zu verteilen. Zweimal wurde er deswegen verhaftet, bis er schließlich 1937 ins Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert wurde. "Sein Hass auf alles, was Nazi hieß, ließ seine Absicht zur Flucht wachsen", erklärte Weiß den Zuhörern im Franz-Xaver-Kemeter-Haus an der Seminargasse. Am 13. Mai 1928 war es so weit: Peter Forster und sein Mitgefangener Emil Bargatzki schlugen einen Wachmann nieder und flüchteten. In dem Konzentrationslager herrschten laut Zeugenberichten danach besonders grausame Zustände. Eine gelungene Flucht war eine Besonderheit, ein dabei getöteter Wachmann eine Sensation. Für die beiden Flüchtigen wurde eine Summe von 1000 Reichsmark als Belohnung ausgesetzt. Das durchschnittliche Monatseinkommen lag im Jahr 1938 laut Dieter weiß bei 165 Reichsmark. Am 22. Mai 1939 wurde Emil Bargatzki in Stendal festgenommen und zum Tode verurteilt.

Peter Forster schlug sich bis in die Tschechoslowakei durch, dort hatte zeitweise das Zentralorgan der Exil-SPD "Der Neue Vorwärts" seinen Sitz. In einer Ausgabe kam Peter Forster auch selbst zu Wort und forderte alle Sozialdemokraten auf, sich dafür einzusetzen, seine Auslieferung nach Deutschland zu verhindern. "Der Neue Vorwärts" richtete deutliche Worte an die tschechoslowakische Regierung, die auch heute noch aktuell sein könnten: "Sollte es in Europa kein Asyl mehr geben für Freiheitskämpfer, die sich unter Einsatz ihres Lebens aus der Hölle der Folter gerettet haben?" In ganz Deutschland gab es Sympathien für den Geflohenen. Peter Forster wurde zum Spielball der internationalen Politik und dem Machtgerangel zwischen der Tschechoslowakei und Nazi-Deutschland. Forsters einzige Option für eine Ausreise in ein für ihn sicheres Land war der Luftweg. Doch das rettende Flugzeug hatte Verspätung und das Außenministerium hatte Wind von dem Plan bekommen. Trotz der Bemühungen von französischen Sozialisten und englischen Zeitungen, wendete sich das Blatt nicht. Peter Forster wurde nach Deutschland ausgeliefert und zum Tode verurteilt. Im Konzentrationslager Buchenwald am Ettersberg herrschten am 21. Dezember 1938 minus 18 Grad. Alle circa 10 000 Insassen standen laut Dieter Weiß in Reih und Glied auf dem Appellplatz, einige Ehrengäste wurden eingeladen. Peter Forster wurde um 18.45 Uhr im Alter von 27 Jahren gehängt.

Peter Forsters Erbe

In einem Nachruf im "Neuen Vorwärts" ist zu lesen: "Peter Forster war kein Mörder. Er hat um seine Freiheit gekämpft, die man ihm ohne Grund und Recht geraubt hatte. Er hat das getan, was das ganze deutsche Volk einmal wird tun müssen, wenn es seine Freiheit und die Welt ihren Frieden finden will."

Peter Forster (1911-1938), SPD-Mitglied und Freiheitskämpfer.
Straßenumbenennung aus dem Einwohnerverzeichnis der Stadt Amberg 1935.
Karikatur im "Neuen Vorwärts", dem Zentralorgan der Exil-SPD zur Zeit des Nationalsozialismus.
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