24.09.2021 - 15:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Farbenfroh und lecker: Auf den Kürbis gekommen

Mit dem Kürbis hat Anna Ulrich schon länger geliebäugelt. Heuer wagte sich die Spargelbäuerin, die mit ihrem Mann Christoph den Laubhof bei Hahnbach bewirtschaftet, an den Anbau – und ist nach wie vor fasziniert von diesem Herbstgemüse.

Anna Ulrich vom Laubhof hat sich heuer erstmals an den Anbau von Kürbis gewagt. Markenzeichen der Pflanzen sind die großen Blätter und die langen, sehr rankfreudigen Triebe.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

„Ich mag ihn einfach“, sagt Anna Ulrich. Gemeint ist der Kürbis, ein Gemüseklassiker der Herbstküche. Sie mag ihn, weil er an tristen, grauen, nebligen Herbsttagen auf dem Feld oder im Garten orangerot leuchtet. Und weil er sich so vielfältig zubereiten lässt. Schon länger überlegte sie, ob sie Kürbis anbauen sollte. Heuer wagte sie sich daran, zumal beim Anpflanzen eines neuen Spargelfeldes auf dem Laubhof eine Restfläche von 3300 Quadratmetern frei geblieben war.

Auf dem Hof der Ulrich türmen sich die Strohquader. Darauf setzt Anna Ulrich ihre frisch geernteten Kürbisse. Reif ist er, wenn er – ähnlich wie Brot – hohl klingt, wenn man an ihm klopft und der Stängel verholzt ist. Oder, wie es die Fachfrau nennt: verkorkt. Anna Ulrich schnappt sich einen Hokkaido, die hierzulande bekannteste und wohl auch beliebteste Sorte. Seine orangefarbene Schale glänzt in der Spätsommersonne. Behutsam streicht Anna Ulrich darüber. „Die Oberfläche ist wachsartig“, erklärt sie. Ein weiteres Zeichen, dass der Hokkaido reif ist. Wäre er es nicht, wäre er noch leicht behaart.

Schale kann man mitessen

Warum der Hokkaido so beliebt ist? Anna Ulrich kann nur mutmaßen. „Weil man seine Schale mitessen kann“, sagt sie. Im Gegensatz zur Bischofsmütze: Dieser Kürbis muss geschält werden. Anna Ulrich greift sich ein Exemplar dieser Sorte. Zu Unrecht trägt er seinen Namen sicher nicht. Er ähnelt frappierend der Kopfbedeckung von Bischöfen.

Vielleicht greifen Verbraucher auch gerne zum Hokkaido, weil er eine für sie angenehme Größe hat, ein Exemplar ideal für einen mittleren Haushalt mit vier bis fünf Personen ist. Blue Doll, mit leicht grau-bläulicher Farbe und einem bisschen festeren Fruchtfleisch, hingegen sei vielen schon zu groß. Dabei eigne er sich hervorragend für Aufläufe oder wenn man den Kürbis panieren und in der Pfanne rausbraten will. Auch zum Dünsten eigne er sich hervorragend. Vielleicht sei es auch so, dass die meisten Leute vom Geschmack her den Hokkaido bevorzugen. „Er schmeckt leicht nussig“, weiß Anna Ulrich.

So erkennen Sie, wann Gemüse reif ist

Der Buttercup hingegen – und das verrät schon sein Name – sei buttrig im Geschmack. Auch sei sein Fleisch nicht orange wie das des Hokkaido, sondern gelb. Blue Doll wiederum hat ein dunkeloranges Fleisch. „Das Auge isst ja auch mit“, sagt Anna Ulrich. Angebaut hat sie circa 20 verschiedene Sorten, darunter auch einige Sorten Zierkürbisse, die eine ganz feste Schale haben. Zum Verzehr sind sie nicht geeignet, dafür aber machen sie in der Herbstdeko mächtig was her. Und lustig schauen sie obendrein aus mit ihren teils bizarren Formen.

Kürbis macht sich gerne breit

Mit gut 350 Pflanzen waren die Ulrichs gestartet, hatten pro Pflanze etwa einen Quadratmeter an Platzbedarf veranschlagt. „Der Platz hätte größer sein können“, sagt Anna Ulrich selbstkritisch. Der Kürbis nämlich macht sich gerne breit. „Der kriegt richtige Arme“, beschreibt Anna Ulrich die langen Ranken. Verständlich, dass manche Leute die Kürbispflanze mehr als Unkraut sehen denn als Lieferant schmackhaften Gemüses. Über eine Firma hatten die Ulrichs das Saatgut bezogen, in Töpfchen vorgezogen. Ausgepflanzt werden darf der Kürbis, der eine einjährige Pflanze ist, erst nach den Eisheiligen. „Die Sämlinge sind sehr empfindlich.“ Bekommt der Kürbis Frost ab, erfriert die Pflanze – nicht wie beim Spargel, dessen Köpfchen nur erfrieren, die Pflanze aber überlebt.

Anna Ulrich verhehlt nicht, dass sie im Jahr eins ihres Kürbis-Anbaus auch Lehrgeld bezahlt hat. So gingen manche Keimlinge nicht auf. Und ob die Kürbisse an jenen Pflanzen, die sie nachgepflanzt hat, noch erntereif werden, hängt vom Wetter ab. Geerntet werden müsse vor dem ersten Frost. Und da Ende September durchaus schon Fröste kommen können, könnte es knapp werden mit der Zeit.

Bestäubung auch per Hand

Das Bestäuben übernehmen Insekten für die Kürbispflanzen. Damit Bienen diese Aufgabe zuverlässig erledigen, müsse das Wetter passen. Bei kalter Witterung seien einfach weniger Bienen unterwegs. Wer angesichts des munteren Treibens der Insekten zwischen den männlichen und weiblichen Blüten keine unerwünschten Kreuzungen will, kann das Bestäuben auch per Hand erledigen. Ratsam sei, ähnliche Sorten beieinander zu pflanzen.

Aus Knubbel wird Kürbis

An den weiblichen Blüten befindet sich ein kleiner Knubbel. Daraus entwickelt sich, wenn es mit der Bestäubung geklappt hat, die Frucht. Sie wird größer und größer – bis sie schließlich ein reifer Kürbis ist. Aus männlichen Blüten hingegen wachsen nie Früchte, sie haben diese Knubbel überhaupt nicht. Dass sich der Spätsommer von seiner schönsten Seite zeigt, tut dem Kürbis, der eine robuste Pflanze ist und dem sandiger Boden gefällt, gut. „Günstig ist auch das momentan trockene Wetter“, weiß Anna Ulrich. Die größten Kaliber unter den Kürbissen sind die Schnitzkürbisse. Bis zu zehn Kilo bringen sie auf die Waage. Vor allem um Halloween haben sie ihren großen Auftritt – als gruselige Gesichter, schaurig-schön. Anna Ulrich erzählt, dass schon einige Amerikaner gekommen seien, um Schnitzkürbisse zu kaufen. „Je größer, desto besser“ sei da die Devise.

Küchentechnisch lässt sich der Kürbis vielfältig einsetzen. Und da sind die Möglichkeiten weitaus größer als nur Suppe aus ihm zu machen. Anna Ulrich hat ein paar Tipps für Hobbyköche parat: Kürbis in eine Hackfleischsauce raspeln, Chutney aus ihm machen, Holunder, Apfel und Kürbis miteinander (jeweils ein Drittel) als herbe Marmelade kombinieren, Kürbis wie Essiggurken einlegen und zur Brotzeit essen. Lecker sei auch ein Kürbis-Auflauf oder eine mit Kokosmilch verfeinerte Kürbissuppe. Als vegetarisches Schnitzel lasse sich dieses Gemüse panieren und braten. Da komme es auf den richtigen Zeitpunkt an, ihn aus der Pfanne zu nehmen – damit er noch bissfest ist und nicht lätschert, wie man in Bayern so schön sagt. Aus ihrem Elternhaus kennt die fünffache Mutter die Kürbis-Bowle. „Die gab’s immer an Weihnachten.“

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Service:

Kürbis-Bowle

Als Rezepttipp hat Anna Ulrich eine Kürbis-Bowle parat. "Die gab's bei uns immer an Weihnachten", erinnert sie sich an früher.

  • Zutaten: 5 Pfund Kürbis, 2 Pfund Zucker, 2 Liter Weißwein (trocken), 2 Päckchen Vanillezucker, Saft von 6 Zitronen, 5 Nelken, Sekt
  • Zubereitung: Kürbis klein schneiden, mit Weißwein und allen anderen Zutaten circa acht bis zehn Minuten kochen. Dann die Nelken entfernen und mit Sekt auffüllen.
  • Einwecken: Die Kürbis-Bowle wie oben beschrieben zubereiten und nach dem Kochen heiß in Gläser abfüllen. Diese 20 Minuten bei 75 Grad wecken. Bei Bedarf ein Glas aufmachen und die Bowle mit Sekt auffüllen.

 

 

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