24.06.2021 - 12:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Fallen im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

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Wegen Corona hat der Eichenprozessionsspinner heuer im Frühjahr seine Fress-Wanderung nicht abgesagt; es war die Kälte im März/April, die die Entwicklung des wetterabhängigen Nachtfalters verzögerte. Weg war er also nie.

In diesem Jahr kontrolliert Thomas Penzkofer erstmals den aktuellen Befall der Eichen und hängt Fallen mit weiblichen Hormonstoffen an den Bäumen auf. Die Fallen würden nicht nur Aufschluss über den Bestand des Eichenprozessionsspinners geben, sondern auch die Männchen unschädlich machen.
von Adele SchützProfil

„Der Eichenprozessionsspinner vermehrt sich nach der Devise ‚Je wärmer, umso besser‘, und deshalb kam es durch die heißen, trockenen Sommer als Folge des Klimawandels zu einer Massenvermehrung dieses heimischen Nachtfalters in den vergangenen Jahren“, informiert Thomas Penzkofer, Mitarbeiter im Stadtplanungsamt und Fachmann der Stadt Amberg für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.Durch den Anstieg der Temperaturen in den vergangenen zwei Wochen, als es nach dem frostigen Frühjahr über die 30 Grad-Marke hinausging, sichtete der Fachmann an einigen Eichen in Amberg verspätet die charakteristischen Gespinste des Eichenprozessionsspinners. Diese bauen die Raupen im fünften Larvenstadium. Bereits im dritten Larvenstadium bilden sie die für den Menschen gefährlichen Brennhaare aus.

„Diese Brennhaare der Raupen enthalten ein gewisses Eiweiß, das beim Menschen allergische Reaktionen auslösen kann, wobei man mit den Brennhaaren nicht einmal in Kontakt kommen muss. In betroffenen Gebieten schweben die Brennhaare wie Staub in der Luft und lösen ebenfalls allergische Reaktionen aus. Auch die Brennhaare, die an einmal befallenen Bäumen zurückbleiben, behalten bis zu sechs Jahre ihre allergische Wirkung“, informiert Thomas Penzkofer.

Raupen wollen fressen

Seine Hauptaufgabe in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beginne im Normalfall im Frühjahr im März/April, sobald die Temperaturen auf 10 bis 15 Grad steigen. Denn da sind die Raupen aus den im Herbst gelegten Eiern geschlüpft und wollten nur eins: Fressen. "Die Raffinesse der Natur liegt darin, dass die frisch geschlüpften Raupen bei Frost im Frühjahr bis zu vier Wochen ohne Futter überleben können; erst dann wird es mit dem Überleben eng", erklärt der Fachmann. Die Raupen würden dann bis Anfang Herbst im September/Oktober aktiv sein, hätten sie doch sechs Entwicklungsstadien zu durchlaufen, bis sie sich verpuppen und zum Nachtfalter werden.

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Amberg

„Die Bekämpfung ist deshalb so heikel, weil man die kleinen Raupen mit wenigen Millimetern im Anfangsstadion ihrer Entwicklung, die sich vorwiegend im oberen Stammbereich der alten Eichen mit stattlichen Höhen aufhalten, nicht einmal mit dem Fernglas sehen kann. Sobald sie sich später als gut genährte Raupen nach den ganztägigen Fressorgien in Nestern am unteren Stammbereich der Eichen für uns sichtbar nachts zusammenfinden, wird die Bekämpfung schwierig“, informiert Penzkofer. In Sachen Bekämpfung ist es bei der Sichtung der Nester für Penzkofer höchste Zeit, zu handeln.

Gelernter Gärtner

Bereits im siebten Jahr ist der gelernte Gärtner und zertifizierte Baumkontrolleur für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in der Stadt Amberg verantwortlich und hat angesichts eines großen Eichenbestands alle Hände voll zu tun. Ständige Kontrolle der Eichen ist für ihn ein Muss. Sobald der Befall einer Eiche festgestellt wurde, bekommt sie ein rotes Bändchen, und er leitet die Beseitigung des Befalls in die Wege. Brennpunkte seiner Arbeit sind der Waldfriedhof in Raigering, das D-Programm, die Kräuterwiese und der Mariahilfbergweg, aber auch der Eichenbestand im gesamten Stadtbereich. Penzkofer setzt auf vier Methoden im Rahmen einer gezielten Bekämpfung. Vorbeugend werden die Eichen mit Neemöl, einem Fraßgift auf biologischer Basis, gespritzt. Diese Methode greife laut Penzkofer nur vorbeugend und im Frühstadium der Raupen. Als zweite und effektivste Methode gelte das Absaugen mit einem Spezialsauger, das von einer Fremdfirma und deren Arbeitern mit Schutzausrüstung vorgenommen wird. Das Absaugen sei nötig, wenn die Raupen begonnen haben, ihre Gespinste zu bauen. Mit dem Absaugen werden auch die Brennhaare vom befallenen Baum entfernt, die sich ansonsten bis zu sechs Jahre nach dem Befall halten und so lange auch allergische Reaktionen beim Menschen auslösen können. Weiter setzt Thomas Penzkofer bei der Bekämpfung auf die natürlichen Fressfeinde der Raupen, zu denen Meisen, Fledermäuse und der Kuckuck gehören. Erstere können sich über eine Vielzahl an Nistkästen freuen, die Penzkofer inzwischen zum Großteil an den Eichen aufgehängt hat.

Spinner macht Probleme im Waldbad

Sulzbach-Rosenberg

In diesem Jahr kontrolliert Penzkofer erstmals den aktuellen Befall der Eichen und hängt Fallen mit weiblichen Hormonstoffen an den Eichen auf, auf die die liebestollen Nachtfaltermännchen fliegen. Die Fallen würden nicht nur Aufschluss über den Bestand des Eichenprozessionsspinners geben, sondern auch die Männchen unschädlich machen. „Die Auswertung der Fallen im Herbst wird spannend“, bemerkt Penzkofer.

Gesundheit oberste Priorität

Die Gesundheit der Bürger hat bei der Stadt Amberg oberste Priorität, heißt es, und deshalb betreibt diese nun bereits im siebten Jahr eine gezielte Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und nimmt dafür auch rund 45 000 Euro jährlich in die Hand. Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wurde unter dem städtischen Bauamt am Stadtplanungsamt eine extra Stelle für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners geschaffen, die mit Thomas Penzkofer aufgrund seiner Ausbildungen in der Stadtgärtnerei und seinen Zertifizierungen als Baumkontrolleur und Baumpfleger besetzt wurde. Er pflegt auch in seiner Aufgabe, wie er sagt, überregional gute Kontakte, um die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zu optimieren.

Hintergrund:

Allergische Reaktion auf die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners:

  • Symptome: Quaddeln, Pusteln, Papeln oder Knötchen, die Insektenstichen ähneln; gerötete Hautstellen; Juckreiz meist an Hals und Nacken, Gesicht, Unterarmen und vor allem in den Armbeugen sowie an den Unterschenkeln und Füßen.
  • Hilfe: Kortisonhaltige Salben aus der Apotheke.
  • Wichtig zu wissen: Mitunter kann es auch zu schweren allergischen Reaktionen wie Atemnot, Übelkeit, Schwindel kommen. Dann sofort den Rettungsdienst rufen.

 

 

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