28.04.2021 - 16:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Die exotischen Pflanzen der Stadtgärtnerei Amberg im Winterquartier

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Das Gewächshaus der Stadtgärtnerei Amberg gleicht momentan einer Pflanzen-Kita. Hier wächst alles heran, was nach den Eisheiligen ausgepflanzt wird. Hier gedeihen aber auch veritable Riesen. Ein Besuch bei den Exoten der Stadtgärtnerei.

Bernhard Richter, Chef der Amberger Stadtgärtnerei, inmitten der exotischen Palmen, von denen manche schon ein Alter von etwa 80 bis 100 Jahren erreicht haben.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Bernhard Richter, Chef der Amberger Stadtgärtnerei, öffnet die Tür zum ersten Gewächshaus. Die Frühjahrssonne hat es anständig aufgeheizt. Normalerweise hat es zwischen sieben und zehn Grad. Durchaus eine Temperatur, bei der sich viele Pflanzen im Winter wohlfühlen. Zum Beispiel mediterrane Sorten wie Olivenbäumchen oder Zitrusfrüchte. Die Riesen, stattliche Gewächse wie die Hanfpalmen, deren Heimat das chinesische Bergland ist, stehen schon draußen. Und gewöhnen sich langsam an die Outdoor-Saison.

Durchs Gewächshaus schwirrt eine Hummel. Zielstrebig steuert sie ein Zitronenbäumchen an. „Die Hummeln bestäuben schon“, stellt Bernhard Richter zufrieden fest. Er hebt das Blatt eines Zitronenbäumchens an. Die Blattachsen sind grün, der Rest des Blattes geht ins Gelbliche. Das würden Hobbygärtner oftmals als Eisenmangel deuten, erklärt Richter. Dem sei aber nicht so. Vielmehr zeige dieses Blattbild an, dass der pH-Wert der Erde zu niedrig ist. „Für Zitrusfrüchte solle er bei etwa sechs liegen“, weiß der Experte und rät zu Algenkalk, um den niedrigen pH-Wert zu erhöhen. Dessen Ursache liege übrigens darin, dass viel mit Regenwasser gegossen werde. Oder mit weichem Wasser, was in Amberg der Fall ist. Richter hat noch einen Tipp für Hobbygärtner parat: Größter Gefahr für die Zitrone sei, wenn ihr Phosphorgehalt zu hoch ist. „Das mag sie überhaupt nicht.“

Wärme fördert das Wachstum

Für viele Pflanzen, die bei der Stadtgärtnerei Jahr für Jahr im Gewächshaus überwintern, reichen sieben, acht Grad völlig aus. Für manche sei es gar eine optimale Temperatur. Wäre es wärmer, wäre dies für sie ein Reiz zum Wachstum. Dann allerdings bräuchten sie viel Sonnenlicht. Und gerade das ist in den trüben Monaten häufig Mangelware. „Dann müsste man mit künstlichem Licht nachhelfen, aber das wäre ein zu großer Aufwand.“

Die ältesten Gewächse, die die Stadtgärtnerei in ihrer Obhut hat, dürften 80 bis 100 Jahre alt sein, schätzt Richter. Dies seien die Phoenixpalmen, die im Sommer den Hindenburgplatz oder den Englischen Garten zieren. Um sie zu transportieren, ist ein Lkw mit Ladekran erforderlich. Zu dritt müssen die Mitarbeiter anpacken, um überhaupt den Kübel bewegen zu können. Die großen Palmen werden nicht ausgetopft, sondern mit Kübeln in die Erde gesetzt. Raus in die städtischen Grünanlagen dürfen sie erst, wenn die Eisheiligen vorbei sind – also nach dem 15. Mai. Zurück ins Winterquartier geht’s Ende September, Anfang Oktober.

"Alte Knaben" zieren den Maxplatz

Momentan stehen sie neben dem Gewächshaus draußen, gewöhnen sich so an das Licht und die Temperaturen. Wobei sie durchaus ein bisschen Frost vertragen, wie Richter erklärt. Im Gegensatz zur Banane: „Die verträgt überhaupt keinen Frost.“ Drei Exemplare stehen aktuell im Gewächshaus. In unmittelbarer Nähe Fuchsien, die im Laufe der Jahre zu properen Hochstämmchen herangewachsen sind. Ihr Alter schätzt Bernhard Richter auf etwa 40 Jahre. „Alte Knaben“, nennt er sie liebevoll und kündigt an, dass sie auch heuer wieder das Denkmal am Maxplatz zieren werden.

Doch auch sie müssen für den Umzug ins Freie bis nach den Eisheiligen warten. „Wir halten uns streng daran“, sagt Bernhard Richter über die Gedenktage von Pankrazi, Servazi und Bonifazi und die kalte Sophie, die nicht selten Mitte Mai nochmals frostige Nächte bescheren. Richter erinnert sich an die Landesgartenschau vor 25 Jahren: Damals habe es sogar Ende Mai nochmals Frost gegeben.

Ruhige Zeit für Dekopflanzen

Eine Etage höher, im nächsten Gewächshaus, stehen all die Pflanzen, die auch in heimischen Wohnzimmern zu finden sind. Die Zimmerpflanzen, die bei wohligen 18 bis 20 Uhr ihre Besitzer mit prächtigem Wuchs und mitunter farbenfroher Blüte erfreuen. „Das sind hauptsächlich unsere Dekopflanzen“, informiert Richter. „Aber wegen Corona haben wir heuer keine einzige Deko gemacht.“ Will heißen: Alle Veranstaltungen der Stadt in Präsenz entfielen wegen der Pandemie, weshalb auch kein Blumenschmuck nötig war. Ansonsten werden tropische Pflanzen auch als Innenraumbepflanzung im Kurfürstenbad verwendet – doch auch das hat momentan zu, an der Blütenpracht dort kann sich niemand erfreuen.

Der Chef der Stadtgärtnerei deutet auf einige Exemplare der robusten und eher genügsamen Schusterpalme. „Sie ist wieder groß in Mode gekommen“, weiß der Garten-Experte. Gleiches gilt für den Bogenhanf, ähnlich robust und lange Zeit als langweilige Büropflanze und grüner Staubfänger verpönt.

Den Pflanzen selbst tut’s gut, dass momentan keine Veranstaltung sind, die sie floral aufhübschen sollen. Bernhard Richter kennt die Befindlichkeiten seiner Schützlinge: „Dekorationen bedeuten für die Pflanzen immer Stress.“ Sie müssen hin- und hergefahren werden, sind Zugluft ausgesetzt, bei der Veranstaltung kippt ihnen jemand sein Bier, das er nicht austrinken will, in die Blumenerde. Die Maranten mögen es nicht, wenn ihnen jemand bei Veranstaltungen zwangsläufig auf die Pelle, sprich Blattwerk, rückt – die tropischen Gewächse mit auffällig gemusterten Blättern sind sehr berührungsempfindlich.

Ungebetene Gäste im Gewächshaus

Mitunter machen es sich ungebetene Gäste in den Gewächshäusern breit. Schädlinge fernzuhalten, das gehe gar nicht, bedauert Richter. Er und seine Kollegen setzen allerdings auf die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge. So kommen bei Tripse und Spinnmilben so genannte Raubmilben zum Einsatz. Ansonsten setzt die Stadtgärtnerei auf Pflanzenstärkungsmittel. Das stärke die natürlichen Abwehrkräfte der Pflanzen, sorge für einen vitaleren Wuchs und mache sie widerstandsfähiger.

Pflanztöpfchen an Pflanztöpfchen: Ein Blick in die Blumen-Kita der Amberger Stadtgärtnerei.
Die Stadtgärtnerei Amberg besitzt prächtig gewachsene Fuchsien-Hochstämme. Bernhard Richter nennt sie ob ihren Alters von rund 40 Jahren liebevoll "alte Knaben".
In diesem Gewächshausbereich der Stadtgärtnerei hat es im Winter circa sieben bis zehn Grad und damit eine perfekte Temperatur für mediterrane Sorten.
An diesem Olivenbäumchen hängen schon die Früchte.
Pflanzenbabys in Hülle und Fülle: Hier zieht die Stadtgärtnerei die Blumen für den Sommerflor der Grünflächen heran.
Zum Anbeißen süß, diese Zitrusfrüchte.
Die Blattachsen sind grün, der Rest des Blattes geht ins Gelbliche über: Nein, hier hat sich kein Schädling eingenistet. Vielmehr zeigt das Zitronenbäumchen an, dass es Mangelerscheinungen hat.
Beeindruckt durch ihre Blüten: die Zantedeschia, eine anmutige Schönheit, ursprünglich in den südafrikanischen Sümpfen beheimatet. Die Stadtgärtnerei verwendet ihre Blüten hauptsächlich für Gestecke.
Eine Hummel hat den Weg ins Gewächshaus der Stadtgärtnerei gefunden und nascht am Zitronenbäumchen.

Stadtgärtner sorgen dafür, dass es in Amberg grünt und blüht

Amberg

 

 

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