18.03.2019 - 14:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Evolution im Rückwärtsgang

"Das war ein Feuerwerk an Leidenschaft", bilanziert Sebastian Sonntag, Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung. Er meint damit den Auftritt des bekannten Journalisten Franz Alt und dessen Vortrag "Lust auf Zukunft".

Sebastian Sonntag (links) und Hans Bauer (Mitte) von der Katholischen Erwachsenenbildung freuen sich, mit Franz Alt einen renommierten und eloquenten Gast bei sich im Musikomm zu haben.
von Autor MMAProfil

Im gut gefüllten Musikomm begeisterte der ehemalige Moderator des Politmagazins Report mutig-provokant, mit Wissen, Erfahrung und Optimismus. Sein Plädoyer galt primär einer deutlich intensiveren Nutzung der Sonnenenergie. Einwände dagegen seien "einfach geistlos", sagte der 80-jährige Autor.

Mit erschreckend konkreten Zahlen konfrontierte der Gast seine Zuhörer. Bereits jetzt gebe es wegen des Klimawandels neun Millionen Tote pro Jahr. Jeder zweite Mensch werde vorzeitig sterben, wenn das so weitergehe. 150 Tiere und Pflanzen würden pro Tag ausgerottet. Dadurch, dass die Menschen Gott ins Handwerk pfuschen, laufe die Evolution rückwärts. Da aus dem Homo sapiens mittlerweile ein "Homo Dummkopf" geworden sei, werde dieser dank seines eigenen Selbstmordprogramms wohl auf absehbare Zeit verschwinden. Der Mensch verbringe mehr Zeit im Stau als mit Sex. Um 50 000 Hektar wachse die Wüste Tag für Tag. Nicht zuletzt sei dafür vor allem der Lebensstil der westlichen Welt verantwortlich, wo ein jeder 40 Mal mehr Energie verbrauche als ein Afrikaner. 150 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Tag in Europa und Zehn-Liter-Autos führten damit direkt zu den dadurch verursachten Klima-Flüchtlingen. Das Artensterben sei inzwischen sogar um den Faktor 1000 schneller als je zuvor. Diese Dramatik zeige auch die Gletscherschmelze, die das Überleben von Millionen Menschen bedrohe. Da alles mit allem zusammenhänge, werde die Erde konsequenterweise zu einem Treibhaus: "Kaum mehr bewohnbar für unsere Enkel." Die Vision von Stephen Hawking, den Kosmos zu verlassen, erfordere aber wohl eine Reisezeit von 15 Millionen Jahren und sei somit kaum eine Alternative. Mehrere Kehrtwenden seien deshalb notwendig.

60 bis 80 Prozent an Einsparungen seien bei der Wärmeenergie möglich, und dezentrale Energiequellen die einzig richtige Antwort. Alt wörtlich: "Billiger Atomstrom ist die Lachnummer ohnegleichen der Obergauner." Seine Frage: "Warum den Scheichs Millionen für Öl schicken, wenn ein bisschen mehr Intelligenz viel mehr bringt. Und das ohne Verzicht und Opfer." Franz Alt zeigte viele Beispiele von gelungenen und architektonisch schönen Bauwerken, bei denen bereits Solarenergie perfekt genutzt werde. Auch Kirchen eigneten sich übrigens oft dafür.

Mit dem Dalai Lama forderte Alt bereits eine "Ethik jenseits aller Religionen". Doch müsse vor allem eine "heute unendlich wichtige Reformation" aus Nazareth kommen: "Wir bräuchten eine echte Jesus-Renaissance." In der Diskussion mit dem Publikum klärte Alt noch manche Fragen. Starker Applaus dankte dem Kosmopoliten für seinen Einsatz für eine zukunftsfähige Welt.

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