26.10.2020 - 11:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Entscheidung über Kulturhauptstadt 2025: Amberg fiebert mit

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Am Mittwoch steht fest, ob Nürnberg den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" bekommt. Sollte die Stadt den Zuschlag erhalten, dürften auch in Amberg die Sektkorken knallen. Die Geschäftsführerin der Metropolregion erklärt, warum.

Hier wird Nürnberg ins beste (Mond)licht gerückt: Am Mittwoch entscheidet sich, ob sich die Stadt Kulturhauptstadt Europas 2025 nennen darf. Unser Archivbild mit dem aufgehenden Vollmond über der Burg stammt aus dem Jahr 2016.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Christa Standecker leitet die Geschäftsstelle der Metropolregion Nürnberg, eines Zusammenschlusses von 23 Landkreisen und kreisfreien Städten rund um Nürnberg, der das Ziel hat, die Region zu vernetzen und auf europäischer Ebene sichtbarer zu machen. Standecker stammt aus Hahnbach und pflegt enge Beziehungen in den Raum Amberg.

ONETZ: Der Tag der Entscheidung naht. Ist es angebracht, in Amberg ein bisschen mitzufiebern?

Christa Standecker: Offiziell bewirbt sich die Stadt Nürnberg. Aber Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach sind ja auch mit im Boot. Die Metropolregion Nürnberg ist mit 42 Städten, Landkreisen und Bezirken aber mit großem Engagement dabei. Von Anfang an war die Bewerbung regional ausgerollt. Die Juroren haben die Einbindung der Metropolregion in der ersten Runde als starkes Alleinstellungsmerkmal der Nürnberger Bewerbung wertgeschätzt – wir hoffen, das ist ein gutes Zeichen für nächsten Mittwoch.

ONETZ: Wie könnte die Metropolregion und damit auch der Raum Amberg profitieren?

Dr. Christa Standecker: Mit der Kulturhauptstadt haben wir die Chance, unser Image mit neuen Themen anzureichern. Wir profitieren, wenn wir in Europa als kreative, lebendige und kooperative Region bekannt werden, eben als Heimat für Kreative, wie das Zielbild der Metropolregion heißt. Auch das Potenzial für die regionale Wirtschaft ist groß. Die belgische Kulturhauptstadt Mons hat 2015 erlebt, dass für jeden regional investierten Euro 5,50 Euro in die Region zurückgeflossen sind.  Das ist sicher nicht eins zu eins auf uns zu übertragen, ist aber ein Indikator für die Möglichkeiten.

Dr. Christa Standecker stammt aus Hahnbach und ist Geschäftsführerin der Metropolregion Nürnberg.

ONETZ: Kennen Sie schon konkrete Projekte, die für Amberg und Amberg-Sulzbach interessant werden könnten?

Dr. Christa Standecker: Amberg und der Landkreis haben sicherlich Einzigartiges zum Thema Industriekultur und Zukunft der Arbeit zu bieten. Von der Glaskathedrale von Walter Gropius bis zur weltweit digitalen Vorzeige-Fabrik von Siemens in Amberg lassen sich weitere Stationen zum Beispiel entlang des Erzweges denken. Oder: In den Lebensläufen und Werken der Künstler Michael Mathias Prechtl und Günter Dollhopf verbinden sich Nürnberg und Amberg in spannender Weise. Mit seiner barocken Malweise hat Prechtl die protestantisch geprägte Nürnberger Geschichte künstlerisch interpretiert und zur Selbstreflexion der Nürnberger Wesentliches beigetragen. Und das Luftmuseum: Der Amberger Leuchtturm kann sich unter verschiedensten Überschriften einbringen.

ONETZ: Ein Vorschlag aus dem Bewerbungsbuch sorgte bereits für Aufsehen: Das Projekt Doory-Telling. Was steckt dahinter?

Dr. Christa Standecker: Das Doory-Telling ist mein Favorit. Dabei sollen mit 2025 Türen überall in der Region Grenzen und Grenzerfahrungen markiert werden, die das Denken und Leben der Menschen beeinflussen. Das können harte Grenzen sein, wie der ehemalige Eiserne Vorhang, aber auch Kulturgrenzen wie die zwischen Franken und der Oberpfalz, oder kulinarisch zwischen katholischen und evangelischen Kücheln. Von Handwerken und Designern gestaltete Türen werden so zu Orten der Begegnung. Ich hoffe natürlich auch sehr auf mindestens eine Franken/Oberpfalz-Doory-Aktion in Weigendorf an der Grenze zwischen den Bezirken.

ONETZ: Welche Auswirkungen könnte der Titel auf den Tourismus haben? Auf was müssten sich unsere Touristiker einstellen?

Dr. Christa Standecker: Orientieren wir uns am Beispiel Ruhr: Ruhr 2010 eröffnete neue Museen, setzte 300 Projekte und 5000 Veranstaltungen für umgerechnet insgesamt 70 Millionen Euro um. Angelockt wurden insgesamt 10 Millionen Gäste, 6,5 Millionen Übernachtungen wurden gebucht. Das kann sich doch sehen lassen, oder? Aktuell beträgt das Budget der Bewerbung in Nürnberg rund 100 Millionen Euro. Davon bringen Kommunen aus der Region in Summe 6, 2 Millionen Euro ein.

ONETZ: Sagen wir mal, der Titel geht nach Nürnberg. Was raten Sie den Akteuren in Amberg und dem Landkreis. Womit sollten sie dann umgehend beginnen?

Dr. Christa Standecker: Wenn wir am Mittwoch gewinnen, sollten wir alle erst einmal ausgiebig feiern. Dann kann man das Ganze ruhig angehen. Bis 2025 wird noch viel passieren. Das Bewerbungsbuch skizziert sowohl Projekte, die auf das Kulturhauptstadtjahr hinführen, als auch die großen Umsetzungsprojekte für Jahr 2025. Dabei gibt es für die Kommunen noch viele Möglichkeiten, sich aktiv mit seinen Kulturakteuren vor Ort einzubringen. Die großen regionalen Projekte sind extra so konzipiert, dass sie offen und skalierbar sind – also im Idealfall durch die Beteiligung möglichst vieler Partner an vielen Orten in der Metropolregion Nürnberg stattfinden.

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