18.05.2021 - 16:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Ende der Impfpriorisierung: Kritik aus der Oberpfalz

Ab 7. Juni soll in Impfzentren und bei Hausärzten die Impfreihenfolge aufgehoben werden. Welche Auswirkungen hat das für Impfwillige aus der Oberpfalz? In den Zentren ist man von dem Plan überrascht worden. Ein Hausarzt übt Kritik.

Die Schalen mit Spritzen sind nicht wirklich voll: Gibt es überhaupt genügend Impfstoff gegen Covid-19, wenn Anfang Juni die Priorisierung aufgehoben werden soll? In der Oberpfalz wird das bezweifelt.
von Julian Trager Kontakt Profil

In den Impfzentren der Nordoberpfalz ist man von Jens Spahn einigermaßen überrascht worden. Der Bundesgesundheitsminister hatte am Montag angekündigt, die Impfpriorisierung am 7. Juni enden lassen zu wollen. Die regionalen BRK-Geschäftsstellen, die für die Impfzentren zuständig sind, wurden vorab nicht informiert – und können auch am Dienstag noch nichts dazu sagen. "Wir haben dazu und zur Umsetzung leider keine Informationen erhalten", schreibt Sven Lehner, stellvertretender Geschäftsführer des BRK Tirschenreuth, in einer Mail. "... die Pressmeldungen sind meist schneller." In den anderen Impfzentren der Region hört man Ähnliches.

"Ich gehe persönlich davon aus, dass sich überhaupt nichts ändern wird", sagt Sebastian Schaller, BRK-Kreisgeschäftsführer in Amberg-Sulzbach. Man müsse sich weiter registrieren und erhalte dann eine Einladung per Mail oder Telefon, je nach dem wie man sich angemeldet habe. Alles andere wäre technisch auch nicht möglich. "Es wird nicht möglich sein, dass einer vor der Tür steht und dann einen Termin bekommt."

Eine andere Frage ist, ob es Anfang Juni genügend Impfstoff gibt. Für Schaller besteht da "überhaupt keine Chance". Er habe vom Freistaat die Information bekommen, dass in den nächsten Wochen vor allem Impfstoff für die zweite Impfung kommt. "Mit der Ankündigung der Aufhebung der Impfpriorisierung ist keine Entspannung in Sicht", meint der Amberger BRK-Geschäftsführer.

Der Weidener Hausarzt Dr. Tobias Müller sieht den Plan kritisch. "Die Praxen werden mit Nachfragen überhäuft werden", glaubt er – es gebe ja bereits jetzt eine zu hohe Nachfrage bei zu wenig Impfstoff. "Aus ärztlicher Sicht geht es so auch nicht schneller", sagt Müller, der wohl einer der ersten Oberpfälzer war, der gegen Covid-19 geimpft wurde, der Weidener nahm im August 2020 an einem Impfstofftest teil.

Der Mediziner sieht mit dem Ende der Impfreihenfolge auch die Gefahr, dass die Altersschicht zwischen 50 und 70 übersehen wird. Junge Patienten ab 18 seien sehr impf- und reisewillig und kämen möglicherweise früher dran. Auch weil sie vielleicht technisch versierter seien. Das führe zu einem "individuellen Wettbewerb zwischen Patienten" nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", so Müller. "Das ist aber der falsche Ansatz im Gesundheitswesen." Außerdem glaubt Müller nicht, dass die Aufhebung der Priorisierung einen großen Nutzen hat. "Die, die sich impfen lassen wollen, machen das so und so – egal ob jetzt oder danach."

Am Montag hatte Bundesgesundheitsminister nach Beratungen mit seinen Länder-Kollegen beschlossen, in drei Wochen die Impfpriorisierung aufzuheben. Ab dem 7. Juni sollen sich alle Menschen in Deutschland einen Corona-Impftermin besorgen können – ohne die noch geltende feste Reihenfolge und vorausgesetzt, es gibt genügend Impfstoff.

Spahn kündigt Ende der Impfpriorisierung an

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