09.06.2021 - 11:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Einbrüche, Online-Betrug und "Movie Money": Kripo Amberg ein Jahr lang auf Trab gehalten

Er saß fünf Jahre Gefängnis ab, wollte eigentlich heim nach Mittelfranken und blieb in Amberg hängen. Was dann ab dem Sommer 2019 geschah, war eine ellenlange Serie von Straftaten. Jetzt gab es die Quittung: Knapp dreieinhalb Jahre Haft.

Seit der zweiten Jahreshälfte 2019 taucht immer mehr „Movie Money“ zur Täuschung im Zahlungsverkehr auf. Auch ein 30-Jähriger kam damit in Amberg mit dem Gesetz in Konflikt.
von Autor HWOProfil

Die Justiz hatte den 30-Jährigen lange weggesperrt. Über fünf Jahre Freiheitentzug verbüßte er wegen eines Erpressungsdelikts, bis er im Juli 2019 auf freien Fuß kam. Das Ziel wäre damals eigentlich seine mittelfränkische Heimat gewesen. Doch dann ließ er sich in Amberg nieder. "In einer Stadt, die ich nicht kannte", sagte der Mann jetzt vor dem Schöffengericht.

Nicht weit vom Marktplatz entfernt hatte der 30-Jährige ein Obdach bekommen. Von diesem Zimmer aus startete er eine tief in die Kriminalität hinein reichende Straftatenserie. In vier von Staatsanwalt Frank Gaßmann verlesenen Anklageschriften hatte sie die Ermittlungsbehörde zusammengefasst. Dabei offenbarte sich: Mehrere Fachkommissariate der Kripo wurden über ein Jahr lang auf Trab gehalten.

4000-Euro-E-Bike als Beute

Zunächst ging es um zwei Einbrüche. Der 30-Jährige drang nachts durch die gewaltsam aufgeschobene Tür in eine Amberger Apotheke, fand ein paar Geldscheine und nahm eine Vielzahl von Medikamenten mit. Einen Großteil davon brauchte er wegen seiner Rauschgiftabhängigkeit. Nicht lange danach tauchte der Mann aus Franken an einem Zweiradgeschäft neben der Bayreuther Straße auf, verschaffte sich gewaltsam Zugang und nahm ein 4000 Euro kostendes E-Bike mit.

Die lange Liste ging weiter. Von seiner Unterkunft aus begann der 30-Jährige mit Bestellungen im Internet. Handys trafen ein, auch andere Elektrogeräte brachte der Postbote. In einem Fall wurde sogar Rauschgift bei ihm angeliefert. Dabei spielten offenbar falsche Datenangaben eine Rolle. Sie stammten von einem Personalausweis, den der Mann im Haus seines Quartiergebers gefunden haben will.

Auf den ersten Blick wie echtes Geld

Für 25 Euro orderte der Wahl-Amberger via Internet einen Packen sogenanntes "Movie Money". Was dann vor ihm lag, erstaunte den 30-Jährigen: Gedrucktes Geld, das auf den ersten Blick wie echte Banknoten aussah. Bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2020 fand die Kripo 37 solcher Scheine. In der Anklageschrift stand aber auch, dass in 17 Fällen versucht worden war, die eigentlich zum Spielen gedachten Euronoten in den Zahlungsverkehr zu bringen. Dabei war wohl auch an sogenannten Hologrammen manipuliert worden. Nach der Polizeiaktion brachte man den 30-Jährigen in U-Haft.

"Ein Geständnis kann ihre Lage verbessern", sagte die Schöffengerichtsvorsitzende Kathrin Rieger nach einem von ihr, dem Staatsanwalt und dem Verteidiger geführten Rechtsgespräch. Daraufhin gab der Angeklagte sämtliche Vorwürfe zu. Allerdings mit der Einschränkung, dass die kriminellen Vorgehensweisen ihre Wurzeln in der Drogensucht hatten.

Bei Apotheken-Einbruch wohl mit Drogen abgefüllt

Die Abhängigkeit bestätigte der als Sachverständiger geladene Landgerichtsarzt Rainer Miedel. Der Mediziner riet den Richtern dringend dazu, eine längerfristige Therapie ins Urteil zu schreiben. Allerdings sah Miedel volle Verantwortlichkeit beim Täter. Mit einer Ausnahme: Zum Zeitpunkt des Einbruchs in die Apotheke, nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt, sei er wohl mit Drogen abgefüllt und nicht in der Lage gewesen, sein Handeln zu überblicken.

Der Einbruch in die Apotheke endete mit einem Freispruch für den 30-Jährigen. Für die anderen Straftaten setzte es eine Gesamtfreiheitstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Die Richter gaben dem Angeklagten außerdem die Möglichkeit, in einem längerfristigen Entzug seine Rauschgiftsucht in den Griff zu bekommen. Ob das gelingt, muss abgewartet werden. Schon vor Jahren hatte er eine gleichgelagerte Maßnahme abgebrochen. Ernsthaft angehen will der Franke die neuerliche Chance auf jeden Fall. Er sagte den Richtern: "Ich wünsche mir, dass ich einmal Teil der Gesellschaft bin."

Wenn ein Angeklagter alles richtig gemacht hat

Amberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.