15.07.2021 - 15:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit eigenen Plänen gegen eine zweite "Amberger Mauer"

Das Wort "Mauer" hat seit der inzwischen berühmten Amberger Mauer in der Dostlerstraße in unserer Stadt keinen guten Klang. Soll dann eine solche auch noch in der Altstadt gebaut werden, sind die Stadträte inzwischen sehr hellhörig.

Entlang der Schiffgasse könnte eine 90 Zentimeter hohe Hochwassermauer hochgezogen werden. Das will die Stadt Amberg durch eigene Planungen aber verhindern.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Vorrangig geht es bei dem Thema vor allem um den Schutz der Amberger Altstadt vor einem möglichen Hochwasser. Und angesichts von Bildern überfluteter Häuser, die uns derzeit aus allen Teilen Deutschlands erreichen, ist inzwischen jedem klar geworden, dass bedingt durch den Klimawandel in Zukunft auch durch Amberg immer heftigere Fluten rauschen könnten. Die Frage ist nur, wie der Hochwasserschutz bewerkstelligt werden kann und soll.

Da ist auf der einen Seite das Wasserwirtschaftsamt, das erst vor kurzem eine sehr pragmatische und technische Lösung vorgestellt hat. Unter anderem sieht die eine permanente, 90 Zentimeter hohe Mauer entlang der Schiffgasse vor, die bei Bedarf durch mobile Elemente auf 1,50 Meter aufgestockt werden kann. Die andere Seite, die Gastronomen, die in der Schiffgasse aufmachen wollen, viele Bürger und Anwohner, wollen diese Mauer aber nicht haben und wehren sich dagegen.

Hochwasserschutz geht durch

"Hochwasserschutz geht durch, er findet nicht nur stellenweise statt", machte Baureferent Markus Kühne am Mittwoch in der Sitzung des Bauausschusses deutlich. Er muss aber nicht so aussehen, wie sich das Wasserwirtschaftsamt das heute vorstellt, ergänzte er. "Wir brauchen eine Lösung, die das Hochwasser bannt, relativ einfach darzustellen und gleichzeitig gestalterisch gelungen ist", umriss er den Rahmen. Der müsse aber – gemeinsam mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weiden – geplant werden. "Sonst bekommen wir das, was andere für uns planen", so Kühne.

Um also die zweite Amberger Mauer verhindern zu können, will die Stadt Amberg nun 90.000 Euro in die Hand nehmen und drei Fachbüros damit beauftragen, eine alternative Lösung auszuarbeiten, die möglichst ohne Mauer auskommt. "Weil wir müssen da vorbereitet sein", plädierte CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl für die Freigabe der notwendigen Gelder. "Aber wir brauchen dafür Büros, die Hochwasserschutz machen können und schon gemacht haben", sprach er gegen eventuelle Experimente.

Abflussmengen durch die Stadt bringen

So sah es im Prinzip der gesamte Ausschuss. Denn auf der einen Seite "sind wir in der Pflicht, die Abflussmengen durch die Stadt Amberg hindurch zu bringen", wie Hans-Jürgen Bumes (Grüne) sagte. Auf der anderen Seite "reicht hier ein rein technisch funktionierender Hochwasserschutz nicht aus", ergänzte Josef Witt (ÖDP). Dem Baureferenten ist es wichtig, dass die Stadt schon vor Beginn einer möglichen Planfeststellung in der Lage ist, zu handeln. "Die Frage ist für uns, wie hoch eine Mauer sein muss oder ob man überhaupt eine solche Mauer braucht." Der Ausschuss bestätigte einstimmig seine Meinung und Aussage.

Das plant das Wasserwirtschaftsamt

Amberg
Hintergrund:

Das muss bei der Hochwasserplanung alles berücksichtig werden

  • Freischankflächen in unterschiedlichster Ausprägung und Lage.
  • Gestaltung der Plättenanlegestelle.
  • Bootsanlegestelle für Kanus etc.
  • Verkehrsflächenaufteilung, schließlich handelt es sich bei der Schiffgasse um einen der belebtesten Altstadtzugänge für Radler und Fußgänger. Die Bedingungen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Anlieger sind ebenfalls zu berücksichtigen und mit den Erfordernissen der Belebung, der Aufenthaltsqualität und der Freischankflächennutzung in Einklang zu bringen.
  • Vilsquerungsmöglichkeit und Umfeldgestaltung der Brücke auch auf der gegenüberliegenden Seite.
  • In-Szene-Setzung der Wahrzeichen Martinskirche und Stadtbrille.
  • Einlösen der Versprechen zur Erlebbarkeitssteigerung und Zugänglichkeit der Vils.
Kommentar:

Diese Mauer darf erst gar nicht kommen

90 Zentimeter hoch, bei Bedarf auf 1,50 Meter aufzustocken. Diese Mauer muss weg – oder vielmehr: Diese Mauer darf erst gar nicht kommen. Die Stadt Amberg ist gerade dabei, sich wieder ein gutes Stück seiner früheren Lebensader, der Vils, anzunähern. Neue Gastronomie entsteht in der Schiffgasse, dazu ein Hotel gegenüber auf dem anderen Vilsufer. Zahlreiche Aktionen des Luftmuseums spielen zudem mit dem Fluss, der schon bald wieder erlebbar sein soll. Doch eine Hochwasser-Mauer bewirkt das Gegenteil. Sie schneidet ab, sie trennt.

Wer beispielsweise mit dem Kanu gemächlich durch Amberg paddelt, will vom Wasser aus das Leben am Ufer miterleben und nicht von unten auf eine Spundwand schauen. Wer irgendwann draußen vor dem neuen Lokal Notstain sitzt und einen Kaffee schlürft, will den umgekehrten und vor allem ungestörten Blick auf die Vils genießen. Insofern ist es richtig, dass die Stadt Amberg jetzt Alternativen plant.

Von Andreas Ascherl

"Wir brauchen eine Lösung, die das Hochwasser bannt, relativ einfach darzustellen und gleichzeitig gestalterisch gelungen ist."

Nicht weniger darf es für Baureferent Markus Kühne sein

Nicht weniger darf es für Baureferent Markus Kühne sein

 

 

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