27.06.2019 - 13:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Durchgefallen im Fach Deutsch

Der bekannte Oberpfälzer Heimatdichter, Anton Wurzer, schafft die Lehrer-Prüfung erst im zweiten Anlauf. Er prägt die Region, nicht nur durch seine Sprachkunst. Nach Pleystein lockt er durch Werbung die ersten Sommerfrischler.

Das Ehrengrab von Anton Wurzer am Friedhof in Altenstadt/WN. Als die Gemeinde vernahm, dass das Grab in Amberg aufgelöst werden sollte, veranlasste sie eine Umbettung der sterblichen Überreste.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Es gibt Menschen, die wohnen Jahrzehnte in einer Straße und wissen gar nicht, nach wem sie benannt ist. Anton Wurzer ist so ein Name. Nach dem Heimatdichter sind unter anderem Straßen in Altenstadt/WN, Neustadt/WN, Weiden, Pleystein und Amberg benannt. In seinem Geburtsort Altenstadt/WN befindet sich sein Grab, an der Südseite der alten Kirche auf dem Friedhof. Am Radweg nach Weiden steht ein kleiner Gedenkstein.

Geboren wurde Anton Wurzer am 1. August 1893 als Sohn des Eisenbahners Matthias Wurzer und seiner Ehefrau Catharina. Sein Geburtshaus steht noch, es befindet sich in der Hauptstraße von Altenstadt/WN. Als Wurzer zwei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Weiden. Sein Vater wurde dorthin versetzt. Hier verbrachte er Kindheit und Schulzeit. Der inzwischen verstorbene Neffe Anton Wurzers, Wolfgang Eckstein, ehemaliger Direktor der Nabburger Realschule, berichtete, dass die Eltern fast jeden Sonntag mit dem kleinen Anton einen Spaziergang nach Altenstadt/WN zu den Verwandten unternahmen. Nach dem Besuch der Max-Reger-Schule und der Präparandenschule in Weiden ging Anton Wurzer 1909 in die Lehrerbildungsanstalt nach Amberg.

Böse Überraschung

Es waren zunächst schöne Jahre, doch am Ende erlebte er, wie so viele Schüler vor und nach ihm, die erste böse Überraschung seines Lebens. Er schaffte den Abschluss nicht. Als Grund wurde ihm genannt, dass seine Leistungen in der deutschen Sprache, seinem Lieblingsfach, "nicht ausreichend" seien. Er hat furchtbar darunter gelitten. Das Stadtarchiv Amberg liefert den Beweis, dass er nächtelang für die Wiederholung der Prüfung gelernt hat. Anton Wurzer schreibt von "qualvoll durcharbeiteten Nächten". Trotzdem wurde er später ein weithin bekannter und anerkannter Schriftsteller. Wurzer blieb noch ein Jahr in Amberg und schaffte seinen Abschluss für den Lehrerberuf.

1913 trat Wurzer seinen Dienst als Praktikant an einer Schule in Weiden an. Nach einem Jahr als Lehrer kam am 1. August 1914 die Nachricht: Deutschland erklärte Serbien und Russland den Krieg. Es war eine seltsame Zeit, damals freuten sie die Menschen auf den Krieg. Auch Wurzer ließ sich davon anstecken und meldete sich im Oktober 1914 freiwillig als Soldat. Bald wurde er Offizier und kam in halb Europa herum: Flandern, Aras, Verdun, 1916 Rumänien, Schwarzes Meer, Bessarabien. 1917 musste er wieder nach Westen, nach Frankreich und Belgien. Dort wurde er schwer verwundet.

Noch während des Krieges erhielt Wurzer eine Stelle als Hilfslehrer in Pleystein im ehemaligen Landkreis Vohenstrauß. Nach dem Krieg trat er 1919 die Stelle an, 1920 bekam er eine feste Anstellung. 1921 heiratete er die Apothekertochter Emma Ebenauer aus Prichsenstadt in Franken.

Aktiv im OWV

Weitere Angaben zum Leben des Dichters kann die Stadtverwaltung Pleystein liefern. Wurzer setzte sich für das öffentliche Leben der Stadt ein. Er war aktiv im Oberpfälzer Waldverein und Dirigent des Männergesangvereins. Er organisierte in Pleystein zur Freude der Einwohner Frühlingsfeste und machte für den Fremdenverkehr Werbung, der für Pleystein noch heute von Bedeutung ist. Bald kamen in den Jahren 1925 bis 1939 die ersten Gäste, damals wurden sie "Sommerfrischler" genannt, aus Sachsen und Nürnberg nach Pleystein. Von Anton Wurzer kam der Vorschlag, Ansichtskarten des Ortes zu drucken, um damit zu werben. Der Ort verdankt Wurzer auch das Schwimmbad, für das Kriegerdenkmal zeichnete er einen Plan. Für seine Verdienste wurde Anton Wurzer am 5. April 1939 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Nach zwei Jahrzehnten in Pleystein ließ er sich kurz darauf überraschend als Lehrer nach Amberg versetzen.

"Amberger Mär"

Warum Wurzer 1939 von Pleystein nach Amberg ging, ist nicht geklärt. In Amberg unterrichtete er an der Luitpoldschule und schrieb auch seine wichtigsten Bücher. 1952 erschien das bedeutendste Buch, der "Steinpfälzer Schelmenspiegel" im Verlag Laßleben mit Sitz in Kallmünz. Es enthält viele, zum Teil lustige Geschichten, auch in Mundart. 1953 kam zu seinem 60. Geburtstag ein kleines Büchlein mit Gedichten heraus. Der Name: "Amberger Mär". Es ist eine Sammlung langer und nicht immer einfacher Gedichte über die Vergangenheit Ambergs.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Altenstadt/WN, Alfons Barth, fand heraus, dass Wurzer vielfachen Briefwechsel mit großen deutschen Dichtern pflegte, zum Beispiel mit Herrmann Hesse. 1953 erhielt Anton Wurzer eine große Auszeichnung der Stadt Weiden. Er bekam "für seine Verdienste um die Kultur" durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Hans Schelter die Max-Reger-Medaille verliehen. Im Stadtmuseum ist sie zusammen mit der Urkunde zu sehen.

Am 5. Januar 1955 verstarb Anton Wurzer überraschend im Alter von 62 Jahren an einer Herzlähmung mitten in der Stadt Amberg. Hier wurde er auch beerdigt. Als das Grab aufgelöst werden sollte, erfuhr dies der Gemeinderat Altenstadt/WN. Da er dort geboren wurde und ein bedeutender Mann war, beschloss der Gemeinderat 1980, dass die sterblichen Überreste von Amberg nach Altenstadt/WN überführt werden sollten. Am Allerheiligenfest 1980 wurde Anton Wurzer ein Ehrengrab an der Südseite der alten Pfarrkirche gegeben. Die Pflege des Grabes übernimmt die Gemeinde.

Gedenkstein

Der Heimatverein Altenstadt/WN ehrte 1992 und 1993 den 100. Geburtstag des Heimatdichters in mehreren Veranstaltungen. So wurde am Ende der Anton-Wurzer-Straße durch die Gemeinde ein Gedenkstein aufgestellt und eingeweiht. Dieser Stein war der über Jahre verschwundene Grabstein Wurzers aus Amberg. Im gleichen Jahr fand an der heutigen Mittelschule ein Wurzer-Abend statt. Die Schulspielgruppe unter der Leitung von Elke Schosser führte die Geschichte aus dem Schelmenspiegel "Nichts für dritte Ohren" als Theaterstück auf. Viele Eltern und Gäste kamen in die Turnhalle.

Wolfgang Eckstein las Gedichte und Geschichten von seinem Onkel vor. Ein Anton-Wurzer-Abend fand im Pfarrsaal statt, ein Gedenkgottesdienst in der alten Kirche. Die Heimatstube im alten Forsthaus, Vorgängerin des heutigen Museums, trug den Namen "Anton-Wurzer-Zimmer. Zu sehen war eine Büste des Dichters, Urkunden, Bilder, seine Bücher und vieles mehr. Heute sind die Exponate im Museum Altenstadt/WN zu finden.

Die Ballade vom Winterkönig:

Anton Wurzer in Amberg gewürdigt

Amberg. (cr) „Ruhlos getrieben von wirren Gedanken, peitscht er des Rosses schon schweißige Flanken. Die böhmische Kron’, die Königskron’ zum Kurfürstenhut, Gott geb mir den Mut ... .“

Gemeint ist kein geringerer als der Winterkönig Friedrich V. auf seinem Ritt von Amberg nach Prag, gedichtet in den 1950er Jahren von Anton Wurzer.

Bei der Landesausstellung zum „Winterkönig“ in Amberg wurde der Heimatdichter aus Altenstadt/WN ausdrücklich gewürdigt. Aus seinem Gedichtbüchlein „Amberger Mär“ wurde seine Ballade in zehn Strophen über den Ritt des Winterkönigs am 12. Oktober 1619 nach Prag präsentiert. Schüler des Gymnasiums Sulzbach-Rosenberg malten dafür Bilder.

Die Ballade endet dramatisch: „Drei Wochen später in Prag dem König ganz Böhmen zu Füßen lag. Empfänge und Feste. Der Winter war lang. Doch schon im Herbste die Kriegstrommel klang. Aufrauschte am Weißen Berge die Schlacht, die den Winterkönig zum Bettler gemacht. Man sah noch einmal den totblassen Reiter, geächtet und fliehend: Weiter, nur weiter!“

Anton Wurzer im Jahr 1950.
Schüler des Gymnasiums Sulzbach-Rosenberg malten Bilder für die Landesausstellung zum Winterkönig in Amberg.
Zum 100. Geburtstag des Heimatdichters wurde am Ende der Anton-Wurzer-Straße in Altenstadt/WN von der Gemeinde ein Gedenkstein aufgestellt und eingeweiht. Dieser Stein war der über Jahre verschwundene Grabstein Wurzers aus Amberg.
Die Büste von Anton Wurzer im Museum in Altenstadt/WN.

Mehr über Anton Wurzer:

Amberg

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