24.05.2020 - 10:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Dult fiel schon öfter aus!

Die Pfingstdult 2020 wird es - zumindest in der bekannten Form - nicht geben. Das ist aber nicht das erste Mal, dass das Amberger Volksfest ausfallen muss. Gründe dafür gab es immer wieder, wie der aktuelle Eisengau zeigt.

Die letzte Dult auf dem Alten Dultplatz. Jahrzehnte diente der Bereich unterhalb des Hallenbads als Austragungsort der Dult. Mit dem Bau des ACC musste das beliebte Volksfest umziehen.
von Externer BeitragProfil

In der Neuzeit gibt es eine Parallele zur des Virus wegen ausfallenden Dult: Die Herbstdult 1854. In München herrschte die Cholera und die Amberger Ratsherren befürchteten, diese könne auf Amberg übergreifen. Verständlich, denn die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. Die Warendult fand ja damals und bis in die 1920er Jahre noch auf dem Marktplatz statt. Die einzige öffentliche Toilette, von der wir wissen, befand sich im Vilstor. Welcher Fierant hat wohl den Weg dorthin auf sich genommen? Natürlich fielen Dulten auch während und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg aus.

Dult hat sich vollkommen geändert

Die Dult hat sich im 20. Jahrhundert vollkommen verändert. Während sie über Jahrhunderte primär der Versorgung der Stadt- und Landbevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs, Textilien, Haushaltsgeräten, auch Luxusartikeln diente, entwickelte diese sich nach dem Zweiten Weltkrieg primär zu einer Dult des Vergnügens und des trinkfreudigen Konsums. Die Versorgung mit Waren spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Glaubt man den Aufzeichnungen, kamen die Fieranten nicht nur aus Deutschland. Auch Aussteller aus Paris, Mailand usw. waren vertreten. Dies gilt es sicher zu relativieren. So hatte ein Mailänder Unternehmen einen Geschäftspartner oder eine Niederlassung in Frankfurt oder Nürnberg, der, mit der italienischen Herkunft sein Angebot attraktiver gestalten wollte.

Über Jahrhunderte waren der Marktplatz, die Rathausstraße, zeitweise auch der Salzstadelplatz "Messezentren", die Schaustellerdult spielte sich vor den Stadttoren ab. Das sollte sich in den 1920er Jahren, vor allem wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens und der zunehmenden Zahl der Beschicker, nach viel Streit und Diskussion ändern. Wechselweise waren Kurfürstenring, Schießstätteweg, Am Anschuß "Austragungsort" für die Dult, bis diese sich 1978 auf dem Alten Dultplatz etablierte und 1997 auf den Neuen Dultplatz umzog. Dazwischen, der Landesgartenschau 1996 wegen, residierte die Dult sogar einmal auf dem Campus der gerade in Gründung begriffenen Fachhochschule Amberg-Weiden, heute OTH.

Traurige Zeiten kamen mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und, nach einer kurzen Erholung, mit dem Verbot der Nationalsozialisten, jüdische Fieranten zuzulassen. Diese stellten einen Großteil der Dultbeschicker. Für das Jahr 1364 ist der Jahrmarkt, wie es damals hieß, erstmals archivalisch gesichert, doch gibt es Hinweise, dass die erste Dult schon Jahre vorher stattgefunden haben kann.

Mit den Märkten war aber auch über Jahrhunderte das Geleit verbunden. Schließlich mussten die Fieranten und deren Waren vor Räubern geschützt werden. Ein Problem war der Geldumtausch. Wer in Amberg kannte denn schon Frankfurter Pfennige oder Leipziger Gulden? Schließlich gehören noch der Handels- und der Pflasterzoll zum Marktgeschehen. Letzterer wurde in Amberg bis 1941 erhoben.

Der neue Eisengau, Band 53, geschrieben von Kreisheimatpfleger Dieter Dörner, herausgegeben von der Regionalgruppe Amberg des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Auf 144 Seiten mit vielen Bildern hat er die Geschichte der Dult mit den vorstehend angesprochenen Themen zum Inhalt. Erhältlich ist dieser für 9,20 Euro im Buchhandel oder unter geschichtsnetzwerk-oberpfalz[at]gmx[dot]de bei der Redaktion.

Der Kartoffelmarkt auf dem Paulanerplatz in den 1920er Jahren war ein Teil der Warendult.
DER EISENGAU, Band 53
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