08.09.2020 - 10:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Am Donnerstag bundesweite Alarm-Übung

Mit dem sogenannten Warntag sollen die Bürger bundesweit sensibilisiert werden. Warum das so wichtig und was genau zu erwarten ist, erläutert Armin Buchwald, der Leiter der Integrierten Leitstelle Amberg.

Eine Alarmsirene auf einem Hausdach
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Bevölkerung wird am Donnerstag, 10. September, um 11 Uhr auf allen möglichen Kanälen am sogenannten Warntag alarmiert. Warum das so wichtig und was genau zu erwarten ist, erläutert Armin Buchwald, der Leiter der Integrierten Leitstelle Amberg, in einem Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Wenn am 10. September auf allen möglichen Kanälen gewarnt wird, dann sollten die Menschen nicht erschrecken. Warum ist das so?

Armin Buchwald: Ziel des Warntags ist es, dass die Bevölkerung sensibilisiert wird, um über die Warnung an sich überhaupt mal wieder etwas erfährt. Es ist das letzte mal deutschlandweit vor 30 Jahren gewarnt worden. Nach dieser langen Zeit ist das nun natürlich wieder was Neues. Das ist ja fast eine ganze Generation, die von den ganzen Warnmitteln eigentlich nicht mehr verständigt oder gewarnt worden ist. Aber durch die neuen Möglichkeiten – Apps et cetera – hat man natürlich viele, viele Möglichkeiten, den Großteil der Bevölkerung zu erreichen.

ONETZ: Können Sie erklären, auf welchen Kanälen genau gewarnt wird?

Armin Buchwald: Es wird durch uns, die Leitstelle in Amberg, ausschließlich ein Sirenenalarm ausgelöst. Es wird aber beispielsweise auch die Warnapp Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App, Anm. d. Red.) angestoßen, die am Smartphone eine Meldung aufploppen lässt. Es finden natürlich auch Warnungen über die Presse statt – Radio, Fernsehen und Internetseiten –, ebenso in sozialen Medien. Vielleicht auch durch Lautsprecherwagen – aber nicht in unserem Gebiet. Da wüsste ich nicht, dass etwas angestoßen wird.

Die Feuerwehr Freudenberg-Wutschdorf testete die erste digitale Sirenenanlage im Landkreis Amberg-Sulzbach

Freudenberg

ONETZ: Früher gab es auch Warntage. Diese fanden regelmäßig statt – wie konnte man sich das vorstellen?

Armin Buchwald: Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, das war vor meiner Zeit. Ich kenne das nur, dass man vor 30 Jahren ausschließlich den Sirnenalarm gehabt hat – mit einem anderen Ton. Es gibt verschiedene Töne: Für den Feuer- und den Katastrophenalarm. Bei letzterem geht es um Warnungen vor etwa Erdbeben oder Schadstoffaustritte bei Großbränden. Die Bevölkerung soll sensibilisiert, diese Töne zu kennen.

Vor 50 Jahren brannte ein Gasspeicher bei Eschenfelden

Eschenfelden bei Hirschbach

ONETZ: Viele werden die Alarmierungen wohl im ersten Moment nicht einordnen können, die vom Warntag im Vorfeld nichts mitbekommen haben, oder?

Armin Buchwald: Ja, das ist richtig. Deshalb hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz durch Pressearbeit schon Aufklärungsarbeit betrieben, dass am 10. September um 11 Uhr diese Probealamierung beziehungsweise diese Warnung stattfindet und unter anderem die Katastrophensirenen anlaufen. Eine Entwarnung wird um 11.20 Uhr erfolgen.

ONETZ: Wo laufen konkret die Katastrophensirenen an?

Armin Buchwald: Das ist bei den sogenannten Störfallbetrieben der Fall. Das wären im Landkreis Amberg-Sulzbach das Kaolinwerk in Hirschau und der Gasspeicher in Eschenfelden sowie im Landkreis Schwandorf das Flüssiglager Tyczka in Fensterbach und die Fluorchemie und Nabu-Oberflächentechnik in Stulln. Das sind Störfallbetriebe, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit einer besonderen Warnung bedürfen, wenn Gefahrstoffe austreten und das Umfeld in unmittelbarer Nähe gefährden.

Wie ein Katastrophenalarm klingt, hören Sie in diesem Artikel

Hirschau

ONETZ: Das ist wahrscheinlich auch so etwas, das bei den Bürgern nicht ganz so bekannt ist …

Armin Buchwald: … ich würde sagen, in den Landstrichen, wo diese Störfallbetriebe angesiedelt sind, die besonderes Gefahrenpotenzial in sich bergen, wird man schon mehr Bezug zu diesen Sirenensignalen haben – weil man die „normalen“ Probealarmierungen der Sirenen auch mitbekommt. Wir sind nur eine ausführendes Organ, das die ferngesteuerten Sirenen ansteuert. Letztlich ist es für uns nur ein Mausklick, der einen vorbereiteten Einsatz auslöst. Die ILS Amberg steuert lediglich die Störfall-Sirenen im Landkreis Amberg-Sulzbach und im Landkreis Schwandorf beim Warntag an.

Kommentar:

Sensibilisieren für den Katastrophenfall

Was wäre, wenn wirklich der Katastrophenfall eintritt? Die Mechanismen werden keine anderen sein, wie bei so vielen anderen Themen und Angelegenheiten in einer Zeit von Facebook und Co. In sämtlichen sozialen Netzwerken würden in kürzester Zeit unzählige wilde Gerüchte die Runde machen. Deshalb ist es so wichtig, dass es Quellen gibt, die im Ernstfall verlässlich und seriös warnen. Doch was nutzt es, wenn die Bevölkerung die Alarme nicht einordnen kann. Viele Menschen haben bestimmt noch nie etwas von der Warnapp Nina gehört. Und sicher nicht alle wissen, wie eine Katastrophensirene klingt. Der bundesweite Warntag ist darum eindeutig sinnvoll. Wie real die Gefahr eines Katastrophenfalls ist, zeigt das größte Gasunglück in der Geschichte der Bundesrepublik. Vor 50 Jahren brannte der Gasspeicher bei Eschenfelden (Gemeinde Hirschbach). Und es gibt noch heute einige sogenannte Störfallbetriebe in der Region, von der eine gewisse Gefahr ausgeht. Ein bisschen Sensibilisierung kann da sicherlich nicht schaden.

Christopher Dotzler

Bundesweiter Warntag:

Auf der Internet-Informationsseite zum Warntag (www.warnung-der-bevoelkerung.de) heißt es: "Der bundesweite Warntag findet erstmals am 10. September 2020 statt und wird ab dann jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September durchgeführt. Am gemeinsamen Aktionstag von Bund und Ländern werden in ganz Deutschland sämtliche Warnmittel erprobt. Pünktlich um 11.00 Uhr werden zeitgleich in Landkreisen und Kommunen in allen Ländern mit einem Probealarm die Warnmittel wie beispielsweise Sirenen ausgelöst." Zuständig sind auf Bundesebene das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), auf der Ebene der Länder die jeweiligen Innenministerien und auf der Ebene der Kommunen in der Regel die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden.

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